Posts Tagged ‘Westjordanland’

Eine Werbung und ihre Antworten

Mittwoch, August 15th, 2012

Eine Werbung

Bahnhof Chappaqua Metro-North, New York, 10. Juli 2012.

…und ihre Antworten:

Metro-North, New York

Werbung auf einem Bus in San Francisco

Was sollte man auch anderes antworten können, wenn Rechtfertigen nicht möglich ist.

Wasser: Siedler erhalten 70mal mehr Wasser als Palästinenser

Dienstag, Juli 31st, 2012

Israel raubt nicht nur Land für Siedlungen, sondern eignet sich auch die Wasserreserven des Westjordanlandes an, um „die Wüste zum Blühen zu bringen“. Aber ist ja alles nicht so schlimm, oder?  „Attili: Israeli settlers draining Palestinian water supply“Maan News, 29. Juli 2012.

Was viele Siedler denken – Good bye Zweistaatenlösung

Freitag, Juli 27th, 2012

Wer immer noch manchen in der Jungle World oder konkret schreibenden Hetzern glaubt, die im Westjordanland lebenden Siedler würden kein Problem für Frieden und eine Zweistaatenlösung darstellen, sollte ein Gastkommentar von Dani Dayan, dem Vorsitzenden des Siedlerrates, lesen: „Israel’s Settlers Are Here to Stay“New York Times, 25. Juli 2012.

Vice: Abtrünnige jüdische Siedler

Donnerstag, Juli 26th, 2012

Der Onlineauftritt des Vice Magazins hat in den letzten Tagen eine mehrteilige Story über „die härtesten Hausbesetzer der Welt im Westjordanland“ gebracht. Zwar unterschlägt die Dokumentation mit dem seltsamen Namen „Abtrünnige jüdische Siedler“1 ganz Ostjerusalem mit seinen fast 200.000 im palästinensischen Teil lebenden Siedler bzw. erwähnt sie ganz am Ende nur in einem Nebensatz.  Auch widerspricht sie manchmal nur vage einigen Aussagen der radikalen Siedler wie z.B., dass die Zerstörung palästinensischer Häuser eine legitime Bestrafung für Terrorismus sei.2 Bemerkenswert jedoch ist, dass ein internationales, mehrsprachiges Mainstreammedium einen solch kritischen Bericht über die Siedlungsaktivitäten des israelischen Staates und seiner radikalen Siedler bringt, der sich klar gegen den Siedlungsbau positioniert und dabei auch die palästinensische Seite zu Wort kommen lässt.  Ein Ausdruck des wachsenden Unbehagens im US-amerikanischen Raum über die Realität der israelischen Politik?

  1. Engl. Titel: Renegade Jewish Settlers []
  2. Wobei selbst die Praxis, nur Häuser von vermeintlichen oder wirklichen Terroristen zu zerstören, immer noch eine abzulehnende Kollektivbestrafung der betroffenen Familien wäre. []

Die wahren Feinde Israels

Montag, Juni 18th, 2012

Gastkommentar von Avraham Burg, Sprecher der Knesset von 1999 bis 2003 und ehemaliger Vorsitzender der Jewish Agency sowie der World Zionist Organization über Siedlungsbau und „israelische“ Waren aus dem Westjordanland: „Die wahren Feinde Israels“Neue Züricher Zeitung, 14. juni 2012 (Danke an Matthias für den Hinweis)

Vertreibung seit 1967

Dienstag, Juni 12th, 2012

So kann man Jerusalem und den Rest des Westjordanlandes auch „palästinenserrein“ machen:

Israel stripped more than 100,000 residents of Gaza and some 140,000 residents of the West Bank of their residency rights during the 27 years between its conquest of the territories in 1967 and the establishment of the Palestinian Authority in 1994. As a result, close to 250,000 Palestinians who left the territories were barred from ever returning.1

 

 

  1. „Israel admits it revoked residency rights of a quarter million Palestinians“ – Haaretz, 12. Juni 2012 (nur für Online-Abbonenten, den ganzen Artikel gibt es aber hier: http://dilipsimeon.blogspot.de/2012/06/israel-admits-it-revoked-residency.html) []

Und welchen Namen hat der Zentralrat?

Mittwoch, April 18th, 2012

Vom 24. bis zum 27. März fand in Washington, D.C., die nationale J Street-Konferenz statt. Geladen war unter anderem der palästinensische Sozialdemokrat Mustafa Barghouti, der vor einer überwiegend jüdischen Audienz über die Zweistaatenlösung und deren Unmöglichkeit referierte und dabei klare Worte verlor:

„What is apartheid? Apartheid is a system where you have two laws, two different laws, for two people living in the same area. If you don’t like the word apartheid, give me an alternative to a situation where a Palestinian citizen is allowed to use no more than 50 cubic meters of water per capital year, while an Israeli illegal settler from the West Bank is allowed to use 2400.“1

Was gab es für einen Aufschrei, als Sigmar Gabriel auf seinem Facebookprofil Hebron mit der Apartheid gleichsetzte. Sofort schaltete sich Graumann ein und Gabriel ruderte schnellstmöglich zurück. Auch die Jüdische Allgemeine, Sprachrohr der israelischen Rechten, echauffierte sich innerhalb kürzester Zeit über Gabriel. Aber wie nennt denn der Zentralrat die Siedlungsaktivitäten, das Straßensystem, das Plündern der Ressourcen und des Wassers, den Landraub, der schon 40% des Westjordanlandes umfasst sowie das getrennte Rechtssystem, was Palästinenser unter Militärrecht stellt, die 500.000 Siedler jedoch, obwohl außerhalb Israels, unter israelisches Recht? Welcher Name wäre denn angebracht, Herr Graumann?

  1. Ein Auszug seiner Rede ist hier zu lesen: http://mondoweiss.net/2012/04/barghouti-to-u-s-jews-i-know-you-dont-like-the-word-apartheid-but-what-do-you-call-a-system-that-gives-a-settler-50-times-more-water-than-a-palestinian.html; die gesamte Rede kann auch als Video angeschaut werden: http://conference.jstreet.org/2012videos []

If it looks like a duck, swims like a duck, and quacks like a duck

Donnerstag, März 15th, 2012

SPD-Chef Gabriel bringt das Blut in den Adern vieler Leute zum kochen, weil er gestern auf seinem Facebookprofil während seines Besuchs des Westjordanlandes über Hebron schrieb:

„Das ist für Palästinenser ein rechtsfreier Raum. Das ist ein Apartheid-Regime, für das es keinerlei Rechtfertigung gibt.“

„Nicht nur in Hebron, sondern im ganzen Westjordanland!“, möchte man da Gabriel hinterher rufen.1

  1. Und dabei geht es gar nicht darum, ob die Benutzung des Begriffs jetzt das Regime in Südafrika relativiert oder die Kolonialisierung, den Landraub oder das Einsperren und Unterdrücken der palästinensischen Bevölkerung richtig umschreibt. Sondern eher um das offene Aussprechen des Leides, was den Menschen in den Besetzten Gebieten durch die Besatzung und den Siedlungsbau widerfährt. []

Keine ethnische Säuberung in der Westbank?

Sonntag, Februar 26th, 2012

Die Emotionen und Abwehrreaktionen auf Seiten der Apologeten Israels schlagen hoch, wenn man ihnen entgegen hält, Israel betreibe aktuell eine ethnische Säuberung des Westjordanlandes. Man darf glücklich sein, wenn einem nur ein „Lügner“ entgegen geschleudert wird. Die Praxis sieht wesentlich verleumderischer aus. Der Begriff der „ethnische Säuberung“ beinhaltet Umsiedlung, Vertreibung und Deportation und wird zumeist im Kontext von Konflikten wie in Jugoslawien benutzt, also für bürgerkriegsähnliche Zustände. Im Falle Palästinas wird eine solche jedoch seit jeher vehement geleugnet. Es ist gerade der Gebrauch von Begriffen wie “ethnische Säuberung”, die in den Köpfen der Apologeten eine Analogie zu den Gemetzeln auf dem Balkan herstellt. Und da in der Westbank im Moment nicht vergewaltigt und massakriert wird (sieht man einmal von Gaza ab, aber diese Bevölkerung soll ja auch nicht vertrieben werden), die Säuberung langsamer und subtiler abläuft, kommt die Bestimmung als das, was es ist, natürlich nicht in Frage. Eine ethnische Säuberung muss nicht unbedingt mit Massakern innerhalb kürzester Zeit einhergehen.

Dabei sprechen die Zahlen eine andere Sprache.  Mit dem Abkommen von Oslo zu Beginn der 1990er Jahre wurde die Westbank wie folgt aufgeteilt:

• Zone A (18% des Gesamtgebiets, über 50% der heutigen Gesamtbevölkerung) unter palästinensischer Zivil- und Sicherheitsverwaltung

• Zone B (20% des Gebiet, über 40% der heutigen Bevölkerung) unter palästinensischer Zivilverwaltung und gemeinsamer israelisch-palästinensischer Sicherheitsverwaltung

• Zone C (62% des Gebiets, ca. 6% der heutigen Bevölkerung) unter fast voller israelischer Zivil- und Sicherheitsverwaltung

 

Zone C umfasst mit seinen 62% des Westjordanlandes vor allem das fruchtbare Jordantal und große Teile der Wasserreserven. Nicht von ungefähr kommt es dann auch, dass in dieser Zone der Großteil der israelischen Kolonien zu finden sind. Und nicht von ungefähr kommt es, dass sich die Bevölkerung dieses Gebietes von ehemals 300.000 auf nur noch 150.000 halbiert hat. Andere sprechen sogar alleine im Falle des Jordantals von einem Absinken der Bevölkerung auf 50.000 von ehemals 250.0001. Und dies trotz erhöhter Geburtenrate.

Shir Hever vom Alternative Information Center fasst dies nochmals auf Russia Today zusammen (ab Minute 12:45):

„And in fact the recent report [on „forced transfer“ of Palestinians] by the European Union showed that in one area of the West Bank, the Jordan Valley, the population in 1967, right prior to the Israeli occupation, was 300,000 people. Today 45 years later the population is half, 150,000 people. Half of the Palestinians were deported from their lands and had to leave this area one way or another and if you account for the natural growth of the population thru births it’s actually much more than half.“

Israel treibt nicht nur den Siedlungsbau in der Zone C in rasender Geschwindigkeit voran (vor einiger Zeit brüstete sich Netanjahu damit, inzwischen würden inzwischen nicht 500.000, sondern mehr als 650.000 Siedler im Westjordanland und Ostjerusalem leben).2 Sondern auch die Zivilverwaltung, vielerorts in Händen der extremistischen Siedler, verweigert fast jegliche Bauvorhaben der Palästinenser. Nur 5,7% aller Anträge zwischen 2000 und 2007 wurden genehmigt. Auf nur auf 1% der Fläche erlaubt Israel in der Praxis neue Bauvorhaben zu verwirklichen. Vielerorts bestehen immer noch die Bebauungspläne aus der Mandatszeit.

Dagegen forciert und subventioniert Israel den Ausbau der „jüdischen“ Infrastruktur, also Hausbau, Bildungs-, Wasser- und Verkehrsinfrastruktur, „for Jews only“. Es verstaatlicht immer mehr Land, hält dieses aber nur für israelischen Siedlungsbau bereit.

Seit dem Jahre 2000 wurden über 4.800 palästinensische Häuser in der Zone C abgerissen wurden, weil ihnen die Baugenehmigung fehlte.3 Alleine im Jahre 2010 wurden 45 Wasserzisternen zerstört, während die nur 10.000 Siedler des Jordantals ein Drittel des gesamten Bedarfs der 2.5 Millionen Palästinenser verbrauchen. Und schweigen wir besser von der Mauer/der „Sicherheitsgrenze“, der Annexion von Land und der Zerstörung von Obst-, Gemüse- und Olivenanbaugebieten und den Brandanschlägen auf Moscheen.

Dies alles ist dann auch nur ein Vorgeschmack darauf, was im Moment in Ostjerusalem anläuft und wie sich die Situation dort entwickeln wird. Aber eine ethnische Säuberung ist natürlich weit und breit nicht zu finden! Oder um es mit dem in der Jungle World und konkret schreibenden Alex Feuerherdt auszudrücken: Das Problem sind nicht die Siedler oder die Besatzung, das Problem ist, dass die Palästinenser ein „judenreines“ Westjordanland haben wollen.

  1. Jeff Halper: „The end of the ‘two-state solution’ is the beginning of a more just future“Mondoweiss, 19. Februar 2012 []
  2. Ofizielle Statistiken werden nur durch den israelischen Staat geliefert. []
  3. Also keine „Attentäterhäuser“. Aber auch dies könnte die Sippenhaft nicht rechtfertigen. []

Kafka im Westjordanland

Dienstag, Februar 14th, 2012

Wie das von Israel in den besetzten Gebieten eingerichtete Verwaltungssystem das Leben der palästinensischen Bevölkerung zur Qual werden lässt, erklärt Joseph Dana anschaulich in  seinem Berichts aus den Hügeln südlich Hebrons: „Kafka im Westjordanland“Le Monde diplomatique, 10.Februar 2012.