Posts Tagged ‘Siedler’

Südafrikanische Verhältnisse?

Montag, November 1st, 2010

Zvi Bar’el über die stetige Veränderung der israelischen Gesellschaft: vom verdeckten, über die „Kultur“ gerechtfertigten Rassismus, zur immer offener auftretenden Segregation der (israelischen) Araber. Keine Parallelen? „South Africa is already here“Haaretz, 31. Oktober 2010

Reagiert Israel nur auf die Hamasanschläge?

Sonntag, September 5th, 2010

Ohne die Morde der Hamas an den vier Siedlern irgendwie rechtfertigen zu wollen: – wie Mondoprinte richtigerweise sagte: Mord bleibt Mord – die ARD berichtet, dass Israel als „Reaktion“ der Anschläge der Hamas Tunnel in Gaza bombardierte. Allerdings muss man sich manchmal fragen: wer reagiert denn hier auf wen? Tötet die Hamas vier Siedler innerhalb der Westbank, dann wird dies  richtigerweise als Versuch  gewertet, die Friedensgespräche zu sabotieren. Keiner verliert aber ein Wort darüber, dass Landraub, Repression und Demütigung, Folter, gezielte Tötung, und „Kollateralschäden“ zur alltäglichen Praxis der IDF und der Siedler gehören. Und all dies nimmt die palästinensische Seite bei den Verhandlungen hin. Seham auf Mondoweiss zählt die Angriffe der Siedler auf: „Look at this list of settler-initiated crimes against Palestinians in the last few weeks“.

Alex Feuerherdt: Wir machen uns die Welt, wiede wiede wie sie uns gefällt!

Montag, August 16th, 2010

Es muss schon ziemlich ärgerlich für einen Autoren sein, wenn er einen Artikel für ein Monatsblatt schreibt, aber ihm noch vor Veröffentlichung alle „Fakten“ um die Ohren fliegen. So geschehen dem Amateur-Schiedsrichter Alex Feuerherdt. Als ich vor etwa einem Monat seinen Artikel „Narrenschiffe“ in der KONKRET 7/2010 las, konnte ich mir eine gewisse Schadenfreude nicht verkneifen. „Knieschuss!“, hätte man auch sagen können.

Die Freude währte aber nur kurz. Denn wahrscheinlich würden beträchtliche Teile der Leserschaft es gar nicht registrieren, dass Leute wie Max Blumenthal, Lia Tarachansky, Iara Lee oder auch die Obduktion der Toten durch das Justizministerium der Türkei große Teile der israelischen „Fakten“ als das entlarvt hatten, was sie waren: Lügen. Diese Leser haben in der Regel lediglich die deutschen Pressestimmen und vielleicht noch Feuerherdts oder einen anderen unkritischen Artikel zur Erstürmung der Mavi Marmara gelesen. Dass sich die in der KONKRET publizierten „Fakten“ aber als ein großes Theaterstück herausstellen würden, werden viele dann doch nicht mehr mitbekommen haben.

Niemand kann sich in der heutigen Informationsflut mit Tausenden von Quellen versorgen. Dies wusste auch die israelische Armee, die mehrere Tage fast ungestört ihre Version verbreiten konnte, ohne dass die wenigen Aufnahmen und Zeugen, die Gegenteiliges belegten, in den Medien groß dazwischenfunkten. Der Bilderkrieg war damit zu guten Teilen für die eigene Seite entschieden worden.

Als dann immer mehr von dem ans Tageslicht kam, was sich dort abgespielt hatte, verschwanden diese „Fakten“ einfach aus der Argumentation sowohl der israelischen Regierungssprecher als auch der Artikel von Apologeten der israelischen Politik. Nicht umsonst findet sich über die von Feuerherdt in der KONKRET noch lautstark rausposaunten „Fakten“ in seinem neuen Beitrag für die Jungle World (31/2010) kein einziges Wort mehr. Bevor wir uns also seinem neuesten Paukenschlag mit dem zynischen Titel „Humantität als Camouflage“ widmen, wollen wir uns noch mal seinen Konkret-Artikel zu Gemüte führen. (mehr …)

Unterstützt die Jüdische Allgemeine den Siedlungsbau?

Montag, August 9th, 2010

Die Jüdische Allgemeine, Presseorgan des Zentralrats der Juden in Deutschland,1  veröffentlichte während der letzten Woche auf ihrer Startseite2 als Hauptartikel einen Beitrag des Rabbiners Jaron Engelmayer. „Aus Liebe zum Land – Warum Zionismus und Religion zusammengehören“. 3 In diesem Artikel erklärt Rabbi Engelmayer die Gründe, warum orthodoxe Juden immer mehr mit dem Zionismus zusammenwachsen. Man kann diesen Artikel einfach historisch betrachten und die Inbesitznahme des Landes Israels, von der Engelmayer in seinem Artikel zitierend spricht, in die Vergangenheit legen: zwischen die erste Aliyah und die Gründung Israels bzw. den Sechstagekrieg. Dann würde Engelmayers Beitrag nichts anders sein, als eine Erklärung, warum der israelische Staat in seinen international anerkannten und festgelegten Grenzen von 1967 auch religiösen Menschen eine Heimat sein kann und darum auch von Gläubigen oder gar Orthodoxen verteidigt gehört. Niemand kann etwas dagegen sagen, wenn Menschen sich gegen Gewalt, die ihnen angetan wird, wehren.4 Dazu gehört auch oftmals, dass man andere Menschen, die sich der eigenen Gruppe zugehörig fühlen, dafür gewinnt, die gemeinsame „Heimat“ zu verteidigen, sei es materiell oder moralisch.5

Eine Siedlerin im Westjordanland (Foto: Jüdische Allgemeine)

Ist dem so? Geht es Rabbi Engelmayer hier nur um eine gerechtfertigte Verteidigung Israels? Und dachte er dabei gar nicht an die Siedlungen? Oder muss man hier Zweifel anbringen? Wenn der Rabbiner also keineswegs die Intention hatte, den illegalen Siedlungsbau, der zu einem der größten Hindernisse für eine Zweistaatenlösung und einen gerechten Frieden für Palästinenser und Israelis geworden ist, zu rechtfertigen, dann ist jedoch der Jüdischen Allgemeinen der Vorwurf zu machen, dem Artikel gerade ein solches Bild zuzuweisen.

„Geula: Aus dem jüdischen Staat heraus kann die endgültige Erlösung kommen.“

So ist das Bild unterschrieben. Nur, dass dieses Bild gar nicht in Israel aufgenommen ist, sondern im zukünftigen Staat Palästina. Um genau zu sein handelt es sich hier um den Außenposten Bnei Adam, einige Kilometer östlich der Siedlung Geva Binyamin.6  Geva Binyamin (und damit auch der Außenposten Bnei Adam) zählt zu den Siedlungen, die bekannt sind für ihre rechtsextremen Siedler7 und illegale Annexion palästinensischen Landes.8 Das Bild9 zeigt eine Siedlerin bei einer Tour, die von der Aktivistin Nadia Matar angeführt wird, eine bekannte Extremistin der „Women in Green“, die dafür eintreten, nicht einen Quadratzentimeter an erobertem Land an die Palästinenser zurückzugeben.10

Im Kontext des Bildes erscheint dann auch das, was Rabbi Engelmayer in dem Beitrag auf der Seite der Jüdischen Allgemeinen schreibt, in einem ganz anderem Lichte:

„Jedes Mal, wenn G’tt unseren Vorvätern erschien, um Verheißungen zu machen, dann versprach er ihnen, dass sie zu einem großen Volk werden und das Land Israel in Besitz nehmen würden. Dort sehen wir, dass Religion und Zionismus untrennbar miteinander verbunden waren – und bis heute eine Einheit bilden.“

Liebe Jüdische Allgemeine: Ziemlich gewagt.

  1. Der Geschäftsführer ist der Vize des Zentralrats, Dr. Graumann; Herausgeber ist der Zentralrat der Juden in Deutschland []
  2. Ob der Artikel mit entsprechend in der Printausgabe war, habe ich bisher nicht überprüft. []
  3. http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/8340 []
  4. Ob sich Israel immer nur wehrt oder im Moment eher der hauptsächliche Akteur ist, soll hier dieses mal nicht Thema sein. []
  5. Genauso wenig, was an so einer Heimat denn so dran ist. []
  6. http://www.peacenow.org.il/site/en/peace.asp?pi=58&docid=1603 []
  7. http://www.ynet.co.il/english/articles/0,7340,L-3761590,00.html []
  8.  http://hosting-source.bronto.com/11522/public/documents/JabaPetition11Nov09ENGSUM.pdf []
  9. http://www.flash90.co.il/fotoweb/Preview.fwx?position=146&archiveType=ImageFolder&sorting=ModifiedTimeAsc… []
  10. Der Originaltext zum Bild aus dem Archiv lautet:

    „A religious Jewish woman holds an Israeli flag at the Jewish settlement of Bnei Adam, where she along with other Jews attended a tour led by activist Nadia Matar (not seen) of the Jewish settlements in the West Bank. Bnei Adam is a group of shacks and other structures spread out over a few acres. The first families arrived in 2004 – long after the March 2001 deadline after which start-up neighborhoods are included on the “to be destroyed” list of the United States government. No major attempts have been made to raze the entire outpost, but security forces have recently destroyed a few of the trailers set up there. September 23, 2009“

    Zu den „Frauen in Grün“ siehe auch deren eigene Homepage. Dies reicht aus, um sich einen Eindruck über diese Extremistinnen zu verschaffen: http://www.womeningreen.org/ []

… und Netanyahu erteilt Siedlungsbaustopp Absage

Donnerstag, Juli 29th, 2010

Nur kurz nachdem Netanyahu noch vor Obama seinen Friedenswillen bekräftigt hatte, sagt er gestern offen, dass es keine Verlängerung des Siedlungsbaustopps geben werde. Die Bedingungen der palästinensischen Seite sei „unrealistisch“. Ihm würde sonst seine Regierung um die Ohren fliegen. Das würde die Sache dann auch nicht allzu schlimm machen, haben doch Arbeitspartei und Kadima in den letzten Jahren fröhlich mitgebombt und mitgebaut. „Netanyahu: Extending settlement freeze will cause government to collapse“ – Haaretz, 29.07.2010

Arbische Liga bietet Israel Friedensgespräche an…

Donnerstag, Juli 29th, 2010

Die Arabische Liga bietet Israel nach dem Abbruch der Gespräche während der Bombardierung Gazas erneut direkte Friedensgespräche an, wenn Israel einen sofortigen und dauerhaften Baustopp für Siedlungen im Westjordanland verhängt. „Arab League open to direct talks“ – Ma’an, 29.07.2010

42% des Westjordanlandes durch Siedler beansprucht

Montag, Juli 12th, 2010

Schon der Goldstone-Report wies darauf hin, dass 40% des Westjordanlandes inzwischen durch die Siedler beansprucht wird.

Paragraph 198: “According to United Nations sources, almost 40 per cent of the West Bank is now taken up by Israeli infrastructure associated with the settlements, including roads, barriers, buffer zones and military bases.”

Nun schreibt ein Artikel im Independen ähnliches: 42 % des Westjordanlandes sei inzwischen nach Angaben von B’Tselem, der größten israelischen Menschenrechtsorganisation, durch Siedlerstädte und -Dörfer und deren Infrastruktur benutzt:

Jewish settlers, who claim a divine right to the whole of Israel, now control more than 42 per cent of the occupied West Bank, representing a powerful obstacle to the creation of a Palestinian state, a new report has revealed.

The jurisdiction of some 200 settlements, illegal under international law, cover much more of the occupied Palestinian territory than previously thought. And a large section of the land has been seized from private Palestinian landowners in defiance even of an Israeli supreme court ruling, the report said, a finding which sits uncomfortably with Israeli claims that it builds only on state land.1

Dabei nutzte B’Tselem lediglich die offiziellen Statistiken und Karten, die von der IDF und dem israelischen Staat ausgeben wurden:

Drawing on official Israeli military maps and population statistics, the leading Israeli human rights group, B’Tselem, compiled the new findings, which were released just as the Israeli prime minister, Benjamin Netanyahu, arrived in Washington to try to heal a gaping rift with US President Barack Obama over the issue of settlements.

Die amerikanische Politik gegenüber der rechten Regierung Netanyahus hat dies allerdings nicht beeinflusst. Und wenn, dann nur hinter den Kulissen, so dass man sich schon fast klar darüber ist, dass Netanyahu auf seine Worte nicht viel geben wird. Unlängst sagte Liebermann öffentlich, dass der Bau alsbald weitergehen wird.2  Mehrere andere Minister taten es ihm gleich. Liebermann will währenddessen „arabische“ Gebiete in Israel an die Palästinenser im Austausch zu den Siedlungen abtreten.3 So löst man auch sein demographisches Problem, indem man Menschen ausbürgert, die man als 5. Kolonne ansieht.

Auf Mondoweiss weist Phillip Weiss indes zurecht darauf hin: „Yes, and how much of the water?“ (via Too much cookies)

  1. „Exposed: The truth about Israel’s land grab in the West Bank“Independent, 10.07.2010 []
  2. http://www.tagesschau.de/ausland/lieberman118.html []
  3. http://newsaktuell.info/topstories/lieberman-will4272-072010.html []

Agressive Aliyah-Werbung: Penthouse in Ariel gefällig?

Donnerstag, Juni 24th, 2010

Kiera Feldmann über eine pervers anmutende Messe der Jewish Agency in New York, in der die Judaisierung der Westbank offen propagiert und Siedler mit Geld, Universitätsabschlüssen und Wohnungen vor und hinter die Grüne Linie gelockt werden. „Israeli expo in NYC markets penthouses in settlements“ – Mondoweiss, 23.06.2010. Dazu gibt es das passende Werbevideo für zu der im palästinensischen Teil Jerusalems gelegenen Siedlung Ramat Eshkol: