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„Wenn Täterenkel sich empören“ – Finkelstein in Berlin

Freitag, November 26th, 2010

An diesem Samstag, den 27. November 2010, hat die  PÄAV Deutschland e.V. im Rahmen des „internationalen Solidaritätstages mit dem Palästinensischen Volk“ den  Politikwissenschaftler Norman G. Finkelstein eingeladen, um im Maritim Hotel in Berlin zu sprechen. Finkelstein wird dort, wie vor einigen Wochen in Kanada, unter dem Titel „Israel und Palästina: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft“ referieren. Schon im Februar hatte Finkelstein einen Besuch nach massiver Hetze gegen seine Person abgesagt, da er über die Mitverantwortung Deutschlands für die anhaltende Blockade Gazas und eben nicht über seine Person reden wollte. Auch dieses mal lassen es sich die „Hüter der Freiheit“ nicht nehmen, gegen Finkelstein vorzugehen, können sie ihm doch argumentativ zum Thema Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern kaum etwas  entgegensetzen – ausser blinder Solidarität mit der israelischen Politik. Aber es bleibt ja immer noch die Lüge, Finkelstein würde den Holocaust relativieren. Da die Vorgehensweise der Apologeten Israels der Hetze im Februar gleicht, veröffentliche ich hier nochmals einen Text von Rhizom, den er damals den Gegnern entgegensetze, der aber auch noch heute Wort für Wort zu unterschreiben ist:

Wenn Täter-Enkel sich empören: Finkelstein, Antisemitismus und Israel

von: Rhizom, 15. Februar 2010

Am 26. Februar soll der amerikanische Politikwissenschaftler Norman Finkelstein, unter anderem auf Einladung der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost, in Berlin einen Vortrag halten, der den etwas sperrigen Titel trägt: “Ein Jahr nach dem Überfall der israelischen Armee auf Gaza – die Verantwortung der deutschen Regierung an der fortgesetzten Aushungerung der palästinensischen Bevölkerung”. Vermutlich wird der Vortrag vor allem eine Collage seines neuen Buches ‘This Time We Went Too Far’ sein, über dessen Grundthesen man sich in zahlreichen Youtube-Videos informieren kann.

Indessen hat der Landesarbeitskreis (LAK) “Shalom”, der sich vor wenigen Jahren gründete, um die Linkspartei auf einen stramm proisraelischen Kurs einzuschwören, im Verbund mit anderen Gruppen zu einer Kundgebung aufgerufen, um unter dem Motto “Was zu viel ist, ist zu viel” aus diesem Vortrags- und Diskussionsabend, der nunmehr sogar in den Räumen der eigenen Parteistiftung stattfinden soll, eine Art öffentlichen Skandal zu zaubern.

Sich mit eigener Substanz an der Diskussion zu beteiligen ist die Sache des LAK Shalom aber offenbar nicht, denn statt auch nur mit einem Wort auf die inhaltliche Kritik von Finkelstein an Israels Kriegs- und Blockadepolitik einzugehen, hat man lieber eine Schlammschlacht gegen ihn entfesselt, die ihn als Redner persönlich disqualifizieren soll. Dass seine Bücher Zuspruch vor allem von Borderline-Nazis wie David Duke erhielten, ist dabei noch einer der harmlosesten Vorwürfe. Wie allerdings erklärt sich der LAK Shalom, dass sich unter seinen Fürsprechern neben zahlreichen israelischen und amerikanischen Linken (den üblichen Verdächtigen, die in den Augen dieser Pressure Group vermutlich bereits ins “Antisemitenlager” zählen) auch Raul Hilberg und Avi Shlaim finden?

Mag sein, dass Shlaim als einer von Israels renommierten “neuen Historikern” bei diesen Leuten ebenfalls keinen besonders guten Ruf genießt, aber Hilberg ist immerhin Autor des dreibändigen Standardwerks über die deutsche Judenvernichtung und galt bis zu seinem Tod im Jahr 2007 als der Nestor der internationalen Holocaust-Forschung. Dass beide Finkelstein ausgerechnet in dem Moment zu Hilfe eilten, als die Attacken gegen ihn gerade ihren Siedepunkt erreichten, zeigt zudem, dass sie dies im vollen Bewusstsein auch der umstritteneren Aspekte seines Werks taten, sei es, weil sie diese für nicht so gravierend hielten oder ihnen sogar offen zustimmten – wie anscheinend Hilberg, der Finkelstein für seinen “akademischen Mut” lobte, “die Wahrheit zu sagen, wenn niemand anderes da draußen ist, ihn zu unterstützen”.

Hat sich Hilberg, wie der LAK Shalom kolportiert, öffentlich hinter einen “Geschichtsrevisionisten” gestellt? Wohl kaum. In der berühmten Goldhagen-Debatte war es nicht dieser, sondern Finkelstein, der den Konsensus der internationalen Holocaust-Forschung gegen einen “Revisionisten” verteidigte. “Revisionist” (das Wort bezeichnet für gewöhnlich Holocaust-Leugner und ist hier kaum angemessen) war Goldhagen insofern, als er den Holocaust monokausal auf eine spezifisch deutsche Tradition, den sog. eliminatorischen Antisemitismus, zurückführen wollte, während etablierte Historiker darauf beharrten, dass der Antisemitismus, erstens, nur einer von mehreren Faktoren war, die den Holocaust erklären, und, zweitens, die Judenfeindschaft in der deutschen Bevölkerung sich überhaupt nicht grundlegend von der in anderen Ländern unterschied.

Zoff löste denn auch nur die von Finkelstein selbst als unwissenschaftlich gekennzeichnete polemische Nachbemerkung aus, in der er frei heraus über Goldhagens zionistische Motive spekulierte: Wenn der Holocaust, entgegen allen bisherigen wissenschaftlichen Annahmen, in seinen Ursachen allein der Tradition des Antisemitismus zugeschlagen werden könnte – eine Tradition, die hier gleichsam kontextlos für sich steht -, so sei daraus viel eher eine Rechtfertigung des jüdischen Nationalismus abzuleiten, als wenn man auch andere Faktoren in Rechnung stelle, um aus dem deutschen “Verwaltungsmassenmord” (Hannah Arendt) an Juden und Roma z.B. eine Kritik des modernen Rassismus, des völkischen Nationalismus oder der “instrumentellen Vernunft” (Horkheimer) im organisierten Kapitalismus zu entwickeln.

Hier stehen sich, wie Zygmunt Bauman in seinem Buch Dialektik der Ordnung ausführt, zwei grundsätzlich verschiedene Paradigmata gegenüber: Die einen interpretieren den Holocaust vor allem als Ereignis in der Leidensgeschichte des jüdischen Volks und Kulminationspunkt eines Jahrtausende alten Judenhasses – für Finkelstein der Fokus der sog. Holocaust-Literatur, die er von seriöser Geschichtswissenschaft in der Tradition Hilbergs abzugrenzen versucht und als deren neuen Prototypen er Daniel J. Goldhagen begreift. Die anderen dagegen bemühen sich um eine kritische Bestandsaufnahme der Epoche, die Auschwitz hervorbrachte. Für sie hatte die historische Wahl des Vernichtungsobjekts im Grunde einen akzidentellen Charakter, weil – in den Worten Horkheimers und Adornos – “die Eigenart, um derentwillen die Opfer erschlagen werden,” in der total integrierten Gesellschaft “selber längst weggewischt” sei:

Die Menschen, die als Juden unters Dekret fallen, müssen durch umständliche Fragebogen erst eruiert werden, nachdem unter dem nivellierenden Druck der spätindustriellen Gesellschaft die feindlichen Religionen, die einst den Unterschied konstituierten, durch erfolgreiche Assimilation bereits in bloße Kulturgüter umgearbeitet worden sind.

Zu diesem Schluss gelangen die Autoren nun ausgerechnet in einem Text, der sich den für den Genozid als konstitutiv erachteten “Elementen des Antisemitismus” widmet. Tatsächlich aber würden die Juden “zu einer Zeit ermordet, da die Führer die antisemitische Planke so leicht ersetzen könnten, wie die Gefolgschaften von einer Stätte der durchrationalisierten Produktion in eine andere überzuführen sind”. – “Und wie die Opfer untereinander auswechselbar sind, je nach der Konstellation: Vagabunden, Juden, Protestanten, Katholiken, kann jedes von ihnen anstelle der Mörder treten, in derselben blinden Lust des Totschlags, sobald es als die Norm sich mächtig fühlt.”

Finkelstein trägt, und das macht ihn so verhasst, die These, dass die Kritik des Antisemitismus nicht den Kern dessen repräsentiere, was aus dem Holocaust zu lernen sei, mit einer starken polemischen Spitze gegen den Zionismus vor, obwohl er die Existenz Israels deshalb noch lange nicht in Frage stellt. Er ist nicht einmal Anhänger der von vielen amerikanischen Linken favorisierten Ein-Staaten-Lösung, sondern hält sich an den internationalen Konsensus auch in der Frage des Völkerrechts, das Israel – unabhängig von der üblichen moralischen Begründung seiner Existenz durch Verweis auf den weltweiten Antisemitismus – das Recht zusichert, “innerhalb sicherer und anerkannter Grenzen frei von Drohungen und Akten der Gewalt in Frieden zu leben”.

Der LAK Shalom aber hält diese Position für “extrem”. Doch an Finkelsteins Kritik der israelischen Kriegs- und Besatzungspolitik ist nichts extrem: Sie orientiert sich an den einstimmigen Entscheidungen des Internationalen Gerichtshofs über die Illegalität der israelischen Siedlungen, der jedes Jahr mit überwältigender Mehrheit verabschiedeten UNO-Resolution über die friedliche und gerechte Beilegung des Nahost-Konflikts und den bis ins kleinste Detail übereinstimmenden Berichten der großen Menschenrechtsorganisationen über die Lage der Palästinenser. Wenn überhaupt, dann ist der Ausdruck “extrem” wohl eher auf die Aussagen politischer Verbündeter des LAK Shalom wie den Journalisten Alex Feuerherdt zu applizieren, der in jüngster Zeit dazu übergegangen ist, die koloniale Siedlungspolitik Israels in den besetzten palästinensischen Gebieten öffentlich zu legitimieren.

Und in gewisser Weise finde ich es auch “extrem”, wie der LAK Shalom mit der Tatsache umgeht, dass Finkelstein Sohn zweier Überlebender des Warschauer Ghettos, des Vernichtungslagers Majdanek (im Falle der Mutter) und des Auschwitz-Todesmarsches ist (das Schicksal seines Vaters). Niemand hat behauptet, dass das ein Argument für seine politischen Positionen sei. Aber aus diesem Faktum ein so genanntes zu machen, indem man schreibt, dass er sich als Sohn von Holocaust-Überlebenden “bezeichnet” (um damit zu implizieren, dass er es womöglich gar nicht ist), stellt sich mir in seiner Form – als persönlicher Angriff auf die biographische Integrität von Maryla und Zacharias Finkelstein, die der LAK Shalom damit ja implizit der Lüge verdächtigt – als so abgeschmackt dar, dass ich den Schluss meines Beitrags vor allem der Wiederherstellung ihres Andenkens widmen möchte.

Von Maryla Husyt Finkelstein sind zahlreiche Tonbandaufnahmen überliefert (hier ein Ausschnitt), in denen sie von ihrer Leidensgeschichte erzählt – nicht zuletzt in der Absicht, eine junge Generation politisch aufzurütteln, um gegen Krieg, Entrechtung und Rassismus in all ihren Gestalten zu protestieren. In seiner Biographie Haunted House schildert Norman Finkelstein den lebenslangen Eindruck, den sie damit auch auf ihren Sohn machte – ob zum Guten oder Schlechten, sei einmal dem Urteil des Lesers anheimgestellt. Mit der folgenden Übersetzung will ich davon zumindest eine leise Idee geben.

Jeden Abend, wenn wir die Nachrichten im Fernseher sahen, wendete meine Mutter ihre Augen ab und hob die Hand, um den Bildschirm zu verdecken, sobald Szenen aus Vietnam darüber hinweg flimmerten. Nach wenigen Augenblicken kam dann immer die Frage: “Ist es schon vorbei?” Obwohl sie überhaupt keinen Hang zur Selbstdarstellung hatte, konnte sie die Szenen von Zerstörung und Tod einfach nicht ertragen. Während die meisten meiner Freunde und ihrer Eltern sich am Ende gegen den Vietnam-Krieg stellten, tönte die moralische Dringlichkeit, sich zu widersetzen, in meinem Elternhaus doch mit einer völlig anderen Dezibelzahl. Der Krieg war nicht ein Gegenstand intellektueller oder politischer Auseinandersetzungen oder sogar vehementen Streits. Das ganze Wesen meiner Mutter revoltierte dagegen. Ich würde nicht sagen, dass sie emotional angesichts des Krieges war; sie war hysterisch. Obschon über die Fakten gut unterrichtet, verabscheute sie jede Form seiner Intellektualisierung. Selbst die Beteiligung an einer Debatte über Vietnam stellte eine moralische Travestie dar. Denn es bekundete einen Mangel an wirklicher Empörung über und Verständnis des sich offenbarenden Horrors: niemand, der tatsächlich den Krieg miterlebt hatte, konnte oder würde ihn still diskutieren. Aus ähnlichen Gründen verachtete sie meine Entscheidung, dem Debattierklub der High School beizutreten. Die Kunst der Debatte war es, mit gleicher Leidenschaft und Fertigkeit für beide Seiten einer gegebenen Frage zu argumentieren. In ihren Augen nährte dies die Doppelzüngigkeit, die amoralische Manipulation von Worten.

Oft rief meine Mutter aus, dass die Vereinigten Staaten “schlimmer als Hitler” wären. Zugegebenermaßen waren in meinem Elternhaus viele Dinge “schlimmer als Hitler”, gelegentlich sogar meine Geschwister und ich, oder “schlimmer als Auschwitz”, einschließlich das Essen meiner Mutter. Ich bin nicht sicher, ob meine Mutter den Vergleich zwischen den USA und Hitler wörtlich meinte oder ob sie überzog, um anderen die Größe des Verbrechens, das der Vietnamkrieg darstellte, zu vermitteln. Da ich die Entrüstung meiner Mutter verinnerlicht hatte, war ich beinahe nicht mehr zu ertragen, wann immer die Rede auf Vietnam fiel. Ich erinnere mich noch an den Schock und Ekel, nachdem ich an meiner High School die Klasse im Volkswirtschaftskurs dazu gezwungen hatte, sich Passagen aus einem Buch anzuhören, das die US-Gräuel in Vietnam mit drastischen Bildern beschrieb, und niemand außer mir davon physisch ergriffen war. Bis heute erschaudere ich im Gedanken an den Augenblick, als ich am College bei einem Teach-in über den Krieg öffentlich zusammenbrach. Im Rückblick bedauere ich meine selbstgerechte Pose, aber, falls das irgendeine Entschuldigung ist: der Krieg berührte mich wirklich tief. Ich konnte nicht verstehen, wie Menschen das Blutbad abspalten und mit ihrem Business-as-usual weitermachen konnten: in diesem Augenblick, dachte ich, werden Vietnamesen ermordet. Erst viele Jahre später lernte ich, nachdem ich Noam Chomsky gelesen hatte, dass es möglich war, große wissenschaftliche Strenge mit beißender moralischer Empörung zu vereinen; dass ein intelligentes Argument nicht notwendig ein intellektualisierendes war.

Norman G. Finkelstein

Samstag, 27. November 2010 um 18:30 Uhr

Maritim Hotel, Stauffenbergstraße 26, 10785 Berlin

„Is There a New Anti-Semitism?“

Samstag, November 6th, 2010

In einem der letzten Interviews vor seinem Tod im August 2007 sprach Raul Hilberg über Revisionismus, den „Neuen Antisemitismus“ und den Konflikt zwischen Goldhagen und Finkelstein. „Is There a New Anti-Semitism? A Conversation with Raul Hilberg“Logos, Issue 6.1-2 (Winter/Spring 2007).

American Radical – The trials of Norman Finkelstein (Dokumentation)

Sonntag, Oktober 10th, 2010

In den letzten zwölf Monaten ist „American Radical – The trials of Norman Finkelstein“, eine Dokumentation der beiden Filmemacher David Ridgen und Nicolas Rossier, weltweit auf Dutzenden Filmfestivals gezeigt worden. Neben vielen amerikanischen Großstädten wie New York oder San Francisco unter anderen auch in Jerusalem, Beirut, Montreal, Warschau, Istanbul, Moskau, Buenos Aires oder London. Es ist nicht schwer zu erraten, wo dieser Film bisher totgeschwiegen wird: in Deutschland.

American Radical - FilmplakatDabei wird Norman Finkelstein, Sohn von Überlebenden des Warschauer Ghetto­aufstands, nicht nur in der BRD kontrovers diskutiert, sondern auch in zahlreichen anderen Ländern – dies vor allem aufgrund seines Buches „Die Holocaust-Industrie“1, in dem er pro-israelischen Organisationen vorwirft, die Shoah auf Kosten der Überlebenden und auf dem Rücken der Ermordeten für ihre Zwecke auszubeuten und zu instrumentalisieren. Finkelstein schlug eine Welle der Empörung und der Verleumdung entgegen2, die bis heute nicht abgerissen ist und in Deutschland ihren gegenwärtigen Höhepunkt mit der Verhinderung seiner Auftritte in Berlin und München erreichte.3 Zugegeben: Finkelstein spielte der europäischen Rechten mit diesem Buch durchaus in die Hände. Seine Intention war dagegen eine gänzlich andere. So folgerte selbst der 2007 verstorbene Raul Hilberg, Vater der internationalen Holocaust­forschung4, dass Finkelsteins Ton zwar extrem polemisch sei, seine Schlussfolgerungen aber eher moderat.5

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  1. „Die Holocaust-Industrie – Wie das Leiden der Juden ausgebeutet wird“, 2001 erschienen im Pieper-Verlag []
  2. Gleich drei Bücher widmeten sich Finkelsteins Buch und der darauf folgenden Diskussion: „Gibt es wirklich eine Holocaust-Industrie – Zur Auseinandersetzung um Norman Finkelstein“, herausgegeben von Ernst Pieper. Dabei stellt der Band „Ein ‚jüdischer David Irving‘? Norman G. Finkelstein im Diskurs der Rechten – Erinnerungsabwehr und Antizionismus“, herausgegeben von Martin Dietzsch und Alfred Schobert, nur eine Sammlung von Zeitungsartikeln dar. Das dritte Buch habe ich vergessen, es war aber auch ein Sammelband, ich erinnere mich aber nicht an den Namen. []
  3. Siehe auch den äußerst lesenswerte Beitrag bei Rhizom. []
  4. Hilbergs Werk „Die Vernichtung der europäischen Juden“ erschien schon 1961 und ist – in den folgenden Jahren fortlaufend aktualisiert – bis heute das herausragendste Standardwerk auf diesem Gebiet. []
  5. Siehe Interview im Film. []

Cross Talk: Finkelstein vs. Diker (WJC)

Montag, September 6th, 2010

Talkshows sind unergiebig. Argumente werden nicht ganz ausgeführt oder verkürzt, oft beherrscht Polemik die Diskussion. Dennoch war dieser Satz Finkelsteins bezüglich des internationalen Rechts passend und blieb weitgehend unbeantwortet:

„The dispute on the issue of settlements is not between the Palestinans and Israel, it’s the entire international comunity.“

30.000 Hühner waren eine Gefahr für die IDF

Sonntag, Mai 23rd, 2010

Mondoweiss über das TV-Duell zwischen Norman G. Finkelstein und dem israelischen Historiker Benny Morris bei CrossTalk. Das Video selbst ist dort auch zu sehen.

Unglaublicher Skandal: Der Finkelstein, der macht den Hitlergruß!

Montag, Mai 10th, 2010

Honestly Concerned bzw. jetzt auch „tous et rien“ haben einen unglaublichen Skandal aufgedeckt: Finkelstein macht den Hitlergruß. Und der Schmok, der alte Rabulist, der lacht auch noch darüber. So etwas aber auch…

„Pilgerfahrt nach Auschwitz“ – Presseerklärung der Jüdischen Stimme

Donnerstag, April 29th, 2010

Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost e. V.Die Jüdische Gemeinde zu Berlin hat kein Monopol auf das Auschwitzerbe aller Juden – Presseerklärung

Die Jüdische Gemeinde lädt zu einer Podiumsdiskussion „Zum Umgang deutscher Medien mit Erinnerungskultur, Israelkritik und Antisemitismus“ ein, auf der der Beauftragte der Gemeinde für die Bekämpfung des Antisemitismus mit Vertretern und Vertreterinnen Berliner und überregionaler Medien erörtern will, wo „die ‚rote Linie‘ zum Antisemitismus“ verläuft und wie „der mediale Umgang mit dem Gedenken künftig gestaltet werden soll“.

Anlass ist ein Kommentar mit dem Titel „Auf Zehenspitzen gehen“ (Druckausgabe) bzw. „Pilgerfahrt nach Auschwitz“ (Internetausgabe), der Anfang März in der taz erschien. In diesem wendet sich die Israelin Iris Hefets – Mitglied unseres Vorstands -gegen die in Deutschland übliche Zensur jeglicher Kritik an der Politik Israels gegenüber Palästinensern im eigenen Land und in den besetzten Gebiete. Zentraler Gegenstand des Artikels ist dabei die Instrumentalisierung des Gedenkens an den Holocaust nicht zuletzt in Israel. Nun ist es keineswegs das Vorrecht von Israelis und Juden, die Politik Israels zu kritisieren und ebenso wenig den Umgang mit einer solchen Kritik in Deutschland zu kommentieren. Es kann aber unterstellt werden, dass Iris Hefets und mit ihr unsere Organisation den Kommentar in der taz in der Absicht zur Veröffentlichung brachte, dem uns selbst und unseren Nachgeborenen überlieferten Vermächtnis des Völkermords an unseren Vorfahren nach bestem Wissen und Gewissen gerecht zu werden.

In der Jüdischen Stimme haben sich Überlebende der Konzentrationslager, Nachfahren von Ermordeten, deutsche Juden und in Deutschland lebende Juden zusammengefunden, um in Verantwortung vor ihrer Geschichte gegen das Unrecht aufzustehen, das die israelischen Regierungen am palästinensischen Volk begehen. Folglich heißt es auch in ihrem Selbstverständnis und Gründungsdokument aus dem Jahre 2003: „Wir, Frauen und Männer jüdischer Herkunft in Deutschland, haben uns vereinigt, um sichtbar zu machen, dass wir aus den historischen Erfahrungen unserer Vorfahren um die Entwürdigung und den Schmerz wissen, die Menschen zugefügt werden, wenn sie systematisch ausgegrenzt und entrechtet werden. Es darf sich kein Volk über ein anderes Volk und kein Mensch über einen anderen Menschen erheben. Alle Menschen sind gleich an Rechten geboren.“

Und weiter: “In Deutschland gilt es jedoch klar zu sagen: Positionen, hinter denen sich antisemitische Einstellungen verbergen, sind mit dem Anliegen der Jüdischen Stimme unvereinbar. In inneren politischen Gesprächen ebenso wie im Zusammengehen mit anderen Organisationen und Gruppen wird stets zu berücksichtigen sein, dass einzelne Mitglieder und Freunde der Jüdischen Stimme selbst Diskriminierung erlebt haben oder erleben.“

Nun weiß man bei der Jüdischen Gemeinde zu Berlin sehr genau, dass die jüdische Authentizität unserer Organisation unanfechtbar ist. Je nach Wetterlage beliebt es dem Botschafter des Staates Israel oder Vertretern des Zentralrats der Juden in Deutschland, sich der Vielfalt der jüdischen Stimmen zu brüsten und sie gar als Beweis für eine besonders aufgeklärte Demokratiekompetenz von Juden in Israel und in Deutschland zu feiern.

In jüngster Zeit, da die Politik Israels international und insbesondere in breiten Teilen der europäischen und nordamerikanischen Zivilgesellschaften als völkerrechtswidrig und inhuman kritisiert wird (in Israel pflegt man in Regierungskreisen von einer internationalen De-Legitimisierung der eigenen Raison zu sprechen), weht ein anderer Wind.

Mit dem Ziel der Schadensbegrenzung ist man jetzt in Israel und offenbar auch in den Jüdischen Gemeinden hierzulande entschlossen, kritische Stimmen mit allen Mitteln zum Schweigen zu bringen. Dabei spielt die Herkunft der Kritiker, das zeigen das förmliche Redeverbot für den Israeli Ilan Pappé oder den US-Ameikaner Norman Finkelstein sowie nicht zuletzt der aktuelle Umgang mit Iris Hefets, keine Rolle. Auch die Tatsache, dass in den europäischen Nachbarstaaten, in den USA und ja, in Israel selbst das Recht der Zivilgesellschafen an umfassender und pluralistischer Aufklärung hochgehalten wird, ist nicht von Belang. Fast scheint es so, als käme in Deutschland allein den jüdischen Gemeinden die Hoheit zu, darüber zu befinden, welche Meinung zu Israels Politik geäußert werden dürfe und welche nicht. Kirchen, öffentliche Einrichtungen und Medien werden des Antisemitismus beschuldigt und geraten unter massiven Druck, wenn sie sich anschicken, die im Grundgesetz verbriefte Meinungs-, Versammlungs- und Pressefreiheit im Lande wahrzunehmen und Stimmen zu Wort kommen zu lassen, die die Besatzungspolitik Israels kritisieren, den Goldstone-Report über den Gazakrieg würdigen oder die Umsetzung des Gutachtens des Internationalen Gerichtshofs zum Verlauf der von Israel quer durch Palästina errichteten Trennmauer anmahnen. De facto nehmen die Jüdischen Gemeinden eine Zensurhoheit wahr, die in der Verfassung nicht vorgesehen und weder der bundesdeutschen Mehrheitsgesellschaft noch der jüdischen Minderheit dienlich ist.

Vor diesem Hintergrund ist nach dem Ansinnen zu fragen, das die Jüdische Gemeinde zu Berlin mit der nunmehr anberaumten Podiumsveranstaltung verfolgt.

Die Tatsache, dass Iris Hefets als Autorin des Kommentars nicht eingeladen wurde, sich auf dem Podium öffentlich zu erklären, spricht für sich. Im Einladungstext fehlt zudem jeder Hinweis darauf, dass sie Israelin und Mitglied unserer Organisation ist. Beides ist öffentlich bekannt. Der Diskurs mit unserer Organisation ist nicht offenkundig gewollt. Es soll nicht sichtbar werden, dass die Jüdische Gemeinde zu Berlin nicht im Namen aller hier lebenden Juden und der Staat Israel nicht im Interesse der „jüdischen Welt“ handelt.

Stattdessen zieht es die Jüdische Gemeinde vor, mit befreundeten Vertretern der deutschen Presse (Die Welt, Der Tagesspiegel, Perlentaucher) die taz auf ein Anklagepodium zu zerren, damit auch hier Ruhe in Sachen Israel einkehrt. Augenscheinlich ist es leichter – das Muster ist allzu bekannt -, die taz ob der unzensierten Veröffentlichung des Kommentars des Antisemitismus zu bezichtigen. Für die Konkurrenten der Zeitung ein annehmbares Spiel. Für die Pressefreiheit im Lande eine Gefahr.

Für uns Juden und Jüdinnen, die wir hierzulande im eigenen und mit unseren israelischen Freunden nicht zuletzt auch im Interesse einer lebbaren Zukunft der Bevölkerung Israels handeln, wäre jede Maßregelung der taz im Sinne der in der Einladung zur Veranstaltung angekündigten „Grenzziehung“ für die Auseinandersetzung mit der Politik Israels gegenüber dem palästinensischen Volk ein nicht hinnehmbarer Anschlag auf unsere politischen Freiheiten und moralische Integrität.

Wir werden auch künftig nicht zulassen, dass unser Gedenken an den Völkermord und unsere Mahnung, dass sich Geringschätzung und Ausgrenzung von Schwächeren und Andersdenkenden nicht wiederholen dürfen, als antisemitisch diskreditiert werden.

Nie wieder! An keinem Ort der Welt. Das ist unsere Lehre aus Auschwitz.