Posts Tagged ‘Jungle World’

Die Jungle World und der Siedlungsbau

Samstag, November 6th, 2010

Bei dem offenen Rechtsruck und der Weigerung der israelischen Regierung, mit den Palästinensern über einen endgültigen Frieden (und damit Abzug der Siedler und Schaffung eines palästinensischen Staates) zu verhandeln, rudert nun auch die Jungle World, neben der Konkret die Hauspostille von Araberhassern und Antisemiten Islamkritikern und Freunden Israels wie Alex Feuerherdt, ein wenig zurück. Wenn die Jungle World aber über Israel berichtet, dann wird stets sehr halbherzig mit der Realität umgegangen. Ganz nach dem stalinistischen Motto: „Selbstkritk, ja bitte.  Aber nicht zu viel des Guten“: (mehr …)

Gaza-Flotte: Offener Brief an die Jungle World und Jörn Schulz

Samstag, September 11th, 2010

Im folgenden veröffentliche ich einen Leserbrief aus dem Juni 2010, der eine Reaktion  auf den Artikel „Unter falscher Flagge“ in der Jungle World darstellt. Leider gab es nie eine Antwort auf diesen Brief. Dennoch enthält er einige lesenswerte Klarstellungen zu dem Artikel von Jörn Schulz. Dass es erst jetzt wegen der erhofften Antwort zu einer Veröffentlichung kommt, ist insofern ärgerlich, als dass das Thema weitgehend in den Hintergrund des neu eingeleiteten Friedensprozesses getreten ist. Dies sollte aber nicht davon abhalten, Falschdarstellungen, die Zugang zu der Öffentlichkeit finden, zu korrigieren. Der Leserbrief ist ein weiteres Beispiel, wie die Jungel World zumindest beim Thema Israel mit Fakten umgeht (siehe hier auch meinen Artikel zu Alex Feuerherdt). Vorab ist zu erwähnen, dass dieser Brief in manchen Dingen nicht die Ansichten des Bloginhabers widerspiegelt.

Sehr geerhter Herr Schulz,

Als halbwegs treuer Leser und finanzieller Unterstuetzer der Jungle World erlaube ich mir, Ihnen in Bezugnahme auf den Artikel ‘Unter falscher Flagge’ vom 10 Juni, zu schreiben.

Ich habe mir den Artikel mehrmals durchgelesen und je oefter ich ihn las, umso weniger habe ich ihn verstanden. Vieles, was sie da schreiben, ist faktisch einfach nicht korrekt, die Analyse ist mangelhaft und auch idelogisch habe ich grosse Zweifel in Ihrer Herangehensweise.

Es faengt im ersten Paragraph schon an. Sie sagen also, dass die Hamas mitverdient, wenn sie 10,000 Dollar fuer die Zulassung eines Neuwagens kassiert. Allerdings lassen Sie das ohne weiteren Kommentar so im Raum stehen und der Leser weiss nicht, was sie denken, was die Hamas mit den 10,000 Dollar so alles anstellt. So wie Sie es ausdruecken, hat man den Eindruck, sie finden das irgendwie nicht richtig, dass die Zulassung eines Neuwagens von der Hamas besteuert wird. Jetzt fragt man sich aber, welche Regierung in der Welt finanziert sich denn nicht durch die Erhebung von Steuern und Gebuehren? Deutschland verlangt eine KfZ-Steuer, also warum soll das im Gazastreifen nun anders sein? Die Hamas, ob man die nun fuer gut haelt oder nicht, ist im Gazastreifen die de facto Regierung. Das heisst, sie leitet den Staatsaparatus, muss Regierungsangestellte bezahlen, ist fuer die Polizei zustaendig, die Feuerwehr und so weiter. Das alles kostet Geld, also warum nicht Gebuehren erheben?

Im zweiten Paragraphen schalten Sie dann gleich mal einen Gang hoeher. Sie stellen hier die Behauptung auf, dass die Hamas die Verteilung der Hilfsgueter kontrolliert und dabei keine Konkurenz zulaesst. Das ist eine Unterstellung, fuer die Sie garantiert keine verlaesslichen Quellen finden duerften. Dann unterstuetzen Sie diese haltlose These mit Worten von Robert Serry. Um ganz ehrlich zu sein Herr Schulz, so arg wie Sie hier einen Kommentar voellig aus dem Zusammenhang heraus wiedergeben, das ist schon selten. Wenn die NYT sowas mache wuerde, dann kann durchaus rechtliche Konsequenzen haben. Herr Serry nahm Stellung zu der Schliessung von einigen lokalen Organisationen, die, wenn ueberhaupt, nur zu einem vernachlaessigbaren Anteil an der Verteilung von Hilfsguetern beteiligt sind. Nicht, dass es nicht tragisch ist, wenn NGOs aus politischen Gruenden geschlossen werden, aber Ihre These koennen Sie so nicht stuetzen.

Wie Ihnen bekannt sein duerfte, wird die Verteilung der Hilfsgueter fast ausschliesslich von UNO (insbes. UNRWA und WFP) und internationalen NGOs unternommen, und zwar direkt an die Beguenstigten. Es gibt hier und da mal Situation wo die Behoerden versuchen zu intervenieren, aber das ist sehr selten und hat zu keinen nennenswerten ‚Umleitungen’ von Hilfsguetern gefuehrt. Ihre These ist also voellig haltlos und stellt eine faelschliche Darstellung der Realitaet dar. Wie gesagt, bei Blaettern mit groesserer Auflage kann das schnell mal rechtliche Konsequenzen haben, wenn sowas behauptet wird. Viele NGOs die im Gazastreifen aktiv sind, haben ihren Hauptsitz in den USA, dessen Regierung die Hamas als Terrogruppe fuehrt. Wenn sich da der Verdacht breit machen wuerde, dass die von der US-Regierung bezahlten Hilfsgueter en masse direkt in die Haende der Hamas wandern, koennte das durchaus Haftstrafe fuer Representanten eben dieser NGOs bedeuten. Dort wuerde man sich u.U. rechtlich gegen Behauptungen wie die Ihrige wehren.

Ihre ‚Erkenntnis’, dass Hilfsgueter anderwso nicht da ankommen, wo sie sollen, ist im Falle von Gaza keine Erkenntnis, sondern nur Ihre Vermutung. Ich frag mich, auf welche Quellen Sie sich hier beziehen und waere Ihnen sehr dankbar, wenn Sie die mir mal schicken koennten. Ich meine, wie kommen Sie denn ueberhaupt erst auf die Idee, dass die Hamas alles kontrolliert und keine Konkurenz zulaesst bei der Verteilung von Hilfsguetern, wo nimmt man denn so ein Argument her? Ist Ihnen bei der Recherche nicht aufgefallen, dass es knapp hundert internationale NGOs gibt, die in den Palestinaensergebieten operieren, viele von denen wiederum im Gazastreifen? Haben Sie denn bei wenigstens ein paar von denen mal nachgefragt? Meinen Sie nicht, dass die UNRWA ganz schnell den Laden dicht machen koennte, wenn sie nicht garantieren koennte, dass die Hilfsgueter dort ankommen, wo sie ankommen sollen? (mehr …)

Alex Feuerherdt: Wir machen uns die Welt, wiede wiede wie sie uns gefällt!

Montag, August 16th, 2010

Es muss schon ziemlich ärgerlich für einen Autoren sein, wenn er einen Artikel für ein Monatsblatt schreibt, aber ihm noch vor Veröffentlichung alle „Fakten“ um die Ohren fliegen. So geschehen dem Amateur-Schiedsrichter Alex Feuerherdt. Als ich vor etwa einem Monat seinen Artikel „Narrenschiffe“ in der KONKRET 7/2010 las, konnte ich mir eine gewisse Schadenfreude nicht verkneifen. „Knieschuss!“, hätte man auch sagen können.

Die Freude währte aber nur kurz. Denn wahrscheinlich würden beträchtliche Teile der Leserschaft es gar nicht registrieren, dass Leute wie Max Blumenthal, Lia Tarachansky, Iara Lee oder auch die Obduktion der Toten durch das Justizministerium der Türkei große Teile der israelischen „Fakten“ als das entlarvt hatten, was sie waren: Lügen. Diese Leser haben in der Regel lediglich die deutschen Pressestimmen und vielleicht noch Feuerherdts oder einen anderen unkritischen Artikel zur Erstürmung der Mavi Marmara gelesen. Dass sich die in der KONKRET publizierten „Fakten“ aber als ein großes Theaterstück herausstellen würden, werden viele dann doch nicht mehr mitbekommen haben.

Niemand kann sich in der heutigen Informationsflut mit Tausenden von Quellen versorgen. Dies wusste auch die israelische Armee, die mehrere Tage fast ungestört ihre Version verbreiten konnte, ohne dass die wenigen Aufnahmen und Zeugen, die Gegenteiliges belegten, in den Medien groß dazwischenfunkten. Der Bilderkrieg war damit zu guten Teilen für die eigene Seite entschieden worden.

Als dann immer mehr von dem ans Tageslicht kam, was sich dort abgespielt hatte, verschwanden diese „Fakten“ einfach aus der Argumentation sowohl der israelischen Regierungssprecher als auch der Artikel von Apologeten der israelischen Politik. Nicht umsonst findet sich über die von Feuerherdt in der KONKRET noch lautstark rausposaunten „Fakten“ in seinem neuen Beitrag für die Jungle World (31/2010) kein einziges Wort mehr. Bevor wir uns also seinem neuesten Paukenschlag mit dem zynischen Titel „Humantität als Camouflage“ widmen, wollen wir uns noch mal seinen Konkret-Artikel zu Gemüte führen. (mehr …)