Posts Tagged ‘junge welt’

Tote Israelis zählen nicht für die junge Welt

Samstag, August 27th, 2011

Was man sonst immer von den Apologeten Israels gewohnt ist, die nur tote Juden oder Israelis, aber keine toten Palästinenser kennen wollen, kann man jetzt auch in der junge Welt lesen, nur eben anders herum. Über die Eskalation der Gewalt nach dem Terroranschlag im Süden Israels schreibt Knut Mellenthin:

Die israelische Regierung machte, noch bevor umfassende Erkenntnisse vorlagen, die Volkswiderstandskomitees im Gazastreifen für die Angriffe verantwortlich. Bei Luftangriffen starben der Vorsitzende dieser Organisation und drei Mitglieder ihres militärischen Flügels. Daraus entwickelte sich ein Wechsel von palästinensischen Raketen – die überwiegend in unbewohntem Gebiet landeten oder nur Sachschäden anrichteten – und israelischen Luftangriffen. Ihnen fielen innerhalb einer Woche 14 Palästinenser, darunter mindestens vier Zivilisten einschließlich eines zweijährigen Kindes, zum Opfer. Weitere 32 Palästinenser, unter ihnen acht Frauen und neun Kinder, wurden verletzt. („Solidarität mit Palästina“junge Welt, 28. August 2011)

Ein toter und mehr als ein Dutzend verletzte Israelis sind der jungen Welt also kein Wort mehr wert? Ein Fehler wird hier wohl kaum vorliegen, der Einschlag der Rakete, bei dem ein Israeli getötet und vier schwer verletzt wurden, war letzte Woche in der Nacht von Samstag auf Sonntag.

Israel und die UNO

Sonntag, August 7th, 2011

Norman Paech über Israels Verhältnis zur UNO und den palästinensischen Antrag auf Aufnahme in die Vereinten Nationen: „Politik der Konfrontation“junge Welt, 4. August 2011.

Vorabdruck „Israels Invasion in Gaza“

Dienstag, März 1st, 2011

Finkelsteins Buch „This time we went too far“ über den Angriff Israels auf Gaza wird in den nächsten Wochen auch auf Deutsch unter dem Titel „Israels Invasion in Gaza“ erscheinen. junge welt bringt einen Vorabdruck: „Dem Erdboden gleich“ – junge welt, 1. März 2011

Denunziant des Tages: Clemens Heni

Freitag, Januar 21st, 2011

Die junge welt veröffentlichte gestern (natürlich ohne meine beigefügten Links) eine kurze Notiz über unseren „Arier mit dem übergroßen Antisemitenriecher” (Alan Posener) Clemens Heni:

Denunziant des Tages: Clemens Heni

Clemens Heni bezeichnet sich auf seinem Blog als Politikwissenschaftler und Publizist, der sich u.a. mit Antisemitismus, deutscher Geschichte und der deutschen Gesellschaft sowie Ideologiekritik befaßt. Vor gut zwei Jahren gehörte er zu einer Autorengruppe, die eine Kampagne gegen eine Veranstaltung des renommierten Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin im Dezember 2008 entfachte. Die bloße Tatsache, daß dort über »das Verhältnis von Antisemitismus und Islamfeindlichkeit« gesprochen werden sollte, reichte den Herren, um den damaligen Leiter des Zentrums, den inzwischen emeritierten Historiker Wolfgang Benz, scharf anzugreifen.1

Immerhin stehen sie in einer Reihe mit dem Mainstream der deutschen Publizistik, die Springer-Chef Mathias Döpfner erst kürzlich zum Kampf gegen das »Weltkalifat« beorderte. Mit solchem Rückhalt aus den deutschen Chefetagen kann man sich zu Größerem berufen fühlen. Eine israelische Webseite (www.israel-academia-monitor.com) veröffentlichte kürzlich einen Brief Henis an den Dekan der Fakultät für Geisteswissenschaften der Universität Tel Aviv, Elay Zisser, in dem er sich daran interessiert zeigte, warum für den 30. Dezember 2010 der Philosoph und Soziologe Moshe Zuckermann für eine Vorlesung vorgesehen war. Denn: »Zuckermann ist eine führende antiisraelische Stimme in Deutschland. Zum harten Kern gehörende Antisemiten wie die Tageszeitung /junge Welt/ oder die Irannachrichten zitieren regelmäßig Zuckermann. Warum bezog das Stephen Roth Center eine Person wie Zuckermann in sein Programm ein?« Zuckermann habe den Antisemitismus deutschen Stils durch Artikel für jW, »früher eine Tageszeitung der DDR«, unterstützt. Womit endlich wieder einmal geklärt wäre, wer den Kampf gegen die neuste Weltverschwörung behindert: Antisemitische jüdische Bolschewisten.

Tamar Amar-Dahl, Wolfgang Benz, Moshe Zuckermann, Margit Reiter, Alfred Grosser, um nur einige Namen der letzten Zeit zu nennen – man darf gespannt sein, wenn unser Judenjäger Antisemitenjäger Clemens Heni als nächstes aufs Korn nimmt.

  1. Vgl. dazu zwei Artikel bei Rhizom: „Das Gerücht über die Muslime“ sowie ein Auzug aus Wolfgang Benz Abschiedsrede „Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus — Oder: was heißt Lernen aus der Geschichte?“ []

›Antisemit!‹ Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument

Freitag, Oktober 8th, 2010

In der jungen welt erschien gestern ein Vorabdruck der ersten beiden Kapitel des neuen Buches von Moshe Zuckermann, Professor für Philosophie und Geschichte an der Universität Tel Aviv. „›Antisemit!‹ Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument“ – junge welt, 7. Oktober 2010.

Eichmann auf dresdnerisch?

Sonntag, Juli 25th, 2010

Ich bin kein großer Fan von ARD- oder ZDF-Verfilmungen zum Thema Weltkrieg oder Holocaust. Meistens kommt dabei nur großer Schmu heraus. Teilweise geschichtsrevisionistische Schnulzen wie „Dresden“ oder „Die Gustloff“ stehen dabei gleichzeitig exemplarisch für die neue Vergangenheitsbewältigung, wie sie ihre Niederkunft auch in entsprechender Flüchtlingsbiographien oder „Sachbüchern“ findet.

Heute Abend zeigt die ARD eine Verfilmung des Eichmannprozesses.1 Eichmann war ein sogenannter Schreibtischtäter, unter anderem Hauptverantwortlicher bei der Deportation der ungarischen Juden am Ende des Krieges. Schon der Titel lässt böses erahnen und spricht für sich: „Eichmanns Ende – Liebe, Verrat, Tod“. Eichmann, ganz menschlich, wie Bruno Ganz im Bunker. Zum mitfiebern für die Geschichtslosen: „Wird er das Martyrium überleben?“  Der Spiegel schreibt dann auch in unbemerkter Eigenironie:

„Dieser Film fordert seinen Zuschauern etwas ab.“2

Damit könnte Christain Buß bei dem angekündigten Herz-Schmerz sogar recht haben. Und über viele Umstände der Entführung wird man wohl eher wenig erfahren. So vor allem über die Zusammenarbeit der BRD, Argentiniens  und Israels bei der atomaren Bewaffnung letzterer. Gaby Weber hat in einige Artikel zu Eichmann geschrieben. Vor kurzem veröffentlichte sie unter anderem einen Beitrag im Freitag3 und gestern in der jungen welt.4. Viele Fragen werden bei dem ARD-Film offen bleiben, der „Mythos Eichmann“ indes weiter genährt werden.

  1. 25.07.2010 im Ersten um 21.45 Uhr. []
  2. http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,708362,00.html#ref=rss []
  3. http://www.freitag.de/politik/1024-1960-geheimes-dossier []
  4. http://www.jungewelt.de/2010/07-24/033.php []

Generalsekretär des Zentralrats Kramer kritisiert die deutsche Medienlandschaft

Montag, Mai 24th, 2010

Im Focus wurde vor einer Woche Stephan Kramer, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, interviewt. Laut sueddeutsche.de nutzte er dies für einen Rundumschlag und warf neben rechtsradikalen Medien auch der restlichen Presselandschaft Deutschlands, von der jungen welt, über das ND, der taz, dem Tagesspiegel bis zur FAZ, Antisemitismus bzw. antisemitische Inhalte vor.1 Ob man nun vereinzelte Inhalte dieser Zeitungen als antisemitisch bezeichnen könnte, das soll einmal dahingestellt sein. Es gibt sicherlich in jeder dieser Zeitungen Artikel, die nicht ganz koscher sind.  Allgemein würde ich aber sagen, dass die deutsche Presse im großen und ganzen der deutschen Staatsräson folgt. Von der Undenkbarkeit, sich in unverhohlener Judenfeindlichkeit zu ergehen, ganz zu schweigen.

Die Reaktion in der Presselandschaft war denn auch eher verhalten. Neben abwehrende Kommentaren gab es allerdings auch bösen Spott, der hart an der Grenze war, Antisemitismus zu relativieren. Der unglaublich inflationäre und unangebrachte Gebrauch des Antisemitismusvorwurfs, der sich vor allem gegen jene richtet, die sich gegen Krieg und Besatzung wenden, hat dazu geführt, dass niemand mehr Antisemit ist, wenn es doch alle sind.

Das aktuellste und ziemlich bittere Beispiel dafür, wohin uns diese Antisemitismusvorwürfe aus dem Block der Apologeten Israels heute schon gebracht haben, ist die Replik auf Kramer im Tagesspiegel. Diese sollte man sich schon einmal der Gänze nach geben und man wird sich erschrecken, wie hämisch und respektlos die Warnung des Generalsekretärs erwidert wird. Und das alles einen Tag nach dem Brandanschlag auf die Synagoge in Worms, auf den die Reaktionen mit Ausnahme der sofort einsetzenden Hetze, es seien sicherlich Linke oder linke Palästinenser gewesen, ebenfalls sehr verhalten waren. Und zwar nicht nur in den bürgerlichen Medien, sondern vor allem bei jenen, die an jüdischen Dissidenten immer gleich den Hitlerbart sehen wollen. Das alles lässt nichts Gutes für die Zukunft erwarten.

  1. Das Focus-Interview ist leider nicht online zu lesen, es gibt nur eine Zusammenfassung. []