Posts Tagged ‘Jörn Schulz’

Nachtrag zur israelischen PR-Offensive

Donnerstag, Juli 28th, 2011

Da war das israelische Außenministerium aber sehr einfallslos. Wie Mondoweiss berichtet, ist das Video über das Westjordanland 1:1 aus dem Video des rechten Siedlerrats übernommen. Shlomo Blass, der selbe Filmemacher, der zusammen mit der bei der JP schreibenden Caroline Glick das widerlichen Video „We con the world“, was sich über die Toten und Verletzten auf der Mavi Marmara lustig machte, produzierte – und mit dem sich die beiden damals in die Herzen junger deutscher Szenelinker emporhoben – hat auch diese beiden fast identischen Videos produziert. Darum auch noch mal gleich das zweite zum direkten Vergleich:

Und um Beckerman im Forward auf hier zu beziehen: Ist denn keiner von euch Jungle World- und konkret-Lesern oder Fans von Leuten wie Schulz oder Feuerherdt auch nur im mindesten beunruhigt? Wirklich so einfach mal gar nicht?

Gaza-Flotte: Offener Brief an die Jungle World und Jörn Schulz

Samstag, September 11th, 2010

Im folgenden veröffentliche ich einen Leserbrief aus dem Juni 2010, der eine Reaktion  auf den Artikel „Unter falscher Flagge“ in der Jungle World darstellt. Leider gab es nie eine Antwort auf diesen Brief. Dennoch enthält er einige lesenswerte Klarstellungen zu dem Artikel von Jörn Schulz. Dass es erst jetzt wegen der erhofften Antwort zu einer Veröffentlichung kommt, ist insofern ärgerlich, als dass das Thema weitgehend in den Hintergrund des neu eingeleiteten Friedensprozesses getreten ist. Dies sollte aber nicht davon abhalten, Falschdarstellungen, die Zugang zu der Öffentlichkeit finden, zu korrigieren. Der Leserbrief ist ein weiteres Beispiel, wie die Jungel World zumindest beim Thema Israel mit Fakten umgeht (siehe hier auch meinen Artikel zu Alex Feuerherdt). Vorab ist zu erwähnen, dass dieser Brief in manchen Dingen nicht die Ansichten des Bloginhabers widerspiegelt.

Sehr geerhter Herr Schulz,

Als halbwegs treuer Leser und finanzieller Unterstuetzer der Jungle World erlaube ich mir, Ihnen in Bezugnahme auf den Artikel ‘Unter falscher Flagge’ vom 10 Juni, zu schreiben.

Ich habe mir den Artikel mehrmals durchgelesen und je oefter ich ihn las, umso weniger habe ich ihn verstanden. Vieles, was sie da schreiben, ist faktisch einfach nicht korrekt, die Analyse ist mangelhaft und auch idelogisch habe ich grosse Zweifel in Ihrer Herangehensweise.

Es faengt im ersten Paragraph schon an. Sie sagen also, dass die Hamas mitverdient, wenn sie 10,000 Dollar fuer die Zulassung eines Neuwagens kassiert. Allerdings lassen Sie das ohne weiteren Kommentar so im Raum stehen und der Leser weiss nicht, was sie denken, was die Hamas mit den 10,000 Dollar so alles anstellt. So wie Sie es ausdruecken, hat man den Eindruck, sie finden das irgendwie nicht richtig, dass die Zulassung eines Neuwagens von der Hamas besteuert wird. Jetzt fragt man sich aber, welche Regierung in der Welt finanziert sich denn nicht durch die Erhebung von Steuern und Gebuehren? Deutschland verlangt eine KfZ-Steuer, also warum soll das im Gazastreifen nun anders sein? Die Hamas, ob man die nun fuer gut haelt oder nicht, ist im Gazastreifen die de facto Regierung. Das heisst, sie leitet den Staatsaparatus, muss Regierungsangestellte bezahlen, ist fuer die Polizei zustaendig, die Feuerwehr und so weiter. Das alles kostet Geld, also warum nicht Gebuehren erheben?

Im zweiten Paragraphen schalten Sie dann gleich mal einen Gang hoeher. Sie stellen hier die Behauptung auf, dass die Hamas die Verteilung der Hilfsgueter kontrolliert und dabei keine Konkurenz zulaesst. Das ist eine Unterstellung, fuer die Sie garantiert keine verlaesslichen Quellen finden duerften. Dann unterstuetzen Sie diese haltlose These mit Worten von Robert Serry. Um ganz ehrlich zu sein Herr Schulz, so arg wie Sie hier einen Kommentar voellig aus dem Zusammenhang heraus wiedergeben, das ist schon selten. Wenn die NYT sowas mache wuerde, dann kann durchaus rechtliche Konsequenzen haben. Herr Serry nahm Stellung zu der Schliessung von einigen lokalen Organisationen, die, wenn ueberhaupt, nur zu einem vernachlaessigbaren Anteil an der Verteilung von Hilfsguetern beteiligt sind. Nicht, dass es nicht tragisch ist, wenn NGOs aus politischen Gruenden geschlossen werden, aber Ihre These koennen Sie so nicht stuetzen.

Wie Ihnen bekannt sein duerfte, wird die Verteilung der Hilfsgueter fast ausschliesslich von UNO (insbes. UNRWA und WFP) und internationalen NGOs unternommen, und zwar direkt an die Beguenstigten. Es gibt hier und da mal Situation wo die Behoerden versuchen zu intervenieren, aber das ist sehr selten und hat zu keinen nennenswerten ‚Umleitungen’ von Hilfsguetern gefuehrt. Ihre These ist also voellig haltlos und stellt eine faelschliche Darstellung der Realitaet dar. Wie gesagt, bei Blaettern mit groesserer Auflage kann das schnell mal rechtliche Konsequenzen haben, wenn sowas behauptet wird. Viele NGOs die im Gazastreifen aktiv sind, haben ihren Hauptsitz in den USA, dessen Regierung die Hamas als Terrogruppe fuehrt. Wenn sich da der Verdacht breit machen wuerde, dass die von der US-Regierung bezahlten Hilfsgueter en masse direkt in die Haende der Hamas wandern, koennte das durchaus Haftstrafe fuer Representanten eben dieser NGOs bedeuten. Dort wuerde man sich u.U. rechtlich gegen Behauptungen wie die Ihrige wehren.

Ihre ‚Erkenntnis’, dass Hilfsgueter anderwso nicht da ankommen, wo sie sollen, ist im Falle von Gaza keine Erkenntnis, sondern nur Ihre Vermutung. Ich frag mich, auf welche Quellen Sie sich hier beziehen und waere Ihnen sehr dankbar, wenn Sie die mir mal schicken koennten. Ich meine, wie kommen Sie denn ueberhaupt erst auf die Idee, dass die Hamas alles kontrolliert und keine Konkurenz zulaesst bei der Verteilung von Hilfsguetern, wo nimmt man denn so ein Argument her? Ist Ihnen bei der Recherche nicht aufgefallen, dass es knapp hundert internationale NGOs gibt, die in den Palestinaensergebieten operieren, viele von denen wiederum im Gazastreifen? Haben Sie denn bei wenigstens ein paar von denen mal nachgefragt? Meinen Sie nicht, dass die UNRWA ganz schnell den Laden dicht machen koennte, wenn sie nicht garantieren koennte, dass die Hilfsgueter dort ankommen, wo sie ankommen sollen? (mehr …)