Archiv für das 'Hebron'-tag

Breaking the Silence auf Deutschlandradio

Deutschlandradio brachte vor einigen Tagen ein Feature zur israelischen Organisation ehemaliger IDF-Soldaten Breaking the Silence, was teilweise deren aktuellen Dokumentation über Hebron entnommen ist: “Das Schweigen brechen” – Deutschlandfunk, 7. August 2012.

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“Roadmap to Apartheid” (Trailer)

Als vor einiger Zeit der Vorsitzende der SPD,  Sigmar Gabriel, die Verhältnisse in Hebron mit der Apartheid in Südafrika verglich, brach sofort ein Sturm der Entrüstung los. Gabriel hatte auf seiner Reise durch Israel und die Besetzten Gebiete auch Hebron besucht und war geschockt ob der Verhältnisse:

“Ich war gerade in Hebron. Das ist für Palästinenser ein rechtsfreier Raum. Das ist ein Apartheid-Regime, für das es keinerlei Rechtfertigung gibt.”1

Schon kurze Zeit später ruderte Gabriel zurück, relativierte seine Aussage und vermied damit, wie die Sau durchs Dorf getrieben zu werden. Etwas, was dem Günter Grass nicht gelang. Wenn Gabriels Aussage zu dem Missverständnis geführt habe, er wolle Israel und die Regierung mit dem alten Apartheidregime Südafrikas gleichsetzen, tue ihm das leid.

“Das wollte und will ich ausdrücklich nicht, weil dieser Vergleich Israel gegenüber mehr als ungerecht und dem alten Südafrika gegenüber verharmlosend wäre.”2

Damit war Gabriel vorerst aus der Schusslinie. Zwar wird über Gabriels Äußerung noch ab und an im anderen Kontext berichtet, aber insgesamt hat Gabriel durch die empörte Parteinahme wohl vor allem im Zusammenhang mit der Causa Grass eher an Unterstützung gewonnen, denn er gilt im deutschen Munde jetzt als einer, der Mut gezeigt hat aber dennoch weichen musste.

Nicht erst Gabriel geriet unter Beschuss, als er das Wort Apartheid im Kontext mit Israel benutzt. Prominentestes Beispiel vor ihm war Jimmy Carter, der nach Veröffentlichung seines Buches “Palestine: Peace not Apartheid” hart angegangen wurde, zuletzt auch mit dem Vorwurf des Antisemitismus. Im Gegensatz zu Grass, der seit der Affäre um sein Gedicht trotz (zu oft erschreckender) Zustimmung bei breiten Teilen der Bevölkerung unter der Inetellektülle Deutschlands als Antisemit und daher als nicht mehr tragfähig gilt, hatte Carter als Expräsident der USA bessere Ressourcen, um sich gegen ähnliche Angriffe zu wehren. Letztendlich wurde er trotz des am Ende erhobenen Vorwurfs des Antisemitismus nach seiner Rede in Brandeis von den vorwiegend jüdischen Studenten mit mehrfachen Standing Ovations bedacht, während mehr als die Hälfte des Auditoriums den Saal verließ, als der Freund des legalen Folterns, Alan Dershowitz, an das Rednerpult trat.

Die Frage jedoch, ob man Israels System und Architektur der Besatzung im Westjordanland und in Gaza3 mit der Apartheid vergleichen oder gar gleichsetzen könne, fällt damit völlig aus dem Blickwinkel, weil plötzlich der (vermeintliche) Antisemitismus dessen an der Tagesordnung steht, der den Vergleich machte. Ob denn Apartheid das richtige Wort für ist, verbleibt letztendlich unerörtert.

Seinen Beitrag dazu wird der neue Dokumentarfilm “Roadmap to Apartheid” der weißen Südafrikanerin Ana Nogueira  und des jüdischen Israeli Eron Davidson leisten. In ihm gehen die beiden Filmemacher der Frage nach, inwiefern sich die Apartheid mit der Besatzung und dem Konflikt mit den Palästinensern gleichsetzen oder vergleichen lasse:

 

 

  1. Sigmar Gabriel auf seinem Facebookprofil, 14. März 2012 []
  2. Sigmar Gabriel auf seinem Facebookprofil, 14. März 2012 []
  3. Israel hat Gaza zwar geräumt, kontrolliert es aber effektiver als Zuvor und die Besatzung hält damit an.  Israel beherrscht alle Grenzen, den Luftraum und den Seeweg. []

Mit Scheiße bespritzt

Der israelische Blogger Uri Shani schreibt dem Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Hannover, Kay Schweigmann-Greve, nach dessen Kritik an Sigmar Gabriels Apartheidsvergleich:

Sehr geehrter Herr Schweigmann!

Mein Name ist Uri Shani, ich bin Israeli.

Ich danke Ihnen, dass ich durch Sie über den Besuch von Herrn Gabriel und über seine Stellungnahme hörte.

Ich danke Ihnen auch, dass Sie versuchen, mich zu verteidigen. Ich bitte Sie, dies in Zukunft zu unterlassen.

Waren Sie einmal in Hebron?

Ich war das letzte Mal vor zwei Wochen dort, ich wurde vom Militär des Staates, dem ich unerträglich hohe Steuern zahle, mit Scheiße bespritzt. Und ich meine das wörtlich. Drei Tage lang habe ich gestunken, weil ich gegen die Apartheid in Hebron und in diesem Land überhaupt demonstrieren wollte. Als wir mit der Demonstration begonnen hatten, kam gerade ein Beerdigungszug auf die Straße. Wir ließen sie durch, damit sie nicht warten mussten. In diesem Moment hat das israelische Militär Stellung bezogen und danach auch den Toten mit Scheiße bespritzt, denn als Palästinenser darf man in diesem Land nur mit Scheiße bespritzt begraben werden.

Ich habe geweint, weil wir auch mit Tränengas bombardiert wurden.

Herr Schweigmann, das hatten wir nicht nötig, denn aus Wut und Trauer hätten wir sowieso geweint.

Solche Schläge ins Gesicht, Herr Schweigmann, erhalte ich sehr oft, weil ich nicht zufrieden bin hier. Die Äußerung von Herrn Gabriel aber gibt mir Mut und stärkt mich. Nicht alle Deutsche lassen sich mit der Antisemitismuskeule erschlagen.

Was haben Sie, Herr Schweigmann, gegen das Massaker in Homs gemacht?

Die palästinensischen Bewohner von Hebron, und auch in Ramallah und in Haifa, haben wenigstens dagegen demonstriert.

Warum betonen Sie eigentlich, dass Israel ein “souveräner und demokratischer Staat” sei. Soll ich Ihnen sagen, was ich davon halte?

Ich bitte Sie, Herr Schweigmann, wenn Sie mich unterstützen wollen, dann verhindern Sie doch bitte zum Beispiel die nuklearen U-Boot-Geschäftes ihres Staates mit Israel. Oder kommen Sie doch wenigstens einmal und sprechen Sie mit den Opfern dieser Regierung, auch mit den Staatsbürgern, die kein Haus haben, keine Arbeit haben, kein Essen haben. Darunter sind auch Schoah-Überlebende, Herr Schweigmann.

Ansonsten – bleiben Sie, wo Sie sind und lassen Sie mich wenigstens um mein Leben kämpfen! Die Scheiße, mit der ich von meiner Regierung bespritzt werde, reicht mir.

Mit freundlichen Grüßen,

uri shani (M.A.)

Die taz über Hebron

„Ein halber Tag in Hebron, und man kapiert, wie die Besatzung funktioniert.“ Susanne Knaul beschreibt die Lage in Hebron: “Erleben, was Besatzung heißt”taz, 16. März 2012

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Hebron

Breaking the Silence führt durch Hebron:

 

Kafka im Westjordanland

Wie das von Israel in den besetzten Gebieten eingerichtete Verwaltungssystem das Leben der palästinensischen Bevölkerung zur Qual werden lässt, erklärt Joseph Dana anschaulich in  seinem Berichts aus den Hügeln südlich Hebrons: “Kafka im Westjordanland”Le Monde diplomatique, 10.Februar 2012.

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Tilman Tarach: Der deutsche Alan Dershowitz

“Was bei der Lektüre des Buches schon nach wenigen Seiten auffällt ist die immense Sorgfalt und Präzision, mit der Tilman Tarach zu Werke geht, dazu seine instinktsichere Verknüpfung und situative Zusammenführung der historischen Dimension des Antisemitismus speziell in Nahost mit der persönlichen Verstricktheit der Protagonisten.”1

Tilman Tarach: Der ewige SündenbockDie Welt ist voller Märchenbücher und Lügengeschichten. Dies kann manchmal amüsant sein, häufiger aber ist es einfach nur ärgerlich. So auch im Falle Tilman Tarachs, dessen Buch “Der ewige Sündenbock” landauf, landab von Verteidigern der israelischen Besatzung gepriesen wird.2 Tarachs Anliegen: die Verlogenheit der Linken im Nahostkonflikt aufzuzeigen. Tarachs Problem: Er stolpert dabei einfach über seine eigenen Argumente. Das Dilemma: wer hat schon wirklich Zeit (und Lust) eine ausführliche Widerlegung dieses Schwindel-Buchs zu schreiben?

Tarach ist zu unwichtig, sein Buch zu unbekannt und darüber hinaus zu unstrukturiert, als dass es einen ernsthaften Beitrag zur Debatte darstellen könnte. Aber es wird anscheinend trotzdem von einigen empfohlen und gelesen. Darum will ich hier kurz und exemplarisch das erste Kapitel bearbeiten, um zu zeigen, wie Tarach versucht, die Faktenlage zu entstellen.  Ganz im Stile seines Vorbilds Alan Dershowitz3 halbiert und/oder verändert er die Quellen in einer ihm angenehmen und funktionalen Weise. Das Anliegen, alles seiner Sichtweise zu unterwerfen, indem er die Präsentation der Faktenlage jener anpasst, ist zu leicht zu durchschauen.

  1. Bernd Dahlenburg (Honestly Concerned) als Referenz auf Tarachs Blog. []
  2. Alle Zitate und Fußnoten beziehen sich auf die 2. Auflage, März 2009; die dritte Auflage hat ein Geleitwort von Henryk M. Broder bekommen. Anscheinend meint Tarach, dass ein solches sein Buch veredeln würde. []
  3. The Case for Israel, 2003. Dershowitz’ Apologie auf die Menschenrechtsverletzungen durch den Staat Israel wurde umfassend und genau von Finkelstein (Beyond Chutzpah – On the Missuse of Anti-Semitism and the Abuse of History, dt.: Antisemitismus als politische Waffe) analysiert und  sämtliche seiner Falschdarstellungen widerlegt. []

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