Posts Tagged ‘Gaza’

Children of Gaza (Dokumentation)

Donnerstag, Dezember 30th, 2010

Im Dezember 2008 startete die israelische Armee die Operation „Gegossenes Blei“. Angebliches Ziel war es, den Raketenbeschuss auf Israel zu beenden. Vielfache Aussagen von offizieller israelischer Seite und der Umstand, dass es Israel war, das den Waffenstillstand gebrochen hatte, bezeugen jedoch anderes: man benötigte nach dem verlorenen Krieg gegen die Hezbollah im Libanon einen abschreckenden Sieg, welcher der arabischen Welt vor Augen führen sollte, zu was die Gewaltmaschine der IDF fähig sei.

Unter den 1300 getöteten Palästinensern waren auch um die 300 Kinder. Nach dem Ausrufen des Waffenstillstandes fuhr der Filmemacher Jezza Neumann nach Gaza und begleitete 3 Kinder für ein Jahr.

Umgeben von den Übrigbleibseln des zerstörten Gazastreifens und isoliert durch die Blockade, die fast jeden Betroffenen davon abhält, sein Haus und seine Existenz wieder aufzubauen, gewährt „Children of Gaza“ einen schockierenden und zugleich berührenden Blick auf das Leben der Kinder und ihren außerordentlichen Mut im Angesicht gewaltigen Elends.

Breaking The Silence: Zeugnisse israelischer Soldaten

Dienstag, Dezember 28th, 2010

Die israelische Organisation Breaking The Silence hat vor einigen Tagen ein neues Buch veröffentlicht: „Occupation of the Territories – Israeli Soldier Testimonies 2000-2010“. Es soll Zeugnis über die alltägliche Repression der Armee gegenüber der palästinensischen Zivilbevölkerung ablegen.

Breaking the Silence hat im Rahmen des übergeordneten Ziels der Organisation zur Verbesserung des Zugangs zu Informationen über den Alltag in den besetzten Gebieten eine neue Publikation mit dem Titel “Occupation of the Territories – Israeli Soldier Testimonies 2000-2010” veröffentlicht. Das 431-Seiten umfassende Buch enthält Zeugnisse von 101 männlichen und weiblichen Soldaten, die während der letzten 10 Jahre in den besetzten Gebieten dienten. Es ist nach den vier grundlegenden Begriffen des israelischen Militärs aufgeteilt, die als Rahmen dienen, mittels dessen die israelische Politik in den Gebieten durchgesetzt wird. Die Zeugnisse der Soldaten schildern die Begriffe und deren Ausführung vor Ort.

„Prävention“, „Separation“, „Lebensstruktur“ und „Rechtsdurchsetzung“ sind jene Begriffe, die von den israelischen Behörden benutzt werden, um verschiedene Aspekte der Politik Israels in den besetzten Gebieten zu kennzeichnen. Statt die Politik zu beschreiben, kodieren diese Begriffe jedoch militärische Aktionen, indem sie in eine defensive Sprache eingebettet werden. Die israelische Kontrolle über die besetzten Gebiete dient nicht nur dem Sicherheitsinteresse der innerhalb der Grünen Linie lebenden israelischen Bevölkerung. Die Zeugnisse zeigen, wie Israel durch seine Aktivitäten in den besetzten Gebieten nicht den Status quo zu bewahren versucht, sondern daran arbeitet, diesen zu ändern. Indem Israel den Palästinensern immer mehr Land enteignet, dient seine militärische Überlegenheit auch dazu, weitere Aspekte des Lebens der Palästinenser zu kontrollieren. Entgegen dem Eindruck, den israelische Beamte zu erwecken versuchen, dass Israel sich aus den palästinensischen Gebieten langsam und mit den richtigen Sicherheitsvorkehrungen zurückzieht, beschreiben die IDF-Soldaten den unerbittlichen Versuch Israels, an den Gebieten und somit der palästinensischen Bevölkerung festzuhalten.

Das erste Kapitel des Buches beschreibt, wie der Begriff „Prävention“ – welcher die Vorstellungen von Terror verhindernden, defensiven Maßnahmen beschwören soll – in Wirklichkeit mit einer aggressiven Politik übersetzt werden muss, die die Notwendigkeit, zwischen Terroristen und unschuldigen Zivilisten zu unterscheiden, zunichte macht. Unter dem Deckmantel dieses Begriffs stört die Armee das normale Leben der palästinensischen Bevölkerung, um diese einzuschüchtern und ein „Gefühl der Verfolgung“ zu vermitteln. Unter diesem Titel beschreiben die Zeugnisse aus dem Kapitel Aktionen wie Hausdurchsuchungen, Nachahmungen von Festnahmen unschuldiger palästinensischer Zivilisten als Übungen für junge Soldaten, Patrouillen, um Präsenz zu zeigen, Belästigungen an den Checkpoints und kollektive Bestrafungen.

Dana Golan, Vorsitzende von Breaking the Silence, sagt: „Seit sechs Jahren, hat Breaking the Silence Zeugnisse von mehr als 700 Soldaten, Männern und Frauen, die in den besetzten Gebieten gedient haben, gesammelt. Dieses umfassende Sammlung von Informationen ermöglicht ein schärferes Verständnis der IDF-Politik in den besetzten Gebieten, von denen die meisten der israelischen Öffentlichkeit verborgen bleiben. Die Auswertung der letzten Dekade der israelischen Präsenz in den Gebieten zeigt den moralischen Verfall der israelischen Gesellschaft als Ganzes – und nicht nur ihrer Akteure vor Ort, der Soldaten. Wir hoffen, dass das Buch „“Occupation of the Territories – Israeli Soldier Testimonies 2000-2010” eine offene Debatte über den moralischen Preis der laufenden Kontrolle eines anderen Volkes fördern wird.“

(Eigene Übersetzung des Originaltextes)

Das Buch kann hier herunter geladen werden.

Zwei Jahre Angriff auf Gaza

Montag, Dezember 27th, 2010

„Das Gaza-Massaker, das Israel heute vor zwei jahren begann, endete nicht am 18. Januar 2009, sondern hält an. Es war nicht nur ein Massaker an menschlichen Körpern, sondern auch an der Wahrheit und der Gerechtigkeit.“ schreibt Ali Abunimah in seinem neuesten Editorial. Zumindest bei der Wahrheit hat er vollkommen recht. „The Gaza massacre and the struggle for justice The Electronic Intifada, 27 December 2010

Kriegstrommeln

Montag, Dezember 27th, 2010

In den letzten Tagen eskaliert der israelische Staat erneut den Konflikt in Gaza. Dabei werden immer wieder auch Zivilisten getötet. Alleine 2010 kamen in Gaza mehr als 50 Menschen durch israelischen Beschuss ums Leben. Aber davon will niemand reden. Die deutsche Presse spricht indes – wenn überhaupt –  nur von einer „Antwort“ der israelischen Streitkräfte auf palästinensische Raketen und Mörsergranaten. Ilan Pappe befürchtet: „The drums of war are heard again in Israel“Mondoweiss, 26. Dezember 2010.

Was wirklich an dem Goldstone-Report nicht stimmt

Dienstag, Dezember 14th, 2010

Der emeritierte Prof. Jerome Slater, ein Verfechter des jüdischen Charakters Israels, zeigt den wirklichen Fehler des Goldstone-Reports auf: „What’s really wrong with the Goldstone Report“ – Mondoweiss, 14. Dezember 2010

Israel und Palästina: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft

Mittwoch, November 17th, 2010

Der amerikanische Politikwissenschaftler Norman G. Finkelstein hielt Ende Oktober zusammen mit den Canadians for Justice and Peace in the Middle East mehrere Vorlesungen an kanadischen Universitäten. Sein Vortrag „Israel and Palestine: Past, Present, Future“ fokussiert die Situation in Gaza, den Überfall auf die Mavi Marmara sowie den laufenden Friedensprozess und die Gefahr eines neuen regionalen Kriegs. Das Video besteht aus 7 Teilen.

Occupation 101 (Dokumentation)

Mittwoch, Oktober 20th, 2010

„We have no intention of leaving Judea and Samaria [West Bank]. We will remain here in one way or another for hundreds and thousands of years.“ (Generalmajor Ya’ir Naveh,  Befehlshaber der Besatzungstruppen im Westjordanland bis 2007)

Der Dokumentarfilm „Occupation 101: Voice of the Silenced Majority“ von Sufyan und Abdallah Omeish aus dem Jahre 2007 handelt über den israelisch-palästinensischen Konflikt. Dabei werden kurz die Ursprünge des Konflikts gezeigt – die ersten Einwanderungswellen, die Vertreibung 1947/48, die Besetzung der restlichen Gebiete 1967 – um sich dann vor allem den letzten 20 Jahren, von der Ersten über die Zweite Intifada und Israels „Abkoppelungsplan“ bis zu den Hintergründen der israelisch-amerikanischen Beziehungen zu widmen. Im Mittelpunkt des Films steht jedoch vor allem die israelische Besetzung des Westjordanlandes und des Gazastreifens sowie deren Auswirkung auf die palästinensische Bevölkerung. Zahlreiche Interviews, unter anderem mit Jeff Halper, Noam Chomsky, Amira Hass oder Rashid Khalidil gewähren Einblicke in das alltägliche Leben der Menschen in den besetzten Gebieten. Occupation 101 zeigt uns die Realität des blutigen, über 40 Jahre anhaltenden Konflikts für die palästinensischen Zivilbevölkerung. Aber der Film trägt eine machtvolle Nachricht in sich: dass ein gerechter Frieden möglich ist und Palästinenser und Israelis gemeinsam leben können.

„Those who really care about the interests of Israel should exert all the pressure possible in order to force Israel to stop the aggression, stop the repression and the occupation.“ (Peretz Kidron – Yesh Gvul, Soldaten, die sich weigern in den besetzten Gebieten zu dienen)

Amira Hass über die Hamas und die PFLP

Donnerstag, August 19th, 2010

Die Hamas griff vor einigen Tagen erneut eine PFLP-Versammlung in Gaza an. Noch im Dezember 2009 hatten über 70.000 an einer ihrer Demonstrationen teilgenommen. Danach vermehrten sich die Angriffe der Hamas. Amira Hass über die aktuelle Situation: „What Hamas is really afraid of“ – Haaretz, 16. August 2010.

Alex Feuerherdt: Wir machen uns die Welt, wiede wiede wie sie uns gefällt!

Montag, August 16th, 2010

Es muss schon ziemlich ärgerlich für einen Autoren sein, wenn er einen Artikel für ein Monatsblatt schreibt, aber ihm noch vor Veröffentlichung alle „Fakten“ um die Ohren fliegen. So geschehen dem Amateur-Schiedsrichter Alex Feuerherdt. Als ich vor etwa einem Monat seinen Artikel „Narrenschiffe“ in der KONKRET 7/2010 las, konnte ich mir eine gewisse Schadenfreude nicht verkneifen. „Knieschuss!“, hätte man auch sagen können.

Die Freude währte aber nur kurz. Denn wahrscheinlich würden beträchtliche Teile der Leserschaft es gar nicht registrieren, dass Leute wie Max Blumenthal, Lia Tarachansky, Iara Lee oder auch die Obduktion der Toten durch das Justizministerium der Türkei große Teile der israelischen „Fakten“ als das entlarvt hatten, was sie waren: Lügen. Diese Leser haben in der Regel lediglich die deutschen Pressestimmen und vielleicht noch Feuerherdts oder einen anderen unkritischen Artikel zur Erstürmung der Mavi Marmara gelesen. Dass sich die in der KONKRET publizierten „Fakten“ aber als ein großes Theaterstück herausstellen würden, werden viele dann doch nicht mehr mitbekommen haben.

Niemand kann sich in der heutigen Informationsflut mit Tausenden von Quellen versorgen. Dies wusste auch die israelische Armee, die mehrere Tage fast ungestört ihre Version verbreiten konnte, ohne dass die wenigen Aufnahmen und Zeugen, die Gegenteiliges belegten, in den Medien groß dazwischenfunkten. Der Bilderkrieg war damit zu guten Teilen für die eigene Seite entschieden worden.

Als dann immer mehr von dem ans Tageslicht kam, was sich dort abgespielt hatte, verschwanden diese „Fakten“ einfach aus der Argumentation sowohl der israelischen Regierungssprecher als auch der Artikel von Apologeten der israelischen Politik. Nicht umsonst findet sich über die von Feuerherdt in der KONKRET noch lautstark rausposaunten „Fakten“ in seinem neuen Beitrag für die Jungle World (31/2010) kein einziges Wort mehr. Bevor wir uns also seinem neuesten Paukenschlag mit dem zynischen Titel „Humantität als Camouflage“ widmen, wollen wir uns noch mal seinen Konkret-Artikel zu Gemüte führen. (mehr …)

Uribes Bennennung: Sühne für Goldstone?

Samstag, August 7th, 2010

Fast könnte man meinen, dass die Benennung des scheidenden kolumbianischen Präsidenten Álvaro Uribe eine Sühne der UN für vergangenes „Unrecht“ ist, Richard Goldstone die Untersuchung des Massakers in Gaza überlassen zu haben. „Uribe’s appointment to flotilla probe guarantees its failure“Electronic Intifada, 6. August 2010