Posts Tagged ‘Friedensprozess’

John Mersheimer und Norman Finkelstein über die Zukunft Israels

Sonntag, Oktober 30th, 2011

Scott McConnell von dem konservativen Magazin The American Conservative in einem interessanten Gespräch mit John J. Mearsheimer, Mitautor des Buches „Die Israel-Lobby“, und Norman G. Finkelstein über den Friedensprozess von Oslo und die Zukunft des Staates Israel. „Greater Israel—or Peace?“The American Conservative, Oktober 2011.

Peter Münch (SZ) und der Kampf der Kulturen in Nahost

Sonntag, Februar 27th, 2011

Peter Münch kommentiert den Nahen Osten in der Süddeutschen anscheinend von einem Paralleluniversum aus. Israel erstarre vor Furcht, schreibt er in seinem jüngsten Artikel „Israel und die Angst vor den Nachbarn„, erschienen in der Süddeutschen. Man merkt schon, was er hier gleich von Beginn an dem Leser nahe bringen möchte: Israel fürchte sich zu Recht! Und sogleich nimmt er vorweg, dass es nun endlich Zeit sei zu handeln. Dabei verkennt Münch, dass es sich bei der Politik der rechtesten Regierung, die Israel je sah, nicht um ein Versehen handelt, sondern dass sie mit Wissen und Wollen in Kraft gesetzt wird. Dass vielleicht auch die Nachbarn Israels Angst haben könnten, darauf ist Peter Münch wohl noch nie gekommen. Aber der Feind ist identifiziert und anvisiert:

„Der Nahe Osten war immer auch der Wilde Osten: Beherrscht von korrupten Autokraten, die ihre Völker unterdrücken; bedroht von verbohrten Islamisten, die den Terror schüren.“

Keine Frage. Die umliegenden Länder sind nicht zimperlich mit jeglicher Opposition umgegangen, aus welcher Richtung eine solche auch immer kam. Und dabei wurden nicht wenige von ihnen immer schön fleißig unterstützt vom – Westen. Nehmen wir nur den besten Freund der USA: Saudi-Arabien. Es gibt kaum ein Land, in dem Frauen mehr geknechtet sind, in dem jegliche (vor allem linke und bürgerliche) Opposition verfolgt wird oder das mehr den religiösen Fundamentalismus fördert als die wahhabitische Diktatur. Und das alles mit freundlicher Unterstützung der USA und Europas. Dagegen erscheint sogar der Iran fast schon als Hort des Liberalismus und der Demokratie. Saudi-Arabien ist deswegen so eng mit dem Westen verbunden, weil es den Profit dorthin trägt, wo er hingehört: an die amerikanische oder europäische Börse und eben nicht in die Slums von Kairo oder Süd-Teheran. Oder schauen wir auf Indonesien, dem Land mit der größten muslimischen Bevölkerung. Bis 1965 waren die USA Indonesien extrem feindlich gesinnt. Aber dann übernahm Suharto mit Hilfe des Westens die Macht und ließ hunderttausende (manche schätzen bis zu einer Million) landlose Bauern und Arbeiter abschlachten, die Basis der damaligen KP. Der Westen überschlug sich vor Freude. Danach war Indonesien einer der engsten Verbündeten in Asien. Ausnahmen von dieser Unterstützung gab es insofern, als sich andere, ebenso repressive Staaten, wie etwa Syrien, nicht vom Westen, sondern vom Ostblock unterstützen ließen.

Verschwiegen, vergessen oder noch gar nicht wahrgenommen?

Auffällig an Münchs Aufzählung ist jedoch, dass gleich mehrere Parteien dabei einfach unter den Tisch fallen. Zum einen der Westen selber, den man nochmals in USA und Europa, und Europa, das man wiederum in seine einzelnen Machtzentren unterteilen könnte. Die Demokratien der ersten Welt haben lange – sei es aus wirtschaftlichen oder geopolitischen Machtinteressen heraus – mehr als eine der Diktaturen unterstützt. Ob nun Gemayals Phalangisten oder Major Haddads Rechtsradikale im Libanon, Mubarak in Ägypten oder den erst kürzlich geflohene Ben Ali in Tunesien. Bis 1991 gehörte ja auch der Kurden vergasende Saddam Hussein zu den besten Freunden und Kunden des Westens. Und diese Aufzählung ist bei weitem nicht vollständig.

Zum anderen fehlt in Peter Münchs Liste die Regionalmacht des Nahen Ostens schlechthin. Dabei sind die Kriege, die Israel gegen seine Nachbarn führte, bemerkenswert, vor allem in der Zahl. Von der Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung, über den Angriff auf Ägypten im Zuge der Suezkampagne, dem von Israel begonnen „Präventivkrieg“ 1967, dem von Ägypten nach mehrfachen Friedensangeboten losgebrochene Jom-Kippur-Krieg bis zur Invasion des Libanon mit mehr als 20.000 Toten 1982, dem zweiten Krieg gegen den Libanon 2006, bis letztendlich zum Massaker in Gaza 2008/2009. Und vergessen wir bitte nicht, dass unsere einzige Demokratie im Nahen Osten, wie Münch Israel so schön betitelt, seit Jahrzehnten eine ganze Bevölkerung besetzt hält und dabei jegliche UN-Resolution mit Schulterzucken quittiert hat; dass sie 1980 Ostjerusalem entgegen jeglichem Völkerrecht annektierte und eine „Sicherheitszone“ mit faschistoiden christlichen Milizen im Südlibanon installierte. Auch diese Liste ist bei weitem nicht abschließend.

Aber Gefahr, das lernen wir, geht laut Münch nur von den wild gewordenen „Arabern“ aus. Schon der Einleitungssatz macht deutlich, welches Bild hier aufgebaut werden soll: der mit Europa verbundene „weiße“ Siedlerstaat inmitten der wilden barbarischen Moslemhorden – das Pendant zum glorreichen Pionier des 19. Jahrhunderts –, und die Demokratie als Orchidee unter den Staatsformen. Nur: welche Staaten bestimmen denn eigentlich die brutale Weltordnung, in der es mehr Hungernde gibt als je zuvor? Welcher Staatenblock hat dutzende blutige Putsche unterstützt und Kriege und Tode von Millionen Menschen zu verantworten? Wer baut eigentlich die Waffen, mit denen sich die Peripherie-Diktaturen und sonstigen Staaten dieser Welt die Köpfe einschlagen? Waren dies nicht die Demokratien? Und 500.000 tote Iraker selbst nach konservativer Schätzung (Irak, so könnte man wissen, liegt gleich „um die Ecke“ und kann nicht einfach aus dem Zusammenhang gerissen werden) in 12 Jahren Embargo und noch einmal geschätzte 100.000 seit 2003: das zählt natürlich nicht. Denn wir bringen ja die Freiheit, die Fackel der Aufklärung. Demokratie als Synonym für Fortschritt. Und das Öl muss auch gesichert werden.

Des Pudels Kern

Und schneller, als man sonst gewohnt ist, kommt Münch auch schon zum Kern seiner Argumentation:

Die besondere Aufmerksamkeit jedoch verdankt der Nahe Osten einer Auseinandersetzung, die weit mehr als nur eine regionale Bedeutung hat: dem israelisch-arabischen Konflikt, der stets auch ein Kampf der Kulturen war.

In Zeiten von Rütli und Sarrazin, der Integrationsdebatte, Minarett- oder Burkaverbot, Terrorwarnungen und immer offener und härter auftretendem antimuslimischen Rassismus weiß der Leser dann auch, auf welcher Seite er sich einzuordnen hat. Jedenfalls nicht auf Seiten protestierender Palästinenser oder Ägypter.

Israel ist das gallische und dem deutschen Leser ja so vertraute und sympathische Dorf inmitten eines römisch dominierten Meeres, das einsame Fort mit einer kleinen und bedrohten Kavallerie inmitten feindlicher Indianerstämme. Die einzige Demokratie des „Wilden Ostens“. Und nicht ganz ohne Stolz kann sich so mancher Deutsche denn auch heimlich auf die Schulter klopfen, dass er, seine Familie und sein Staat maßgeblich daran beteiligt war, dass dieses Israel dort im Nahen Osten entstanden ist.

Schnell verpasst Münch dann noch jedem einen Maulkorb, der darauf hinweisen könnte, dass in einer solchen Situation Netanjahu auch noch den Wehretat erhöht. Man lebe nun mal in einer gefährlichen Umgebung:

Mokieren sollte sich darüber niemand, schon gar nicht, wenn er weit weg in bequemer Sicherheit lebt.

Münch ist es vielleicht entgangen, aber man sollte ihn nochmals darauf hinweisen, dass wir es hier nicht mit einer unverschuldeten Situation zu tun haben, sondern mit einer 43 Jahre alten Besatzung, mit Landraub, Hauszerstörungen, der Rodung abertausender Olivenbäume als Grundlage des Einkommens, legalisierter Folter, gezielten Tötungen und blutiger Unterdrückung von Millionen von Palästinensern. Diese Verhältnisse und das damit verbundene Leid auf allen Seiten haben jedoch auch Auswirkungen auf Menschen in der weiteren Umgebung. Natürlich gibt es im Nahen Osten Nationalstaaten mit ihren eigenen repressiven Regimes und Eliten. Und doch ist es nicht verwunderlich, dass die arabischen Bevölkerungen bei aller Verschiedenheit und trotz der meist willkürlich gezogenen Grenzen noch immer einer Art Panarabismus anhängen. Auch wenn er sich nicht anhand des Rufes nach einem gemeinsamen Nationalstaates artikuliert, so hängen die Menschen doch einer Gemeinsamkeit an: dass sie sich eben als Araber verstehen. Oder eben verstanden werden. Und genau darum blicken sie auf die dauerhafte Unterdrückung der Palästinenser durch Israel und deren Unterstützung durch den Westen. Da mag auch ab und an viel Projektion dabei sein. Münch tut hier aber so, als hätten die israelischen Regierungen keine Rolle dabei gespielt, den Siedlungsbau und so auch den Konflikt immer weiter voranzutreiben. Muss man jetzt für denjenigen, der alles dafür tut, dass bloß kein Frieden zustande kommt, auch noch Verständnis haben?

Das Dilemma

Es gibt zurzeit keine israelische Friedensbewegung, die die Kraft hätte, die Politik des israelischen Staates entscheidend zu beeinflussen. Diese Tatsache ist auch den kleinen Resten dieser Bewegung bewusst. Wer an den Marsch gegen das Massaker in Sabra und Schatila im Jahr 1982 erinnert, der verkennt, dass die Menschen in Israel erst aufstanden, als schon längst mehr als 10.000 Palästinenser und Libanesen durch israelische Bomben getötet worden waren. Und das zu einer Zeit, als die Arbeitspartei und die Restlinke noch einen Faktor darstellten. Die politische Landkarte in Israel hat sich seitdem radikal verändert.

Dabei dürfen wir uns nicht dem falschen Glauben hingeben, nur Israel sei nach rechts gerutscht. Auch in Europa ist die Linke nur noch ein Schatten ihrer selbst, weit davon entfernt, die herrschende Politik effektiv in Frage stellen zu können. Insofern ist Israel in dieser Beziehung nur ein Spiegelbild des Westens. Es ist unser Versagen hier, das sich auch dort bemerkbar macht. Eine Veränderung der Verhältnisse wird nicht von Israel selbst ausgehen, sondern nur, wenn es unter immer stärkeren Druck aus dem Westen und auch der Diaspora gerät. Und das ist ein harter Kampf um die Köpfe, der aber leider nicht ausbleiben kann.

Münch will ein „wir“ und ein „sie“ anhand der Staatsform fabrizieren, während die Entwicklungen seine Worte Lügen strafen und völlig ad absurdum führen. Als Grund dieser Staatsform gilt die Überlegenheit des Christentums. Denn wer ist verantwortlich für Diktatur und Fundamentalismus? Natürlich der Islam. Vielleicht aber, so Münch weiter, könnte mit Hilfe der Massen in den arabischen Ländern „unsere“ Kultur über die „orientalische“ obsiegen. Was Münch hier in seinem Denken offenbart, ist nichts anderes als Huntingtons Konstrukt vom „Kampf der Kulturen“.

Samuel lässt grüßen

Der Kampf der Kulturen fungiert dabei in ähnlicher Weise, wie es früher der Kalte Krieg tat: als Rechtfertigung für die Dominanz der herrschenden Staaten, vor allem Europas und der USA. Es hat sich rein gar nichts an den Interessen verändert, seit die UdSSR den Kalten Krieg verloren gab. Die Politik ist die gleiche geblieben, nur der ideologische Vorwand ein anderer geworden. Dabei ist der Kampf gegen den „Terrorismus“, insbesondere den islamischen, keine Erfindung des Jahres 2001. Schon in den späten 70er und frühen 80er Jahren wurden alle anti-amerikanischen Bestrebungen als „terroristisch“ eingestuft. Aber heute hat dieses Feindbild den kalten Krieg als Rechtfertigungsmodell endgültig abgelöst.

Als eigentliche Gefahr galt dabei stets, dass die Länder im Nahen Osten umfassende Kontrolle über die eigenen Naturvorräte erlangen könnten. Die Unterstützung der Diktaturen und diktatorischen Königreiche diente daher letztlich nur einem Zweck: den billigen Zugang zum Öl zu sichern.

Hier kommt nun der palästinensisch-israelische Konflikt wieder ins Spiel. Er dient als Aushängeschild für den vermeintlichen „Kulturkampf“. Israel wird als Demokratie (was es auch ist, jedoch vorwiegend nur für Juden) der eigenen Seite zugeschlagen, die Palästinenser dagegen dem terroristischen, Demokratie verneinenden Islamismus. Dass es sich in Wahrheit um einen nationalistischen Konflikt um Land, Wasser und die regionale Vormacht handelt, wird dabei konsequent unterschlagen, um stattdessen einen Konflikt des Judentums mit dem Islam oder des Westens mit „dem Orient“ zu unterschieben.

Die Contras und andere1

Es gab schon einmal einen „Kampf der Kulturen“. Das war in den 70ern und 80ern, und er wurde in Süd- und Mittelamerika gegen die lokale katholische Kirche geführt, die es gewagt hatte, von der Kirche der Reichen zu einer Kirche der Armen zu werden. Mehr als ein Befreiungstheologe musste sein Leben dafür geben. Mehrere hunderttausend Menschen starben durch die US-finanzierten Terrorgruppen; vier Länder wurden verwüstet. Was ist also dieser Kampf der Kulturen? Es ist, vereinfacht ausgedrückt, ein Kampf von Arm gegen Reich. Dabei ist es egal, ob die Armen von der katholischen Kirche, islamischen Groppen oder den Kommunisten repräsentiert werden oder ob diese glauben, die Armen zu repräsentieren. Münchs „Kampf der Kulturen“ dagegen meint den angeblichen Konflikt zwischen Islam und Demokratie als den sich ausschließenden Seiten eines essentialistischen Gegensatzes.

Zumindest in einem Punkt ist Peter Münch jedoch zuzustimmen: Setzen sich demokratische Bewegungen in der arabischen Welt gegen die vom Westen unterstützten Regimes durch, dann zerplatzt vielleicht die Mär vom „Clash Of Civilizations“. Aber auch hier scheint der Ausweg bereits gefunden: Man behauptet dann einfach, man habe gesiegt.

  1. Ich habe das alte Zitat entfernt, weil ich bezweifle, dass die Leute hier die Ironie des Zitats verstanden haben bzw. werden. Ausnahmen wird es geben. Aber nicht jedem ist der „Seitenwechsel“ (in der „Positivierung“ der Gewalt gab es da keinen) eines Gremlizas bekannt. []

Der Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten

Samstag, Februar 12th, 2011

Knut Mellenthin zeigt auf, dass der Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel aus zwei Teilen bestand: Nicht nur Frieden zwischen den beiden Staaten, sondern auch mit allen anderen Nachbarn und die Beendigung des israelisch-arabischen Konflikts; also auch des palästinensisch-israelischen. „Eingeschränkte Souveränität“ – junge welt, 11. Februar 2011

Finkelstein: Angriff auf Gaza, die Freedom Flotilla und der Friedensprozess

Mittwoch, Februar 9th, 2011

Norman Finkelstein an der University of Pennsylvania (25.1.2011)

Genau dies ist der Grund, warum Gruppen wie BAK Shalom Vorträge von Finkelstein verhindern wollen. Das Publikum ist zwar nicht allzu sehr freundlich gesonnen. Man hört am Applaus, dass nicht nur irgendwelche pro-palästinensischen Aktivisten Finkelstein abfeiern, sondern dass hier viele Leute sitzen, die sich durchaus als pro-israelisch verstehen. Sie scheuen aber nicht die Diskussion. Finkelstein geht in seinem Vortrag folgende Fragen bzw. Punkte durch:

I. Gaza

a) Die Gaza-Blockade (Teil 1)

b) Warum hat Israel Gaza angegriffen? (Teil 1)

c) Wer brach den Waffenstillstand? (Teil 1)

d) Benutzte Israel bei dem Angriff Phosphorgranaten in zivilen Gebieten? (Teil 2)

e) Kann man den Angriff einen Krieg nennen oder war es ein Massaker? (Teil 2)

f) Hat Hamas Zivilisten als menschliche Schutzschilde benutzt? (Ende Teil 2)

g) Zerstörung ziviler Einrichtungen (Teil 3)

II. Die Gaza-Flotte

a) Die Ziele und Gründe der Gaza-Flotte (Teil 3)

b) Waffenembargo und Menschenrechte (Teil 3)

c) Der Angriff auf die Marvi Marmara  (Teil 4)

d) Der Turkel-Report (Teil 4)

III. Diskussion

a) Was nun? (Teil 5)

b) Warum will die arabische Welt nicht in Frieden mit Israel leben? (Teil 5)

c) Die jährliche UN-Resolution zum Friedensprozess (Teil 5)

d) Die Arabische Liga und die saudische Friedensofferte (Teil 5)

e) Die Islamische Weltliga und der Friedensprozess (Teil 6)

f) Die PA und die Palestine Papers (Teil 6)

g) Hamas und die Grenze von 1967 (Teil 6)

h) Der Abzug Israels aus Gaza 2005 (Teil 6)

i) Israels Vermeidung von zivilen Opfern (Teil 6)

j) „No safe place“ (Teil 7)

Interview mit Mustafa Barghouti (dt. Untertitel)

Donnerstag, Februar 3rd, 2011

Schon letzte Woche, am Donnerstag, dem 27. Januar 2011, hielten wir ein Interview mit dem Bürgerrechtler und Präsidenten der Palestinian Medical Relief Society (PMRS) Dr. Mustafa Barghouti an seinem Wohnort Ramallah. Beschränkte zeitliche Kapazitäten und einige andere Missgeschicke sind verantwortlich dafür, dass wir das Material erst heute, exakt eine Woche später, veröffentlichen können.

2002 gründete Barghouti unter anderen mit dem 2003 verstorbenen Edward Said die Palästinensische Nationale Initiative (Al-Mubadara), eine sozialdemokratische und reformistische Organisation, die 2008 in die Sozialistische Internationale (SI) aufgenommen wurde. Die Al-Mubadara versteht sich als Bewegung des sog. Dritten Weges, also als Alternative zur PLO und zur Hamas. Dr. Mustafa Barghouti ist ein scharfer Kritiker der korrupten PLO und setzt sich für einen friedlichen Widerstand gegen die israelische Besatzung und den anhaltenden Siedlungsbau ein.
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junge welt zu den ‚Palestine Papers‘

Dienstag, Februar 1st, 2011

Knut Mellenthin zeigt in seinem zumindest auf den ersten Blick hervorragend recherchierten Artikel (I like Footnotes) die Hintergründe der abgebrochenen Friedensverhandlungen, der „Palestine Papers“ und ob der Vorwurf der PA, die Veröffentlichung wäre eine Kampagne gegen sie, nicht teilweise gerechtfertigt sei: „Aussichtslose Verhandlungen“junge welt, 1. Februar 2011

Der Zentralrat macht sich Sorgen um Mubarak

Sonntag, Januar 30th, 2011

Auf Handelsblatt.com warnt Charlotte Knoblochs Nachfolger Dieter Graumann davor, dass Ägypten ins Chaos verfällt und darum Israels „Sicherheit“ gefährdet sei. Das würde mir natürlich auch gleich als erstes einfallen, wenn tausende von Menschen gegen ein repressives, Jahrzehnte altes Regime aufbegehren. Die Situation in Ägypten zeige zudem, dass Israel als einzige Demokratie Stabilität für die Region bedeuten würde:

Angesichts der immer heftiger werdenden Proteste in Ägypten warnt denn auch der Zentralrat der Juden in Deutschland vor möglichen Konsequenzen für die Sicherheit Israels. „Generell vergrößern neue Instabilitäten in der Region die Risiken“, sagte der Präsident des Zentralrats, Dieter Graumann, Handelsblatt Online. Eine neue Hisbollah-Regierung im Libanon, der blutige Dauerkampf zwischen Hamas und Fatah, das sei schon schwierig genug. „Und Ägypten in Aufruhr – eine neue Unsicherheit.“ Um so mehr sei zu würdigen, „dass Israel eine stabile Oase der Demokratie in der Region ist“, so Graumann.1

Will heißen: Die Diktatoren in den Nachbarländern passen der rechten Regierung in Israel und anscheinend auch dem Präsidenten des Zentralrats besser, weil sie beim Siedlungsbau, bei der Annexion und Besatzung nicht so störend sind bzw. die gleichen Interessen verfolgen. Zum Beispiel indem sie Gaza abriegeln (Ägypten), den Flüchtlinge elementare Rechte vorenthalten (Libanon) oder die Mehrheit der Bevölkerung in Schach halten (Jordanien). Diese Staaten mit ihren mehr oder minder brutalen Regime haben ebenfalls ein Interesse an der Aufrechterhaltung der Situation im Westjordanland und Gaza, weil sie damit immer von der eigenen Repression ablenken können. Ägypten, Jordanien und (ja, auch) der Libanon ergänzten sich bisher ausgezeichnet mit Israel, wenn es darum ging Palästinenser unmittelbar oder mittelbar nieder zu halten.
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  1. „Ägypten-Unruhen stürzen Obama in ein Dilemma“Handelsblatt.com, 28. Januar 2011 []

Die Straße nach Palästina führt über Tunesien und Ägypten

Samstag, Januar 29th, 2011

„We are in the middle of a political earthquake in the Arab world and the ground has still not stopped shaking.“ (Ali Abunimah) Nach der Türkei könnte Ägypten als letzter Freund Israel ebenfalls den Rücken kehren: „Egypt’s uprising and its implications for Palestine“Electronic Intifada, 29. Januar 2011

Die „Palestine Papers“

Freitag, Januar 28th, 2011

Eine ausgezeichnete Zusammenfassung, worum es sich bei den durch Al Jazeera veröffentlichten „Palestine Papers“ handelt, bringt Spiegelfechter: „Die Palestine-Papers“

Schmok des Monats: Israels stellvertretende Außenminister Ayalon

Donnerstag, Januar 27th, 2011

Flötenspieler Karl Pfeifer ist ein großer Freund von Stellungnahmen der rechtsgerichteten Regierung unter dem guten alten Bibi Netanjahu. Am liebsten verbreitet er diese über seine Seite Die Jüdische. Ganz großes Kino kann man dort jetzt nach den Veröffentlichungen von Al Jazeera1 erleben, wenn man sich einmal so eine öffentliche Stellungnahme des israelischen Staates zu Gemüte führt. Jeder, der noch ein Fünkchen Verstand hat, wird die offene Verlogenheit und Ignoranz gegenüber den wirklichen Gegebenheiten sofort entdecken.

Ayalon lässt im Angesicht der vermehrten Anerkennungen Palästinas2 und der damit einhergehenden Aufwertung der palästinensischen Vertretungen im vielen Staaten3 voller Horror über seine Botschaften weltweit verbreiten:

„Leider sind diese einseitigen Deklarationen ohne Bedeutung und kontraproduktiv im Zuge der Verhandlungen. Vielmehr unterstützen sie eine Blase von Erwartungen die unter der palästinensischen Führung weiter wächst. […] Wir alle wissen, dass Blasen letztendlich platzen und es ist fahrlässig, zu solch einer unhaltbaren Politik beizutragen“.

Übersetzt: Frieden? HAHA, guter Witz. Warum sollten wir mit jemanden Frieden schließen, der keinerlei Gefahr für uns darstellt?! Oder doch nur eine Drohung? Der nächste Krieg Das nächste Massaker steht schon an? Also nicht enttäuscht sein, liebe palästinensische Führung, wenn wir einen Dreck auf eure Zugeständnisse geben, wenn uns der Frieden einfach nicht interessieren will. Da kann man uns sogar fast sämtliche Siedlungen um Jerusalem anbieten, und damit das größte jüdische Jerusalem, was es je gab.4 Interessiert uns alles nicht. Und einen Pfeifers Karl in seinem Alterswahn erst recht nicht. Man muss schon ziemliche Schläge auf den Kopf bekommen haben oder eine Menge Drogen nehmen, um das wirklich ernst zu meinen. Aber halt, kommt ja noch besser: (mehr …)

  1. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,741147,00.html; vgl. auch die Seite von Al Jazeera zu den sog. „Palestine papers: http://english.aljazeera.net/palestinepapers/ []
  2. Vor Perus hatten schon einge andere Staaten Palästina anerkannt. Vgl. „Abbas: Ecuador folgt Bolivien in der Anerkennung Palästinas“: http://amerika21.de/meldung/2010/12/18366/ecuador-palaestina []
  3. Vgl. dazu „Domino-Effekt erreicht Europa“: http://www.nai-israel.com/default.aspx?tabid=179&nid=22697 []
  4. Vgl. Mondoprinte „Das größte Jerusalem in der jüdischen Geschichte“: http://mondoprinte.wordpress.com/2011/01/24/das-groste-jerusalem-in-der-judischen-geschichte/ []