Posts Tagged ‘Filmfestival’

Israel-Filmtage: Erneuter Offener Brief an die Heinrich Böll Stiftung

Samstag, Januar 29th, 2011

Nachdem die Heinrich Böll Stiftung für die Ausrichtung ihrer dieses Wochenende stattfindenen Filmtage „Israel im Orient – Orient in Israel“ durch eine größere Gruppe israelischer und jüdischer Künstler und Aktivisten scharf kritisiert wurde, antwortete sie eher zurückhaltend. Man sei sich bewußt gewesen, dass man „mit den Filmtagen ein heißes Thema“ aufgreife, gleichzeitig aber dennoch überrascht über „die Schärfe und Unduldsamkeit, mit der die Kritik (in Israel und Deutschland) geführt wurde.“ Die Heinrich Böll Stiftung verstehe sich als Impulsgeber und als Forum offener Debatten, so dass man sich bemühe, „verschiedene Stimmen zu Wort kommen zu lassen, aus denen sich ein umfassendes Bild ergibt.“ Einer „Delegitimierung Israels als kolonialistisch-rassistisches Projekt“ trete man allerdings nach Kräften entgegen.

Kurz vor dem Start am Freitag wurde bekannt, dass die Filmtage auch von der israelischen Botschaft gefördert werden. Darauf und auf die Stellungnahme der Stiftung reagiert die Jüdische Stimme mit einem erneuten Offenen Brief:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

nach unserem offenen Brief an Sie und nachdem Sami Shalom Chetrit und Eli Hamo sich uns angeschlossen und ihren Film aus dem Programm zurückgezogen haben, haben Sie den Inhalt ihres Flyers modifiziert: „In der Folge wurden sie aus ihren Heimatländern entweder von staatlicher Seite aus vertrieben, von der muslimischen Bevölkerung bedrängt, das Land zu verlassen, oder von Israel zur Einwanderung angeworben.“ Leider bestehen in Ihrem Programm wie in dessen Ankündigung weiterhin gravierende Verfehlungen auf die der Brief der kritischen Juden und Israelis hingedeutet hat. Die falsche Behauptung die Misrachi Juden wurden vertrieben, steht in ihrem neuen Flyer immer noch. Ihr Programm haben Sie nicht geändert, sodass Sie die Misrachi Juden immer noch als Objekte zeigen und als kritische Akteure ignorieren.

Bezugnehmend auf Ihre Stellungsnahme vom 26. Januar möchten wir einiges richtig stellen: (mehr …)

Die Böll-Stiftung unter Druck

Sonntag, Januar 23rd, 2011

Die Heinrich Böll-Stiftung gerät vermehrt unter Druck, nachdem nun aufgrund des Protestbriefs zwei der Filmemacher ihren Beitrag zurück gezogen haben. „Wie viel Orient steckt in Israel?“Welt Online, 19. Januar 2011

Offener Brief an die Heinrich Böll-Stiftung

Mittwoch, Januar 12th, 2011

Die Heinrich Böll-Stiftung begeht leider eine Geschichtsfälschung / Offener Brief kritischer Juden und Israelis

Berlin, den 9.1.2011

Sehr geehrte Damen und Herren der Heinrich Böll-Stiftung,

Wir, Jüdinnen, Juden und Israelis, haben mit großer Freude vernommen, dass Sie ein Filmfestival über Israel Ende Januar 2011 in Berlin veranstalten. Dabei soll die Auseinandersetzung mit der Geschichte und sozialen Lage der Misrachi, also Jüdinnen und Juden, die aus arabischen bzw. muslimischen Ländern stammen, im Fokus stehen. Umso größer war unsere Entsetzen, als wir das Programm zu sehen bekamen.

Nicht nur, dass viele äußerst problematische Formulierungen in ihrem Flyer enthalten sind, wie beispielsweise „Orient“/„orientalisch“, oder dass der von Misrachi zur Selbstidentifikation selbst genutzte Begriff Misrachi in Anführungszeichen gesetzt wird. Auch fehlt das Wort Rassismus in ihrem Einführungstext gänzlich, obwohl der Rassismus gegen Araber, jüdisch wie nicht-jüdisch, die gesamte Debatte der Misrachi in Israel markiert. Ihre Wahrnehmung spiegelt sich auch in Ihrem Programm wider, in dem beispielsweise ein  Film, wie „Sallah Shabati“ (Regie: Ephraim Kishon) gänzlich ohne Diskussion gezeigt wird und damit rassistische Stereotype von (jüdischen) Arabern im Raum stehen gelassen werden.

Besonders signifikant ist zudem Ihre Aussage, Misrachi in arabischen Ländern wären „entweder von staatlicher Seite aus vertrieben oder von der muslimischen Bevölkerung bedrängt (worden), das Land zu verlassen“. Mit diesem Satz begehen Sie nichts weniger als eine Geschichtsfälschung –  mit der drastischen Folge, dass Sie Verbrechen gegen die Menschlichkeit verleugnen.

Sie werfen Misrachi auf eine undifferenzierte Art und Weise in einem Topf  zusammen, obwohl jede Gemeinde ein anderes Schicksal erlebte: (mehr …)