Posts Tagged ‘Fatah’

Der Zentralrat macht sich Sorgen um Mubarak

Sonntag, Januar 30th, 2011

Auf Handelsblatt.com warnt Charlotte Knoblochs Nachfolger Dieter Graumann davor, dass Ägypten ins Chaos verfällt und darum Israels „Sicherheit“ gefährdet sei. Das würde mir natürlich auch gleich als erstes einfallen, wenn tausende von Menschen gegen ein repressives, Jahrzehnte altes Regime aufbegehren. Die Situation in Ägypten zeige zudem, dass Israel als einzige Demokratie Stabilität für die Region bedeuten würde:

Angesichts der immer heftiger werdenden Proteste in Ägypten warnt denn auch der Zentralrat der Juden in Deutschland vor möglichen Konsequenzen für die Sicherheit Israels. „Generell vergrößern neue Instabilitäten in der Region die Risiken“, sagte der Präsident des Zentralrats, Dieter Graumann, Handelsblatt Online. Eine neue Hisbollah-Regierung im Libanon, der blutige Dauerkampf zwischen Hamas und Fatah, das sei schon schwierig genug. „Und Ägypten in Aufruhr – eine neue Unsicherheit.“ Um so mehr sei zu würdigen, „dass Israel eine stabile Oase der Demokratie in der Region ist“, so Graumann.1

Will heißen: Die Diktatoren in den Nachbarländern passen der rechten Regierung in Israel und anscheinend auch dem Präsidenten des Zentralrats besser, weil sie beim Siedlungsbau, bei der Annexion und Besatzung nicht so störend sind bzw. die gleichen Interessen verfolgen. Zum Beispiel indem sie Gaza abriegeln (Ägypten), den Flüchtlinge elementare Rechte vorenthalten (Libanon) oder die Mehrheit der Bevölkerung in Schach halten (Jordanien). Diese Staaten mit ihren mehr oder minder brutalen Regime haben ebenfalls ein Interesse an der Aufrechterhaltung der Situation im Westjordanland und Gaza, weil sie damit immer von der eigenen Repression ablenken können. Ägypten, Jordanien und (ja, auch) der Libanon ergänzten sich bisher ausgezeichnet mit Israel, wenn es darum ging Palästinenser unmittelbar oder mittelbar nieder zu halten.
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  1. „Ägypten-Unruhen stürzen Obama in ein Dilemma“Handelsblatt.com, 28. Januar 2011 []

Die „Palestine Papers“

Freitag, Januar 28th, 2011

Eine ausgezeichnete Zusammenfassung, worum es sich bei den durch Al Jazeera veröffentlichten „Palestine Papers“ handelt, bringt Spiegelfechter: „Die Palestine-Papers“

Schmok des Monats: Israels stellvertretende Außenminister Ayalon

Donnerstag, Januar 27th, 2011

Flötenspieler Karl Pfeifer ist ein großer Freund von Stellungnahmen der rechtsgerichteten Regierung unter dem guten alten Bibi Netanjahu. Am liebsten verbreitet er diese über seine Seite Die Jüdische. Ganz großes Kino kann man dort jetzt nach den Veröffentlichungen von Al Jazeera1 erleben, wenn man sich einmal so eine öffentliche Stellungnahme des israelischen Staates zu Gemüte führt. Jeder, der noch ein Fünkchen Verstand hat, wird die offene Verlogenheit und Ignoranz gegenüber den wirklichen Gegebenheiten sofort entdecken.

Ayalon lässt im Angesicht der vermehrten Anerkennungen Palästinas2 und der damit einhergehenden Aufwertung der palästinensischen Vertretungen im vielen Staaten3 voller Horror über seine Botschaften weltweit verbreiten:

„Leider sind diese einseitigen Deklarationen ohne Bedeutung und kontraproduktiv im Zuge der Verhandlungen. Vielmehr unterstützen sie eine Blase von Erwartungen die unter der palästinensischen Führung weiter wächst. […] Wir alle wissen, dass Blasen letztendlich platzen und es ist fahrlässig, zu solch einer unhaltbaren Politik beizutragen“.

Übersetzt: Frieden? HAHA, guter Witz. Warum sollten wir mit jemanden Frieden schließen, der keinerlei Gefahr für uns darstellt?! Oder doch nur eine Drohung? Der nächste Krieg Das nächste Massaker steht schon an? Also nicht enttäuscht sein, liebe palästinensische Führung, wenn wir einen Dreck auf eure Zugeständnisse geben, wenn uns der Frieden einfach nicht interessieren will. Da kann man uns sogar fast sämtliche Siedlungen um Jerusalem anbieten, und damit das größte jüdische Jerusalem, was es je gab.4 Interessiert uns alles nicht. Und einen Pfeifers Karl in seinem Alterswahn erst recht nicht. Man muss schon ziemliche Schläge auf den Kopf bekommen haben oder eine Menge Drogen nehmen, um das wirklich ernst zu meinen. Aber halt, kommt ja noch besser: (mehr …)

  1. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,741147,00.html; vgl. auch die Seite von Al Jazeera zu den sog. „Palestine papers: http://english.aljazeera.net/palestinepapers/ []
  2. Vor Perus hatten schon einge andere Staaten Palästina anerkannt. Vgl. „Abbas: Ecuador folgt Bolivien in der Anerkennung Palästinas“: http://amerika21.de/meldung/2010/12/18366/ecuador-palaestina []
  3. Vgl. dazu „Domino-Effekt erreicht Europa“: http://www.nai-israel.com/default.aspx?tabid=179&nid=22697 []
  4. Vgl. Mondoprinte „Das größte Jerusalem in der jüdischen Geschichte“: http://mondoprinte.wordpress.com/2011/01/24/das-groste-jerusalem-in-der-judischen-geschichte/ []

‚Gaza Youth‘ antwortet auf Kritik und falsche Liebe

Donnerstag, Januar 6th, 2011

Vor einigen Tagen veröffentlichte unter anderen Radio Chiflado das „Gaza Jugend Manifest für den Wandel!!“. Inzwischen hat selbst die taz nachgezogen. Das Manifest erregte inter­nationale Aufmerksamkeit, auch der Guardian berichtete darüber. Neben plötzlicher erweckter Liebe von Leuten, die sich sonst einen Dreck um das Leben von Palästinensern scheren, hagelte es vor allem auch von arabischer und muslimischer Seite Kritik. Darauf antwortet die ‚Gaza Youth‘ nun unmiss­verständlich:

Entstellt nicht unsere Rede!

Viele arabische/muslimische Aktivisten lehnen unsere Bewegung ab und betrachten uns als einen zionistischen Apparat, weil wir in dem Manifest – unter anderem – die Hamas angeprangert haben. Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, welche Abkürzungen der Verstand der Menschen nehmen kann und wie gut sie dabei sind zu verurteilen ohne auch nur den Versuch zu verstehen. Wir möchten alle an unser Ziel erinnern: Ja, wir sind frustriert und dessen müde, unterdrückt, getötet, gedemütigt und sogar noch davon abgehalten zu werden, das Land zu verlassen, um woanders zu studieren; ja, wir verurteilen die uns regierenden politischen Parteien, weil sie bei nichts geholfen haben, aber wir verurteilen sie ALLE, nicht nur die Hamas. Wir sind des Status quo MÜDE, von allen Seiten. Die politische Parteien hatten alle Zeit und Chancen, UM DIE WENDE ZU VOLLBRINGEN, aber wir haben davon noch nichts gesehen.

Wir sind NICHT für einen Staatsstreich, um es klar zu sagen. Wir sind junge Leute, die für die MENSCHEN arbeiten wollen, wir prangern das Elend an, in dem wir leben, wir verurteilen ihre Spalterei und lehnen ihren Kampf ab, weil sie uns nicht helfen. Aber mehr als Fatah und Hamas, die Palästinenser wie wir bleiben, verurteilen wir VOR ALLEM den Besatzer und seine Marionette, die Internationale Gemeinschaft, die Tag für Tag in ihrer Pflicht scheitert, Sanktionen gegen „Israel“ zu verhängen.

Unsere Anhänger, Leser und diejenigen, die uns bisher nicht unterstützen, sollten DIESE Botschaft im Gedächnis behalten: Wir haben EINEN Feind, den zionistischen Besatzer. Hoffentlich wird diese Aufforderung unsere politischen Führer aufrütteln, sie wecken und daran erinnern, dass sie für uns verantwortlich sind! Hoffentlich werden sie erkennen, dass das, was wir wollen, die EINHEIT und NICHT NOCH MEHR SPALTUNG ist, weil es die Auswirkungen des israelischen Terrorismus auf unser Leben noch schlimmer macht.

Unser Aufruf ist ein Aufruf zur SOLIDARITÄT, eine Aufforderung zur FRIEDLICHEN AKTION, wir strecken unsere Hände aus und warten auf EUCH, um die Bindung zu vervollständigen. Helft uns, nach einer besseren Lösung zu suchen, HELFT UNS, ES ZU SCHAFFEN!

Und bitte beachtet dabei: dem GYBO-Team [Gaza Youth Breaks Out; Schmok] ist untersagt worden, etwas auf der Facebook-Seite zu posten; wir möchten, dass ihr sie aufruft und die Seite mit eurer Liebe zu Palästina überflutet, so dass diejenigen, die unsere Botschaft fehlinterpretieren, Abschied von uns nehmen können.

Liebe und Respekt aus Gaza

– Abu Yazan

(Eigene Übersetzung des Originaltextes „Don’t distort our Speech!“)