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Warum gibt es eigentlich Checkpoints im Westjordanland?

Freitag, März 4th, 2011

Stephan Grigat, bekannt dafür, dass er Israel für zu liberal hält, zeigt in der aktuellen Jungle World 9/11 ganz viel Verständnis für die rassistische und nationalistische Politik der rechts-rechtsextremen Regierung unter Netanjahu. Während Israel den Wehretat erhöht, im eigenen Staatsgebiet und im Westjordanland Beduinendörfer abreißen und friedliche Proteste niederschlagen lässt, weitere Bauprojekte in Ostjerusalem genehmigt, im Zuge der sich immer mehr zuspitzenden Diskriminierung israelischer Palästinenser darüber diskutiert, mal eben Arabisch als Amtssprache abzuschaffen und selbst hart gesottenen Diplomaten die Sache langsam zu heftig wird1, macht sich Grigat natürlich nur Sorgen um die „Sicherheit“ der führenden Regionalmacht des Nahen Ostens. Was dieser Nationalismus sowohl auf eigener als auch auf der anderen Seite so anrichtet, ist diesem ignoranten Apologeten nicht ein Wort wert. Und während man sich fragt, warum Grigat gerade die israelischen Toten der für beide Seiten blutigen zweiten Intifada bemüht und  dabei einfach mal vergisst, dass drei mal so viele Palästinenser ums Leben kamen, anstatt einmal auf die Entwicklung der letzten Jahre zu blicken2, stellt er ganz nebenbei auch noch unschuldig fest:

Man fordert Israel auf, die Gelegenheit zu nutzen und endlich »Checkpoints und Belagerung« zu beenden, ohne überhaupt noch zu erwähnen, warum diese Checkpoints in der Westbank existieren.

Ja, warum existieren die Checkpoints in der Westbank denn, Herr Grigat? Warum geben sie uns denn nicht gleich die Antwort? Dienen sie vielleicht dem Landraub und dessen Verankerung, der Unterdrückung und Schikane, der Verhinderung einer prosperierenden Ökonomie oder dazu, den anhaltenden Siedlungsausbau und damit den jüdischen Bevölkerungstransfer in die besetzten Gebiete abzusichern? Oder allem zugleich? Nein? Wozu denn dann? Etwa nur der „Sicherheit“ Israels?

Um die Sache aber rund zu machen, offenbart Grigat auch noch anschaulich, worum es Leuten wie ihm eigentlich geht, wenn er sich für die iranische Opposition einsetzt:

Dabei wäre sein [Ahmadinedschads; Anm. Schmok] Sturz eine gute, wenn auch sicher nicht hinreichende Versicherung, dass der arabische Frühling nicht zu einer Intifada gegen Israel verkommt […]

Dies zeigt umso mehr, dass sich die in Deutschland lebenden oppositionellen Iraner fernhalten sollten von so verkommenen Typen wie Grigat und Konsorten. Denn Leute wie er unterstützen den Kampf gegen repressive Regime immer nur, wenn es ihrer Projektionsfläche dient. Andernfalls ist ihnen ein Regime, das nicht nur Linke und Kommunisten unterdrückt, wie das Mubaraks oder jenes der Sauds sehr willkommen, wenn es bloß den gleichen Zweck erfüllt: Israel die Stange zu halten. Kotzt so ein widerlicher nationalistischer, rassistischer und auch antisemitischer Dreck eigentlich keinen der Käufer des Berliner Schmierblatts an?

  1. Das ist nur eine kleine Auswahl der vielen Vorfälle, die täglich in Israel und in den besetzten Gebieten stattfinden. Es lohnt sich öfters einen Blick auf http://theheadlines.org zu werfen []
  2. Und dabei fehlen 1400 Tote während der Operation „Gegossenes Blei“ []

Checkpoint – Machssomim (2003)

Donnerstag, Mai 27th, 2010

Das Thema ist und bleibt aktuell. Der Film von Yoav Shamir zeigt den ebenso banalen wie harten Alltag an den Grenzkontrollpunkten zwischen Israel und Palästina. Täglich können die israelischen Grenzsoldaten ihre Besatzerrolle ausspielen und ihre Macht genießen, wenn Palästinenser die Kontrollpunkte passieren wollen, um zur Arbeit oder zum Arzt zu gehen. Andererseits sind sie trotz schwerster Bewaffnung nie sicher vor terroristischen Anschlägen.

Die West Bank und der Gaza-Streifen werden seit 1967 vom israelischen Militär kontrolliert. Täglich müssen Tausende von Palästinensern die Kontrollpunkte passieren, wenn sie zur Arbeit oder zum Arzt müssen, Verwandte besuchen oder einfach nur wieder nach Hause wollen. Angesichts der Gefahr von Terroranschlägen sind die Soldaten an den Checkpoints schwer bewaffnet, die Kontrollen streng. Die Nervosität der Grenzer ist spürbar. Manche fühlen sich in ihrer Besatzerrolle sichtlich unwohl. Andere genießen ihre Macht, und so kommt es Tag für Tag zu Schikanen gegenüber den Palästinensern. Sie müssen stundenlang im Regen warten oder werden ohne Begründung heimgeschickt. Es sind oft persönliche Faktoren, die den Ausschlag geben, ob sie hinübergehen dürfen oder nicht. Diese Begegnungen zwischen den israelischen Soldaten und der palästinensischen Bevölkerung haben tief greifende politische und gesellschaftliche Auswirkungen. Sie vertiefen den Graben auf beiden Seiten.

Zwei Jahre lang filmte Yoav Shamir an den Checkpoints um die Städte Nablus, Jenin und Ramalah. Ohne jemanden zu denunzieren, zeigt „Checkpoint“ die oft banale und meist harte Realität – vor und hinter den Absperrungen. (Quelle: Israel-Palästina)