Archiv für das 'Blockade'-tag

Weiss über den Aufbruch des amerikanisch-jüdischen Mainstreams

Manch einer könnte behaupten, Weiss würde sehr übertreiben, wenn er den Wandel innerhalb des amerikanischen Judentums in Bezug auf Besatzung, Rassismus und Siedlungsbau dermaßen positiv zeichnet. Dennoch sind die zunehmenden kritischen Stimmen bemerkenswert: “The lobby has been broken because… Israel isn’t good for the Jews” – Mondoweiss, 10. Januar 2011

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Bucherscheinung zum Überfall auf die Gaza-Flotte

Vor einigen Tagen erschien Midnight on the Mavi Marmara, herausgegeben von dem am Brooklyn College lehrenden Professor Moustafa Bayoumi. Das Buch umfasst 48 Beiträge auf mehr als 300 Seiten in sechs Kapiteln. Teilwiese handelt es sich um neue, exklusive Artikel, aber ebenso wurden auch längst veröffentlichte ausgewählt. Das Buch versucht einerseits eine Gesamtbetrachtung der Geschehnisse sowie des Hintergrundes des Angriffs und der Blockade zu geben und gleichzeitig aufzuzeigen, wie sich durch diese Aktion der Blick der Öffentlichkeit auf den palästinensisch-israelischen Konflikt veränderte. So fasst Kapitel 1 die Geschehnisse auf der sog. Solidaritätsflotte zusammen, Kapital 2 analysiert den Hintergrund des israelischen Angriffs. Kapitel 3 und 4 drehen sich um die Blockade Gazas und um die gesellschaftliche Lage Israels. Im 5. Kapitel wird vor allem die Kampagne gegen die IHH betrachtet.

Die Beiträge stammen zumeist von  palästinensischen und jüdischen Autoren wie Haneen Zoabi, Omar Barghouti, Gideon Levy, Amira Hass, Rashid Khalidi, George Bisharat, Norman Finkelstein oder auch Noam Chomsky und Philip Weiss und Adam Horowitz (Betreiber  der Seite Mondoweiss). Aber auch andere wie Stephen M. Walt oder Iara Lee,  die  selbst an Bord der Mavi Marmara war und deren herausgeschmuggelten Aufnahmen die Behauptung Israels widerlegten, man sei unerwartet ohne vorherige Provokation von einem gewaltbereiten Mob angegriffen worden, kommen zu Wort. Wichtig ist dieses Buch vor allem, weil in fast allen Ländern palästinensische Stimmen zu den Geschehnissen totgeschwiegen werden. Bestes Beispiel dafür ist die gerade stattfindende Israel-Debatte in der taz.

Das Buch kann bei OR Books in den Staaten über Paypal bestellt werden und kostet mit Versand 18,30 Euro. Die Versanddauer beträgt ca. 1-2 Wochen.

Nachtrag zu Uribe

Nachtrag: Carmen Andrea Rivera und Nico Udu-gama geben bei Mondoweiss einen Überblick, warum Uribe die Untersuchung gefährdet: “Uribe appointment undermines U.N. flotilla investigation” – Mondoweiss, 03. Ausgust 2010

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Nadia Hijab über die gegenwärtige Blockade Gazas

Eine bessere Blockade

Von Nadia Hijab, erschienen am 05.07.2010 auf Counterpunch.1

Nachdem sich Israels Sicherheitskabinett stundenlang eingeschlossen hatte, tauchte es schließlich auf, um eine Lockerung der Blockade des Gazastreifens  zu verkündigen; es war ein Schritt, den die USA sofort gut hieß. Israel und die USA hoffen so, die Wut der Welt über die Kollektivstrafe über 1,5 Millionen dort lebende Palästinenser zu  entschärfen und  zukünftige Flotillen zu verhindern, die versuchen, die Belagerung zu durchbrechen.

Wird es ihnen gelingen? Man ist versucht, zu denken, die flagrante Illegalität, unbewaffnete Menschenrechtsaktivisten auf  offener See anzugreifen, muss zu einem Ende der Blockade führen. Doch der palästinensische Analytiker Mouin Rabbani hat  vor Optimismus gewarnt. Er stellte fest, dass nach dem Horror von Israels Angriff auf den Gazastreifen  2008/09  die Blockade nicht nur gehalten wurde, sondern noch enger gezogen wurde.

  1. http://www.counterpunch.org/hijab06292010.html []

David Grossmann: “Mit der Hamas verhandeln”

David Grossmann veröffentlichte am Donnerstag im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Kommentar zur Dauerhaften Weigerung Israels mit der Hamas in Verhandlungen zu treten. Mir fehlt im Moment die Zeit diesen und andere Artikel zu kommentieren. Aber vielleicht entwickelt sich ja eine kleine Diskussion um diesen Beitrag von Grossmann. “Neinsagen ist keine Politik”FAZ, 08.07.2010

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1:0 für Netanyahu

Der ehemalige AIPAC-Redakteur MJ Rosenberg kommentiert das letzte Treffen zwischen Obama und Netanyahu in Washington: “Netanyahu 1; Obama 0” – TPM, 07.07.2010

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MondoPrinte: Israels Gaza-Politik ist gescheitert

MondoPrinte über Gaza,  Parteinahme und schwimmende Hilfscontainer : “Israels Gaza-Politik ist gescheitert. Da können Gessler und Memri schreiben, was sie wollen!“, 02.07.2010.

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Israel lockert die Blockade – aber nur auf englischer Sprache

Die Presse ist im Moment voll davon: Aufgrund internationalen Drucks will Israel angeblich die Blockade des Gazastreifens umfassend lockern. Es soll also mehr geschehen, als nur eine Überprüfung der Güter, die nach Gaza geliefert werden dürfen. Bei der Lockerung geht es vor allem auch um Waren- und Güterverkehr aus Gaza heraus. Ob dies nun eine Hinhaltetaktik darstellt oder ernst gemeint ist, das wird sich erst noch zeigen. Man erinnere sich: Ein beliebter und dabei nicht ganz ungerechtfertigter Vorwurf an die palästinensische Führung war stets, dass diese zwar auf Englisch gute Miene zum bösen Spiel machte, aber auf Arabisch ganz anders daher redete. Doppelzüngigkeit wurde dies auch gerne genannt. Was Arafat und Co. können, schaffen Netanjahu und Konsorten allerdings schon lange:

The Prime Minister’s Office issued a press release in English following the meeting, which was also sent to foreign diplomats, was substantially different than the Hebrew announcement – according to the English text, a decision was made to ease the blockade, but in the Hebrew text there was no mention of any such decision.

[...]

Two official statements came out of the Prime Minister’s Office in regard to the security cabinet meeting – one in Hebrew for the Israeli media and another in English for the foreign media and foreign diplomats. The English version said that “It was agreed to liberalize the system by which civilian goods enter Gaza [and] expand the inflow of materials for civilian projects that are under international supervision.” The Hebrew version addressed mainly remarks made by Netanyahu, but failed to mention any decision or agreement. (Haartez, 17.06.2010)

Man darf gespannt sein. (via Beijing International Peace Vigil)

Gaza: Der böse, böse Nachbar

Der ehemalige Delegierte der jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holsteins im Zentralrats-Direktorium Rolf Verleger schrieb vor mehr als einem Jahr einen Artikel, der darlegen sollte, was von dem Argument zu halten sei, dass der israelische Staat sich lediglich gegen eine Bedrohung durch die Hamas wehre, wenn er auf den Kassamraketenbeschuss mit einem Massaker reagiere. Gleiche Argumente wurden auch nach dem Blutbad gegen die Aktivisten der “Freedom Flotilla” in Anschlag gebracht. Darum hat dieser Text im Großen und Ganzen nichts an Aktualität verloren:

Gaza: Der böse, böse Nachbar

Von ROLF VERLEGER, 5. Januar 2009

Was würden Sie tun – so schrieb am 31.12. [2008, Anm. Schmok] die israelische Geschichtswissenschaftlerin Prof. Fania Oz-Salzberger in der FAZ – wenn Ihr Nachbar immerzu Steine und Molotowcocktails auf Ihre Wohnung wirft? Würden Sie nicht irgendwann zum Gewehr greifen, um diesem Treiben ein Ende zu machen? Und wenn sich der Nachbar mit seinen Kindern umgibt, damit Sie ihn nicht treffen, würden Sie dann nicht irgendwann ein Gewehr mit Zielfernrohr nehmen?
Just so wie dieser Nachbar verhalte sich die Hamas in Gaza, wenn sie israelische Städte mit ihren Sprengstoffraketen beschieße. Daher sei der jetzige Krieg Israels gegen Gaza ein gerechter Krieg.

Ich bin Frau Oz-Salzberger für dieses Beispiel mit dem Nachbarn sehr dankbar. Denn daran kann man vieles anschaulich klarmachen. Nennen wir der Einfachheit halber Sie und Ihre vom bösen Nachbarn so gemein terrorisierte Familie die Hausbesitzer und betrachten nun die merkwürdigen Verhältnisse im Wohnblock. Die Nachbarswohnung ist Gaza.

1) Sie haben vor drei Jahren dem Nachbarn die Schlüssel abgenommen

Ohne Ihre Zustimmung als Hausbesitzer darf die Nachbarsfamilie nicht aus ihrer Wohnung heraus, weder zum Arbeiten noch zum Studieren noch zum Verreisen noch zum Einkaufen. Ohne Ihre Zustimmung als Hausbesitzer bekommt der Nachbar keine Post, nichts zu essen, keinen Strom, kein Gas und keinen Besuch: Die Wohnung ist abgeschlossen, Sie als Hausbesitzer haben den Schlüssel, und der böse, böse Nachbar ist eingeschlossen. Und zwar seit 2006, seit fast drei Jahren.
Da bekam der böse, böse Nachbar eine Wut.

Der Fehler des bösen, bösen Nachbarn und seiner Freunde im anderen Wohnblock: Diese Leute haben die falsche Partei gewählt.

Dabei waren Sie doch so nett zu dem Nachbarn gewesen, dass Sie vor vier Jahren, 2005, freiwillig von seinem Balkon mit Seeblick ausgezogen waren, den Sie ihm mal früher abgenommen hatten. Allerdings eines Blickes oder Wortes gewürdigt hatten Sie diesen Typen bei Ihrem Auszug natürlich auch nicht. Und die Balkonmöbel haben Sie demoliert. Wo kommen wir denn da hin, wenn wir mit unseren Nachbarn reden würden?
Da bekam der böse, böse Nachbar eine Wut.

Düstere Tage für sephardische und arabische Israelis

In Jerusalem wollen 20.000 Orthodoxe für die Trennung von Ashkenazim und Mizrahim (auch Sephardim genannt) beim religiösen Unterricht demonstrieren. “Jerusalem police gird for 20,000-strong ultra-Orthodox protest” – Haaretz, 17.06.2010;

Patrick Martin schreibt über die arabische Knessetabgeordnete und “Verräterin” Hanin Zoaby. “Arab Israeli the most hated person in Israel” – The Globe and Mail, 13.06.2010

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Noteworthy

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Moshe Zuckermann über das Umschlagen eines emanzipatorische Impulses in sein schieres Gegenteil: “Verquere Debatten – Wider den Zeitgeist. Über Juden, Deutsche, den Nahostkonflikt und Antisemitismus”junge welt, 10. Oktober 2012.

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Leute wie Samuel Salzborn oder die Meute von der Jungle World mögen Linke oder Kommunisten jüdischer Herkunft nur, wenn sie unter der Erde liegen. Ansonsten schweigen sie sich über diese aus oder beschimpfen sie auch des öfteren als Antisemiten.

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Eine gute Übersicht über die Sackgasse Zweistaatenlösung und UN-Anerkennung: “Die palästinensische Autonomiebehörde steckt in der Falle”taz, 28. September 2012.

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Tsafir Cohen rezensiert eines »der bedeutendsten Bücher über Israel/Palästina in dieser Generation« (New York Review of Books), herausgegeben von der israelischen Organisation “Breaking the Silence”: “Das Schweigen brechen”junge welt, 11. September 2011.

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Was machen und wie geht es palästinensischen Flüchtlingen in Syrien? Einen kurzen Überblick gibt Fabian Köhler: “Krieg in der Diaspora – Auch Syriens Palästinenser wollen kämpfen, aber nicht gegen Assad”Neues Deutschland, 15. August 2012.

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