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„Israel und die Bombe“ – Eine neue Rechtfertigung für den Sechstagekrieg

Dienstag, August 7th, 2012

Vor einiger Zeit zeigte Arte in Koproduktion mit dem ZDF die Dokumentation „Israel und die Bombe – Ein radioaktives Tabu„. Darin zeichnet der Filmemacher Dirk Pohlmann nicht nur die Entwicklung der israelischen Atomwaffen nach, sondern malt auch ein Bedrohungsszenario für die  restliche Welt:  Unterstützt von Frankreich, Großbritannien und auch Deutschland bastelte Israel einige Jahre an seinen Atommeilern herum, um atomwaffenfähiges Material anreichern zu können. Im Jahre 1967 sei die erste Atomwaffe fertiggestellt gewesen. Die perfekte Abschreckung gegen jegliche Gegner, die vor haben könnten, Israels Existenz zu gefährden. Und gleichzeitig das Mittel, um jeden unnachgiebigen Gegner, weltweit, bedrohen zu können.

Eine ganz große Verschwörung

Aber weniger der aktuelle politische Konflikt mit dem Iran und die Undurchschaubarkeit der Atompolitik Israels – Grass lässt grüßen – weckte meine Aufmerksamkeit. Vielmehr war die Dokumentation gespickt mit Verschwörungstheorien und Andeutungen: der frischgebackene Präsident Frankreichs, General de Gaulle, hätte sich gegen einen konspirativ wirkenden „Club“  in den eigenen Reihen durchsetzen müssen, als er entdeckte, dass Frankreich atompolitisch eng mit Israel zusammenarbeitete und er dies daraufhin beenden wollte. Nach Kennedys Ermordung sei die amerikanische Zusammenarbeit mit Israel verstärkt worden: Kennedy hätte vor seiner Ermordung Israel noch jegliche Wirtschaftshilfe streichen wollen, während sein Nachfolger Lyndon B. Johnson sehr israelfreundlich gewesen sei. Und: Während des Sechstagekriegs hätten die USA sogar Kairo mit taktischen Nuklearwaffen angreifen wollen.1

Neben diesen Andeutungen und unterstellten Verschwörungen wird ganz am Rande aber auch eine neue Version der Rechtfertigung des Sechstagekriegs abgespult. Erinnern wir uns: Im Juni 1967 griff Israel präventiv, so heißt es, Jordanien, Syrien und Ägypten an und eroberte die Sinai-Halbinsel, Gaza, das Westjordanland inklusive Ostjerusalem und die Golanhöhen. Nachdem jahrzehntelang die populärwissenschaftliche Geschichtsschreibung behauptete, Israel habe sich nur präventiv gegen seine Vernichtung verteidigt, wurde dies nach Öffnung der IDF- und Staatsarchive vor allem durch die neuen Historiker grundlegend angezweifelt und widerlegt.2

Zeit für eine neue Rechtfertigung. Trotz der heute objektiveren Betrachtung dieses Konflikts schaffen es manche Propagandaschriften noch immer, hoch in den Bestsellerhimmel aufzusteigen, und werden sogar oft von Universitätsverlagen veröffentlicht oder durch den akademischen Betrieb gelobt. In der Dokumentation „Israel und die Bombe“ kommen dann unter anderen auch die beiden Autoren Isabella Ginor und Gideon Remez zu Wort.  In ihrem 2007 erschienen Buch Foxbats over Dimona: The Soviets‘ nuclear gamble in the Six-Day War behaupten sie, 1967 sei der Höhepunkt einer sowjetischen Verschwörung zur Zerstörung des israelischen Atomwaffenprogramms gewesen. Diese Verschwörung wäre der wirkliche Grund für den Sechstagekrieg. Aber nicht nur das. Auch die Araber, die Israelis und die USA hätten in den letzten 40 Jahren versucht, diese Verschwörung zu vertuschen.

Der sowjetische Plot

Das Hauptargument der beiden ist dann auch, dass die Sowjetunion in den 60ern panisch darüber wurde, Israel könne atomwaffenfähiges Material in ihrem Reaktor Dimona produzieren. Es habe den Sowjets und ihren arabischen Verbündeten jedoch an einem legitimen Grund gefehlt, Israel angreifen zu können und das Atomwaffenprojekt zu zerstören. Die Sowjets hätten daher gewollt, dass Israel zuerst die arabischen Staaten angreife, damit diese und die UdSSR dann in einem Gegenangriff den Reaktor zerstören könnten. Weil Israel der Aggressor gewesen wäre, hätte die USA dann still halten müssen. Alles lief nach Plan. Aber am 5. Juni vereitelte Israels Überraschungsangriff jede Möglichkeit, das Unternehmen erfolgreich zu beenden. Israel hatte sich  gemäß der beiden Autoren demnach nur gegen die UdSSR und die arabischen Staaten gewehrt, als es Ägypten, Syrien und Jordanien angriff.

Eindeutige Beweise bzw. „smoking guns“, wie die sie es selbst nennen, haben die beiden Autoren indes nicht. Sie interpretieren und kontextualisieren nach eigener Aussage lediglich Indizien, um die Theorie über eine sowjetische Verschwörung zu stützen. Man merkt schon: da kommt eine strenge Beweisführung auf einen zu. Auffällig sei, so Norman Finkelstein, dass keiner der Beteiligten, weder die Araber nach dem gescheiterten Plot noch ehemalige sowjetische Kommunisten nach 1989, als die Sowjetunion implodiert war, hervortrat und diese Verschwörung offenlegten Auch bringen die beiden Autoren keinen Grund, warum Israel und die USA diese „Verschwörung“ bis heute decken sollten.

Finkelstein widmet sich in seinem neuesten Buch Knowing too much – Why the American Jewish Romance with Israel Is Coming to an End3 in mehreren Kapiteln aktuellen pro-israelischen Propagandaschriften, die gänzlich dem Stand der Wissenschaft widersprechen. Neben Publikationen von Michael Oren, dem israelischen Botschafter in Washington4, Dennis Ross, dem ehemaligen Chefunterhändler der USA im Nahen Osten5, und anderen, nimmt er sich in einem kürzeren Kapitel auch das Werk von Remez und Ginor vor und stellt das Ergebnis sogleich voran: Nicht einen Beweis könnten die beiden Autoren für ihre Behauptung vorbringen.6

Leere Fußnoten

Beispiele für die „Kontextualisierung“ der beiden Autoren bringt Finkelstein en masse:  Da Kommunisten immer das Gegenteil von dem meinen, was sie sagen, musste die Aussage des Außenministers Andrei Gromyko an die Adresse Abba Ebans sehr ernst genommen werden: „Weil Israel nicht vor hat, die UdSSR zu umzingeln, hat die UdSSR keinen Grund, Angst vor Israel zu haben oder Feinschaft gegenüber Israel zu hegen.“

Schritt für Schritt dekonstruiert Finkelstein das Buch der beiden Autoren Ginor und Remez.7 Der Beweis für die sowjetische Verschwörung, so die beiden, sei vor allem, dass es keinen Beweis gebe. Gerade so sensible militärische und politische Entscheidungen würden sich in keinen Dokumenten wiederfinden. Zurecht fragt Finkelstein, warum sie nicht einfach leere Blätter als Fußnoten angegeben haben.

Nachdem 1966 eine radikale Fraktion in Syrien die Macht übernommen hatte, hätte Syrien auf Geheiß des Kreml Israel der Aggression beschuldigt, um einen eventuellen militärischen Konflikt zur Beendigung des israelischen Atomwaffenprogramms zu nutzen. Die Realität sah jedoch genau so aus, wie von Syrien behauptet. So zeigte neben vielen anderen8 der israelische Militäranalyst Zeev Maoz, dass Israels andauernden Grenzüberschreitungen und Angriffe auf syrisches und jordanisches Territorium den Konflikt, der im Sechstagekrieg mündete, maßgeblich anheizte.

Im April 1967 kam es zu einem weiteren Grenzkonflikt zwischen Israel und Syrien, bei dem Israel sechs syrische MiGs abschoss und israelische Kampfflugzeuge über Damaskus kreisten. Laut den beiden Autoren sei dies alles durch die Sowjets initiiert worden. Nach Aussage Moshe Dayans wurden solche Grenzkonflikte, die in diesem Fall in einem Luftgefecht endeten, jedoch routinemäßig durch Israel veranlasst.9 Schon im Mai 1967 wollte Israel Syrien angreifen10, die Sowjets bekamen jedoch Wind von diesem Plan und warnten Ägypten und Syrien. Infolgedessen waren die Zeitungen in den USA und Europa voll von Artikeln über die israelischen Drohungen gegen Syrien.11 Die Frage war also nicht, ob Israel Syrien angreifen würde, sondern wann.

Worauf sich alles stützt

Ihr Hauptaugenmerk richten die beiden Autoren in ihrem Buch auf angebliche Spionageflüge der Sowjets über der Atomanlage Dimona. Diese Behauptung wird dann von Pohlmann kritiklos in der Dokumentation „Israel und die Bombe“ reproduziert. Kurz vor Ausbruch des Kriegs hätten sowjetische MiG-25, sog. „Foxbats“ (dt.: Fuchsfledermäuse) die israelische Atomanlage überflogen. Diese Spionageflüge würden die Theorie der sowjetischen Verschwörung stützen. Denn sie hätten die UdSSR nicht mit Informationen versorgen,12 sondern laut der Autoren Israel so sehr provozieren sollen, dass es endlich einen Präventivangriff starten würde. Seltsamerweise jedoch wisse Israel bis heute nichts von den Flügen, da der Kreml dies erfolgreich geheim gehalten habe. Aber was nicht bekannt gewesen ist, konnte doch auch nicht provozieren, oder?

Doch angenommen, solche Flüge hätten Israel tatsächlich provozieren können: Haben sie überhaupt stattgefunden? Die beiden Autoren fokussieren sich auf den sowjetischen Piloten Aleksandr Vybornov. Dieser sei vom Kreml abgestellt worden, um die Intervention gegen Israel zu führen. Er soll auch eine der Foxbats über Dimona geflogen haben, die die Krise zum Überkochen bringen sollten. Das Problem dabei ist nur, dass Vybornov erst nach dem Krieg in Ägypten eintraf. Es ist zwar bekannt, dass sowjetische Piloten nach dem Sechstagekrieg 1967 in Ägypten stationiert wurden und an Missionen teilnahmen. Es gibt jedoch bisher keinen Beweis, dass dies auch schon vor dem Ausbruch des Kriegs geschah.

Vybornov soll laut Remez und Ginor den israelischen Angriff auf die ägyptische Luftwaffe selbst miterlebt und darüber hinaus über seine dortigen Erfahrungen, die zum Krieg im Juni 1967 führten, mit einem amerikanischen und einem israelischen Offizier gesprochen haben. Beide „Zeugen“ (ein amerikanischer Oberstleutnant und ein israelischer Brigadegeneral) konnten die Behauptung jedoch nicht stützen. Der Israeli Nachumi mailte Finkelstein, dass er zwar mit Vybornov gesprochen habe, aber nicht über den Sechstagekrieg. Und der Amerikaner McFarland gab gegenüber Finkelstein an, dass er sich nicht daran erinnere, über welche Zeit (vor oder nach dem Juni-Krieg) Vybornov gesprochen habe.

Wichtiger jedoch ist, dass Vybornov selbst alle Behauptungen der beiden Autoren widerlegt, indem er 2008 gegenüber Finkelstein angab, dass er an keiner Mission vor dem Krieg im Juni 1967 beteiligt war; dass weder er und noch ein anderer sowjetischer Pilot eine MiG über Dimona geflogen habe; dass er kein Augenzeuge eines israelischen Angriffs auf ein ägyptisches Flugfeld gewesen sei und dass er selbst erst im Juli 1967 nach Ägypten kam, um ägyptische Piloten darin auszubilden, MiG-17, MiG-21 und Su-7 zu fliegen.

Nur mies recherchiert?

Angeblich wüssten sowohl auch die USA von den sowjetischen Überflügen, aber auch sie habe bis heute nie einen Ton darüber verloren. Die These des gesamten Buches stützt sich aber gerade auf diese Spionageflüge, die anscheinend nie stattfanden. Sogar eine amphibische Invasion und einen Nuklearschlag soll die UdSSR gegen Israel geplant haben. Ja selbst der israelische Angriff auf die U.S.S. Liberty soll Fingerabdrücke der UdSSR besitzen. Und so geht die Behauptung, Israel habe mit dem Sechstagekrieg lediglich auf eine sowjetische Bedrohung gegenüber dem israelischen Atomwaffenprogramm reagiert, unhinterfragt in die Dokumentation „Israel und die Bombe“ ein. Wieder einmal haben Arte und die ZDF-Reihe History gezeigt, wie seriös sie sein können.13

http://www.youtube.com/watch?v=46YHQUW11fA

 

  1. Ich will nicht behaupten, dass die Fakten und Behauptungen gänzlich unrichtig sind. Es mag durchaus viel Wahrheit an den Beispielen und behaupteten Ereignissen sein. Die Hintergrundstory zu den Atomwaffen selbst mag durchaus korrekt sein.  Aber darum soll sich dieser Beitrag hier auch nicht drehen. []
  2. Vgl. dazu Tom Segev: 1967 – Israels Zweite Geburt und Benny Morris: Righteous Victims – A History of the Zionist-Arab Conflict, 1881 – 2001. []
  3. Die Kernaussage des Buches ist, dass die überwiegend liberalen amerikanischen Juden sich immer weiter von Israel wegbewegen, weil sie die aggressive Innen- und Außenpolitik des Staates – insbesondere den Siedlungsbau und die Menschenrechtsverletzungen vor allem gegen die Palästinenser – nicht mehr rechtfertigen können und wollen. []
  4. Michael Oren – Six Days of War: June 1967 and the making of the modern Middle East []
  5. Dennis Ross – The Missing Peace: The inside story of the fight for Middle East peace []
  6. Norman G. Finkelstein: Knowing too much – Why the American Jewish Romance with Israel Is Coming to an End – Kapitel 8, Seite 183 – 201. []
  7. Es wäre müßig, jede einzelne Aussage der beiden und deren Widerlegung aufzuschreiben, darum bleibe ich bei den Kernpunkten. []
  8. Zu nennen wäre hier auch  der ehemalige Außenminister Shlomo Ben-Ami []
  9. Maßgeblich für die Eskalation war auch ein völlig unverhältnismäßiger israelischer Angriff auf das jordanische Dorf Samua im November 1966, bei dem 18 jordanische Soldaten und Zivilisten getötet und 125 Häuser des Dorfes gezielt zerstört wurden. Und das alles trotz der streng verfolgten jordanischen Politik, palästinensische Kämpfer vom Übertritt der Grenzen abzuhalten. []
  10. Auch hier kam es zu immer heftigeren Kämpfen vor allem in der demilitarisierten Zone, da Israel vielfach versuchte, die Zone zu entvölkern und dann die Grenze zu eigenem Gunsten neu zu ziehen. []
  11. Vgl. u.a. die Titelseite der New York Times vom 12. Mai 1967: „Israel erwägt Militärschlag gegen Syrien“; Le Monde schrieb in einem Leitartikel, es sei „nur eine Frage der Zeit“, bis Israel Syrien angreife. []
  12. Nach Aussage der Autoren waren die Sowjets durch ihre Spione völlig im Bilde, was in Dimona abläuft. []
  13. Zur Ehrenrettung des Filmemachers Pohlmann muss gesagt werden, dass nicht nur er da einem riesigen „hoax“ auf den Leim gegangen ist. Finkelstein bringt zur Belustigung der Leser am Ende des Kapitels ein Dutzend Kurzrezensionen – von Lawrence Freedman (Foreign Affairs) über Daniel Pipes (New Yorks Sun) oder Mark N. Katz (Middle East Journal) bis Benny Morrris (New Republic) – die alle das Buch in höchsten Tönen loben…was kein gutes Licht auf die Lobenden wirft. []

Arte zeigt: „The Promise“ – Wuliger schreit auf

Donnerstag, April 19th, 2012

Arte zeigt heute ab 20.15 Uhr die ersten beiden Teile der britischen TV-Serie „The Promise – Gelobtes Land“ (Anm.: Die ersten beiden Teile sind noch eine gewisse Zeit online zu sehen, siehe unten; die anderen werden nach dem zweiten Sendetermin ebenfalls online anzuschauen sein). In seinem Vierteiler lässt der Regisseur Peter Kominsky die fiktive junge Engländerin Erin mit ihrer zum Wehrdienst einberufenen Freundin Eliza nach Israel reisen, wo sie tief in den dortigen Konflikt und die Besatzung verwickelt wird.

Die Geschichte springt hin und her zwischen ihrem Besuch in Israel und dem Jahre 1948, als ihr Großvater als junger Soldat im damaligen Mandatsgebiet stationiert war. Wer den Inhalt genauer erfahren will, sollte einfach  das Programm bei Arte lesen. Das muss ich hier nicht alles wiedergeben. Interessant ist da doch eher die Reaktion der hiesigen Presse.

Michael Wuliger stimmt in der Jüdischen Allgemeinen heftige Töne gegen die Serie an und meint sogar eine Geschichtsfälschung auszumachen:

Im arte-Programmheft heißt es, Regisseur Kosminsky habe acht Jahre lang in Archiven und vor Ort für die Produktion recherchiert. In der Tat lassen sich praktisch alle Szenen mit dokumentierten Fakten belegen. Die Perfidie liegt in der Auswahl. Der von beiden Seiten geführte Krieg 1948 wird dargestellt als Angriff einer jüdischen Übermacht auf unbewaffnete Araber; von den palästinensischen Massakern an Juden vor 1948 ist nur in einem einzigen Halbsatz einmal die Rede; aktuell kommt ebenfalls nur einmal am Rande ein Selbstmordanschlag vor.

So müsste man ihn doch zumindest einmal von den Fakten her auf folgendes hinweisen:

Der Film spielt im Jahre 1948. Also weit ab der Massaker an Juden. Sie sind schlicht und einfach nicht das Thema. Und ja, es gab  ein Übermacht auf  israelischer Seite. 36.000 jüdische Soldaten (Haganah, Palmach, Irgun) standen bis Mai 1948 ca. 3000 schlecht bewaffneten und versprengten Palästinensern und einigen Freiwilligen gegenüber.  Ab Mai 1948 waren es dann schon 42.000  jüdische Soldaten gegen 28.000 schlecht ausgebildete und auch schlecht motivierte arabischen Soldaten, die bis dahin an an den Grenzen zum britischen Mandatsgebiet standen, ohne gegen die anhaltende Vertreibung anzugehen. In diese 28.000 Soldaten  inbegriffen sind die durch ein Geheimabkommen zwischen dem jordanischen König und der Führung unter Ben Gurion neutralisierten jordanischen Truppen. Zum Ende des Krieges hatte die IDF eine Stärke von 115.000 Soldaten, die arabische Seite 55.000. Davon waren alleine 18.000 Jordanier, die  zumindest bis zum Angriff der IDF auf Stellungen im heutigen Westjordanland Däumchen drehten, als die israelische Einheiten die anderen arabischen Truppen ungestört überrannten.

Zumindest zu Beginn war es demnach wirklich eine Übermacht jüdischer Truppen gegen fast unbewaffnete Araber, auch wenn sich das Verhältnis später auf „lediglich“ 2:1 zugunsten der israelischen Truppen veränderte. Nicht umsonst konnten die jüdischen Verbände fast ungestört bis zum 3.Mai 1948, also noch vor der Gründung Israels und dem Angriff der arabischen Nachbarstaaten, bis zu 250.000 Palästinenser vertreiben (Januar bis Mai 1948). Erst danach marschierten die arabischen Einheiten über die Grenze. Die weiteren Vertreibungen wurden übrigens sogar während der Waffenruhen (11. Juni – 8 Juli und 18. Juli – 15. Oktober 1948) fortgesetzt und hielten bis zur Waffenruhe mit Ägypten (Februar 1949) an.

So viel zu den Fakten, die ein jeder in den verschiedenen Standardwerken wie  beispielsweise von Benny Morris oder bei Tom Segev nachlesen kann. Aber Michael Wuliger meint hier scharfe Kritik üben zu müssen:

Damit ist die Grenze von der selektiven Wahrnehmung zur Geschichtsfälschung überschritten.

Die Geschichtsfälschung, Herr Wuliger, kam die letzten Jahrzehnte wohl eher von der anderen Seite und ihren vermeintlichen „Freunden“. Auch wenn sie diesen Film nur „14 Tage nach dem Grass-Gedicht“ als „das zweite mediale anti-israelische Großereignis der Saison“ betiteln: die gespielte oder echte Empörung ändert nur wenig an der Richtigkeit der Darstellungen. Und auch das durch den Regisseur gewählte Verhältnis an gegenseitiger Gewalt entspricht mehr als nur der Realität. Wuliger versucht aus einem Film, der schonungslos diese gegenseitige Gewalt thematisiert, aber dabei nicht aus den Augen verliert, wer dort wer wen vertrieben hat und noch immer unterdrückt und bedroht, gleichzeitig aber den Dialog preist, eine anti-israelische Propaganda zu machen. Die Realität sehen wir jedoch jeden Tag im Westjordanland, in Gaza und auch in Israel selbst.

»Gelobtes Land«, arte, Freitag, 20. und 27. April, jeweils 20.15 Uhr

Teil 1: http://videos.arte.tv/de/videos/gelobtes_land_1_4_-6597938.html

Teil 2: http://videos.arte.tv/de/videos/gelobtes_land_2_4_-6597942.html