Posts Tagged ‘Alan Dershowitz’

„Planet Chomsky“ – Die Harvard-Debatte gegen Dershowitz

Donnerstag, März 29th, 2012

Schon im Jahre 2005 debattierten Noam Chomsky und Alan Dershowitz in Harvard über den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern, die Zweistaatenlösung und einen möglichen Frieden. Die Debatte hat bis heute kaum etwas an Aktualität verloren und der Zuschauer mag schon fast glauben, dass sie erst gestern stattfand und nicht vor sieben Jahren, so aktuell sind noch immer die Argumente und so sehr hat sich verwirklicht, was Chomsky schon damals prognostizierte.

Nur ein Argument hört man dort noch nicht, denn es kam erst 2008 unter Olmert das erste mal zur Sprache: die palästinensische Seite, also die verhandelnde PLO, müsse Israel als explizit jüdischen Staat anerkennen und nicht nur lediglich seine Existenz. Und dies schon als Vorbedingung zu Verhandlungen überhaupt. Aus gutem Grund verweigert sich die PLO eines solchen Zugeständnisses schon im Voraus. Heute wird von der sog. „pro“-israelischen Seite diese Weigerung als Grund vorgeschoben, warum Israel keinen Frieden erreichen könne, während die Siedlungen fleißig ausgebaut und die palästinensischen Ballungszentren mit Mauern umgeben werden. Die Verhältnisse auf den Kopf gestellt. Wie Dershowitz die Verhältnisse schon damals auf den Kopf stellt und dafür die Quittung von Chomsky bekommt, kann man sich sehr schön anhand dieser (zugegeben langen, aber interessanten) Debatte aufzeigen.

 

Zivilisten als legitime Ziele

Freitag, Juli 29th, 2011

Schon Robert Fisk berichtete ausführlich in seiner unerreichten Darstellung des Konflikts im Libanon, der mit dem Einmarsch der israelischen Armee 1982 seinen Höhepunkt fand und 2006 eine Wiederauflage hatte, von der nicht selten vorsätzlichen Tötung von Zivilisten durch die israelische Armee. Unser bester Freund Alan Dershowitz, ein großer Freund des Folterns, will uns nicht nur ständig weismachen, dass die israelische Armee stets versucht den Tod von Zivilisten zu vermeiden, sondern nun kann er auch noch unterschiedliche Zivilisten ausmachen: welche, die man töten darf und welche, die unter Umständen dann doch unschuldig sind: „Dershowitz’s continuum of civilianality turns five“Pulse, 28. Juli 2001.

American Radical – The trials of Norman Finkelstein (Dokumentation)

Sonntag, Oktober 10th, 2010

In den letzten zwölf Monaten ist „American Radical – The trials of Norman Finkelstein“, eine Dokumentation der beiden Filmemacher David Ridgen und Nicolas Rossier, weltweit auf Dutzenden Filmfestivals gezeigt worden. Neben vielen amerikanischen Großstädten wie New York oder San Francisco unter anderen auch in Jerusalem, Beirut, Montreal, Warschau, Istanbul, Moskau, Buenos Aires oder London. Es ist nicht schwer zu erraten, wo dieser Film bisher totgeschwiegen wird: in Deutschland.

American Radical - FilmplakatDabei wird Norman Finkelstein, Sohn von Überlebenden des Warschauer Ghetto­aufstands, nicht nur in der BRD kontrovers diskutiert, sondern auch in zahlreichen anderen Ländern – dies vor allem aufgrund seines Buches „Die Holocaust-Industrie“1, in dem er pro-israelischen Organisationen vorwirft, die Shoah auf Kosten der Überlebenden und auf dem Rücken der Ermordeten für ihre Zwecke auszubeuten und zu instrumentalisieren. Finkelstein schlug eine Welle der Empörung und der Verleumdung entgegen2, die bis heute nicht abgerissen ist und in Deutschland ihren gegenwärtigen Höhepunkt mit der Verhinderung seiner Auftritte in Berlin und München erreichte.3 Zugegeben: Finkelstein spielte der europäischen Rechten mit diesem Buch durchaus in die Hände. Seine Intention war dagegen eine gänzlich andere. So folgerte selbst der 2007 verstorbene Raul Hilberg, Vater der internationalen Holocaust­forschung4, dass Finkelsteins Ton zwar extrem polemisch sei, seine Schlussfolgerungen aber eher moderat.5

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  1. „Die Holocaust-Industrie – Wie das Leiden der Juden ausgebeutet wird“, 2001 erschienen im Pieper-Verlag []
  2. Gleich drei Bücher widmeten sich Finkelsteins Buch und der darauf folgenden Diskussion: „Gibt es wirklich eine Holocaust-Industrie – Zur Auseinandersetzung um Norman Finkelstein“, herausgegeben von Ernst Pieper. Dabei stellt der Band „Ein ‚jüdischer David Irving‘? Norman G. Finkelstein im Diskurs der Rechten – Erinnerungsabwehr und Antizionismus“, herausgegeben von Martin Dietzsch und Alfred Schobert, nur eine Sammlung von Zeitungsartikeln dar. Das dritte Buch habe ich vergessen, es war aber auch ein Sammelband, ich erinnere mich aber nicht an den Namen. []
  3. Siehe auch den äußerst lesenswerte Beitrag bei Rhizom. []
  4. Hilbergs Werk „Die Vernichtung der europäischen Juden“ erschien schon 1961 und ist – in den folgenden Jahren fortlaufend aktualisiert – bis heute das herausragendste Standardwerk auf diesem Gebiet. []
  5. Siehe Interview im Film. []

Alan Dershowitz vegleicht Richard Goldstone mit Nazis wie Mengele

Samstag, Mai 8th, 2010

Es wird absurder und absurder. Nachdem Alan Dershowitz schon 38 südafrikanische Rabbis als anti-israelisch und pro-Hamas beschimpfte und des Ritualmordes bezichtigte, vergleicht er nun Richard Goldstone, der während der Apartheid 28 Menschen zu Tode verurteilte, mit Mengele oder SS-Offizieren. Antony Loewnstein fasst den Artikel zu Goldstone aus der Yediot zusammen.

„Which side are you on, J Street?“

Samstag, Mai 1st, 2010

J Street eine Alternative oder nur eine Alternative?

Tarach und Dershowitz: Revisionisten? – Nachtrag zur Dershowitz-Diskussion

Montag, April 12th, 2010

Im Grunde war es ein Fehler, mich auf eine Diskussion um die Quellen für die Aussage von Alan Dershowitz, der Mufti von Jerusalem Mohammed Amin al-Husseini sei persönlich verantwortlich für die Ermordung von 4000 Kindern, überhaupt einzulassen. Abgesehen davon, dass ich Tilman Tarachs Buch besser nochmals ganz hätte lesen sollen (ich hätte mir dann einiges an Quellensuche erspart), ist Dershowitz ja nicht der Ausgangspunkt für eine solche Behauptung bzw. nicht alleine mit seiner Schuldzuweisung. Ich werde die Sache dennoch weiterverfolgen.

Vor allem aber geht eine solche Diskussion am eigentlichen Skandal vorbei, nämlich dass hier im Grunde eine Relativierung der Verantwortung der Nazis für die Ermordung vieler ihrer Opfer betrieben wird. Die Verfechter der These, es sei dem Mufti zuzuschreiben, dass Transporte Osteuropa nicht verlassen durften, versucht im Grunde nichts anderes, als die Schuld für die Ermordung von den Nationalsozialisten und den sie unterstützenden Regimen auf den Mufti Husseini abzuwälzen. Man muss sich doch fragen: Was für einen Grund außer ihren eigenen Vorteil hätten die Nazis denn haben können, die Kinder und deren Begleitungen auswandern zu lassen? Es gab ja Verhandlungen (Europa-Plan, „Blut-für-Ware“-Abkommen), die aber sicher nicht daran scheiterten, dass der Mufti einer Ausreise nicht zustimmte. Denn der Plan war, dass zum Beispiel im Falle des „Blut-für-Ware“-Abkommens die Juden Ungarns in alle von den Alliierten kontrollierten Gebiete ausreisen hätten sollen … außer Palästina.1 Die These von Leuten wie Tarach ist hingegen: Der Mufti trägt die Verantwortung dafür, dass die Nazis diese Menschen ermordeten, er verhinderte generell die Ausreise. Das ist in doppelter Weise absurd. Es entlastet den Täter und und verschiebt die Entscheidungshoheit auf Husseini. Aber ein Grund, warum denn die Nazis die Juden hätten ausreisen lassen, wird nicht genannt. Eine Maschinerie, die gerade dabei war 6 Millionen Juden und Millionen anderer zu vernichten, soll plötzlich nach dem Beginn der Massenvernichtung Kindern erlauben auszuwandern? Und das ohne Gegenleistung?

Die Frage drängt sich auf, ob hier nicht ein paar Leute ziemlich revisionistisch unterwegs sind. Wenn der Mufti gerade die Auswanderung nach Palästina verhinderte, was hätte dann die Nazis daran hindern sollen, diese Kinder nach Großbritannien, Schweden oder in die Schweiz ausreisen zu lassen? Der Mufti intervenierte dagegen, dass diese Kinder nach Palästina ausreisen dürfen. Aus den Briefen geht aber nicht hervor, dass die Deutschen den Kindern freies Geleit in ein beliebiges Land gewähren wollten und der Mufti jegliche Ausreise mit seiner Intervention verhinderte.

Ganz anders stellt sich die Sache jedoch bei unseren Freunden Alan Dershowitz und Tilman Tarach (sowie diversen anderen Kandidaten) dar. Hier kommen die Nazis mit ihren Entscheidungen, die Kinder zu ermorden, gerade mal noch als pro-arabische Erfüllungsgehilfen vor. Das ist der eigentliche Skandal und der revisionistische Kerngedanke hinter der These von der persönlichen Schuld Husseinis an der Ermordung tausender jüdischer Kinder: die Alleinverantwortung von den Deutschen (und ihren staatlichen Verbündeten) in die Hände eines Jerusalemer Großmuftis zu verlegen.

  1. Enzyklopädie des Holocaust, Band I, A-G, S.238: Brand, Joel []

Harvard-Professor Alan Dershowitz erfindet 4000 vergaste Kinder

Mittwoch, April 7th, 2010

So werden Fakten und Fußnoten produziert: Der „angesehene“ Professor Alan Dershowitz schreibt, der Mufti von Jerusalem selbst sei persönlich verantwortlich dafür, dass 4000 Kinder und 500 begleitende Erwachsene in Auschwitz vergast wurden:

Husseini’s significant contributions to the Holocaust were multi-fold: first, he pleaded with Hitler to exterminate European Jewry and advised the Nazis on how to do so; second, he visited Auschwitz and urged Eichmann and Himmler to accelerate the pace of the mass murder; third, he personally stopped 4,000 children, accompanied by 500 adults, from leaving Europe and had them sent to Auschwitz and gassed;1

Woher hat Dershowitz diese Informationen? Eine Fußnote gibt er nicht an. Jeff Blankfort hat den Artikel anscheinend sorfältig gelesen und dieses Kommentar hinterlassen:

Dershowitz’s statement that the Mufti „personally stopped 4,000 children, accompanied by 500 adults, from leaving Europe and had them sent to Auschwitz and gassed,“ is almost word for word from the FIRST part of a sentence by Raul Hilberg, on p. 504 of the „Destruction of the European Jews.“ According to Hilberg, „4,000 children, accompanied by 500 adults reached Palestine and for that reason he [Mufti] asked the German Foreign Minister to do his utmost to prevent further immigration from Bulgaria, Roumania and Hungary.“

That’s it in 790 pages. There is no any other mention of the Mufti until the end of the book when the American Jewish Conference wanted him prosecuted as a war criminal.2

Ein Blick auf Seite 851 der deutschen Ausgabe von Hilberg genügt, um Blankfort zu bestätigen. Es scheint so, als habe Dershowitz sich die Hälfte seiner Aussage, der Mufti sei persönlich dafür verantwortlich, dass 4000 Kinder vergast wurden, einfach ausgedacht! Blankfort kommentiert weiter:

He clearly went to the Hilberg book, and then changed the ending to make his point. Fortunately, I have the book. Hilberg was considered the number one expert on the details of the Holocaust and to his credit he publicly supported Finkelstein in his battle for tenure at DePaul.The Mufti was clearly a Nazi sympathizer who saw the connection with Hitler as a means of preventing Jews from colonizing Palestine but the evidence that he was involved in any way with the Nazi extermination operation does not appear to be there. Dershowitz, taking his cue from Lieberman, probably both of them,Avigdor and Joe,  tries to do his part and sees the quote from Hilberg, because I am sure he has the same book, and gives it a different ending.3

So kann man auch Fakten produzieren. Als nächstes zitiert jemand Dershowitz, dieser jemand wird wieder zitiert und schon ist eine Lüge mehr im Umlauf. Das Beispiel ist aus dem letzten Jahr, soll aber verdeutlichen, wie das Spiel so läuft…

Nachtrag: Nachwort zur hier folgenden Diskussion um die Quellen.

  1. Double Standard Watch, Alan Dershowitz‘ blog bei der Jerusalem Post []
  2. Kommentar Nr.40 unter Dershowitz‘ Artikel []
  3. zu lesen bei Mondoweiss; leider ist das Kommentar nicht unter dem Dershowitz-Artikel zu finden. Eine Mail an Mondoweiss ist raus, um die Quelle dieser Aussage zu erfahren []

Haaretz: Dershowitz lays into J Street in AIPAC conference dust-up

Montag, März 22nd, 2010

Israel lobbyists face off as commentator accuses new group of dividing the Jewish community. Rival Israel activists locked horns at Monday’s AIPAC conference in Washington as leading pro-Israel commentator Alan Dershowitz launched a blistering attack on pro-peace group J Street.  More