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Time: „Warum Israel der Frieden egal ist“

Freitag, September 10th, 2010

Das neue Cover der Time erzürnt Abraham Foxman und seine Anti-Defamation League. Ein Davidstern aus weißen Margariten auf blauem Grund titelt: „Why Israel doesn’t care about peace“.1 Der Artikel behauptet, dass es „den Israelis“ ökonomisch zu gut gehe, als dass sie ein großes Interesse an Frieden hätten. Und dabei bekommt er, was die ADL nicht ganz versteht, eine  für Israel verständnissvolle Schlagseite, denn man muss ja bedenken: Clinton hatte Arafat 99% zugestanden, aber dieser habe eine Intifada wegen des restlichen 1% losgetreten. Zwar zitiert der Artikel nur einen Israeli, aber er widerspricht dem auch nicht. Schon hat man in der westlichen Welt auch eine gewisse Art von Verständnis für die Lage der Israelis: Lang genug probieren sie es ja schon mit den Arabern.

Die ADL bezichtigt die Time des Antisemitismus, weil sie eine Umfrage aus dem März zitierte, in der nur 8% der jüdischen Israelis den Frieden als das dringendste Problem ansahen, auf Platz fünf nach der Erziehung, Verbrechen, der Sicherheit und Armut. Es ist natürlich ein wenig absurd im September eine Studie aus dem März zu veröffentlichen, weil sich Prioritäten schnell verschieben. Gleichzeitig erschreckt diese Studie doch, selbst im März. Denn während Frieden der jüdischen Bevölkerung im Vergleich zu anderen Themen relativ unwichtig ist, gaben 100% der israelischen Palästinensern, immerhin 20% der gesamten Bevölkerung, dem Frieden die höchste Priorität.

Die ADL versteift sich bei ihrem Vorwurf des Antisemitismus auf etwas banales: materielle Sicherheit macht teilweise auch unempfindlich für die Armut und vor allem das Leid anderer, die daran dann wohl auch teilweise selbst Schuld sein müssen. Oder wie soll man das Verhalten vieler Menschen in Europa verstehen, die unempfindlich sind für das, was ihre Staaten in den Ressourceländern  dieser Welt anrichten? Ganz zu Schweigen von den dauernden Kriegen, die der Westen seit Ende des Zweiten Weltkriegs geführt hat. Denn dieses Prinzip der Ignoranz gilt ja auch intern: Wer es hier zu nichts bringt, dem fehlt der Wille zum Erfolg. Die Menschen kommen, siehe Sarrazin-Debatte, oft nur noch als nützlich oder unnütz vor. Und da wundert man sich allen Ernstes über Israel?

Dennoch: die Umfrage verdeutlicht die Radikalisierung der israelischen Gesellschaft.  Auch andere Umfragen scheinen das Ergebnis der Time zu bestätigen. Adam Horowitz zitiert auf Mondoweiss eine weitere hochaktuelle aus der Maariv. Darin wurden 500 Israelis gefragt, was sie für die wichtigsten Themen des nächsten Jahres sähen.2

36% gaben die Erziehung an, 13% die Gefahr durch den Iran, 12,7% den Kampf gegen die Korruption und 11,3% den Frieden mit den Palästinensern. Selbst, wenn man den Konflikt für mit dem Iran nicht herunterspielen sollte, so muss doch trotz der Aktualität das Desinteresse an einem Frieden gerade denjenigen ins Auge springen, die immerzu behaupten, Israel habe keinen Gesprächspartner bei den Palästinensern. Man muss dies wohl eher umdrehen: die palästinensische Seite sucht verzweifelt nach einem Gesprächspartner auf israelischer, der ihnen Sicherheit garantieren könnte. Ein solcher war und ist lange nicht gesehen.

  1. http://www.time.com/time/world/article/0,8599,2015602,00.html []
  2. http://mondoweiss.net/2010/09/maybe-it-should-have-been-called-why-israel-doesnt-care-about-traffic-accidents.html []

Jerusalem: Israelische Polizei richtet 41-jährigen Mann hin

Montag, Juni 14th, 2010

In den letzten Wochen häufen sich wieder einmal die Toten und Verletzten in den Besetzten Gebieten und das nicht nur wegen des Blutbades auf der „Solidaritätsflotte“. In den vergangenen Tagen kam es immer wieder zu Zusammenstößen von Demonstranten und israelischer Polizei. Siedler töteten einen jungen Hirten, eine alte Frau wurde von Siedlern tot getrampelt, einer amerikanischen Demonstrantin wurde, weil sie eine türkische Fahne hielt, ein Auge ausgeschossen. Mehrere Menschen wurden in Gaza getötet (sowohl Militante, als auch einige Bauern auf den Feldern nahe der Grenze) und Siedler attackierten Häuser und stürmten eine Moschee.

Der jüngste Zwischenfall ereignete sich in Jerusalem. Haaretz zufolge gab die Polizei an, einen Autofahrer, der zwei Polizisten töten wollte, erschossen zu haben. So die israelische Seite.

Bei dem Toten handelte es sich um Ziad Al-Julani, 41 Jahre und Vater von 3 Kindern und von Beruf Händler. Er wurde an einem kurzfristig errichteten Checkpoint in Jerusalem erschossen. Die israelische Polizei behauptet, er habe vorsätzlich zwei Polizisten angefahren und sei dann fortgerannt. Nachdem er auf Anrufen nicht stehen geblieben wäre, sei er bei der Flucht erschossen worden.

A Palestinian driver was shot and killed in Jerusalem Friday after running over two Israeli border patrolmen, with an apparent intent to kill.

The man reportedly hit two the two policemen in East Jerusalem neighborhood of Wadi al-Joz, with reported light injuries sustained by both victims.

According to police officials, the driver drove on a short distance, and then proceeding to flee the scene on foot. Police officers called on the suspect to stop, and opened fire at him once it was clear he had ignored their instructions.

So die Aussage der Polizei. Oder wie Adam Horowitz sagt: „Open and shut case, right? Not so fast.“ Zeugen  sagen, dass Zihad nachdem er angeschossen wurde, von der Polizei mit einem Schuss aus nächster Nähe hingerichtet wurde.1 Oder lassen wir seine Familie sprechen:

My brother told his wife in the morning that he will go do his prayers at Al-Aqsa and after that he will visit his uncle and cousins before he comes back to take his American wife and three beautiful daughters to dinner. He did his Friday prayers and was on his way to visit his uncle in Wadi Al Jouz [in East Jerusalem]. He was surprised as he turned into a small street that there was a checkpoint and a confrontation between stone throwers and the Israeli special forces. His car was being hit with stones, and everybody thinks his car went out of control while he was avoiding the confrontation. No body knows if he hit anybody or not while his car went out of control, but all of a sudden one of the policeman shouted that he was trying to kill them and they started shooting at him in the car.

He was shot in the arm already when he got out of the car and he was trying to avoid more shots to himself so he started running towards my uncle’s house. He was shot in the back and leg and fell on the ground shouting asking for help from my cousins and others. People tried to come help him but they were beaten with bats and would not let anybody near him. My brother was still alive but flat on the floor and totally unarmed but one of the policeman came with rage and came close by and put the gun in my brothers head and shot him point blank in the face twice and another in the belly.

My cousin came at that time and realized it was my brother and he went running to him to try to save him since he was still breathing. The same policeman came and hit him in the head with his rifle and busted his head open. He then pointed the gun on his head wanting to shoot him too but his mom and other women intercepted and got beaten up with bats. My brother was still breathing and the ambulance was trying to get to him but the policemen just left him on the floor to die and would not allow anybody to help him. The policeman that killed my brother supposedly rejoiced killing an Arab and the others gave him a pat on the back and clapped for him. Finally the Red Crescent did not listen to the Special Forces and decided to risk it and go help my brother. My brother was on the ground for 15 minutes which could have saved his life if he got immediate medical attention. My brother died in the ambulance in my cousin’s arms.

Ja, business as usual. Wer macht sich schon Sorgen um die Sicherheit der Palästinenser?2

  1. http://www.maannews.net/eng/ViewDetails.aspx?ID=291342 und http://www.palestinemonitor.org/spip/spip.php?article1445 []
  2. via Mondoweiss []