Archive for the ‘Rassismus’ Category

The National Erection

Samstag, Juli 7th, 2012

 

Pinkwashing weissgespült

Donnerstag, Juli 5th, 2012

Nachdem der „IDF-Veteran“ Markus Ströhlein in der Jungle World versuchte, die „Branding Israel“-Kampagne als harmlose Tourismuswerbung auszugeben, haben zwei israelische Genoss_innen eine umfassende Antwort verfasst:

Pinkwashing weissgespült

Oder wie die Jungle World ein erneutes Tief an propagandistischen Journalismus erreicht und die Kritik an Pinkwashing mit plumpen Lügen, bewussten Auslassungen und Manipulation von Fakten zum Verstummen zu bringen will.

Die Diskussion um Pinkwashing ist nun auch in Deutschland angekommen, wie die Anhäufung von Beiträgen und Diskussionen im letzten Monat vermuten lässt. Was aber mit dem Begriff “Pinkwashing” überhaupt gemeint ist und warum verschiedene queere Aktivist_innen Kritik daran üben, bleibt jedoch bei vielen der Auseinandersetzungen unübersichtlich.

Was ist Pinkwashing?

Pinkwashing bezeichnet ein Teil der offiziellen internationalen PR-Kampagne der israelischen Regierung “Brand Israel”, die Israel ein Bild als liberale und westliche Demokratie verpassen soll, um damit die Weltöffentlichkeit von der Realität der Besatzung, Krieg und rassistischer Diskriminierung abzulenken.1 Die Stilisierung von Israel im Ausland, als ein Land in dem Schwule gleichberechtigt wären dient in diesem Zusammenhang nicht der Verbreitung von LGBT-Rechten, sondern hat das Ziel, diese als Vorhang über die gravierende Menschenrechtsverletzung der israelischen Regierung zu hängen, um diese zu vertuschen. Dass diese Kampagne heutzutage von einer rechten und teilweise religiösen Regierung geführt wird, in der viele offen homophobe Mitglieder sind, beweist, wie wenig diese Kampagne tatsächlich mit LGBT-Rechten in Israel zu tun hat. Als ergänzendes Element dazu,werden durch diese Kampagne die umgebenden arabischen Länder als homophob abgestempelt. Damit wird eine angebliche Rückständigkeit der arabischen Welt propagiert und an ein islamophobes und kolonialistisches Gedankengut des Westen angeknüpft, das ebenso als Legitimierungsargument für die aggressiven Besatzungs- und Kriegspolitik von der israelischen Regierung genutzt wird. Interessant dabei ist der Shift in der Art Rechtfertigung kolonialer Unterdrückung. Dienten damals homosexuelle Praxen als Beweis der Rückständigkeit des „Orients“, ist es heute die angebliche inhärente Homophobie der selbigen, die für die gleichen Zwecke benutzt wird.

Der Begriff Pinkwashing kritisiert jedenfalls nicht die Arbeit von LGBT-Organisationen und -Gruppen in Israel, die immer noch gegen eine starke legale und soziale homophobe Diskriminierung zu kämpfen haben, sondern ihre zynische Vereinnahmung durch staatlichen Institutionen. Der Fokus auf Israel in der Kritik von Pinkwashing bedeutet nicht, dass auch in vielen anderen Ländern feministische oder LGBT-Rechtsdiskurse für die Legitimierung von imperialistischen Kriegen oder rassistischer Politik instrumentalisiert werden. Diese allgemeine Tendenz, die unter dem Begriff des Homonationalismus zusammengefasst wird und von verschiedenen feministischen Theoretiker_innen benannt und kritisiert worden ist, kann man als ein allgemein westliches Phänomen bezeichnen.

Auch in Deutschland ist anhand von rassifizierten Diskursen über homophobe Gewalt oder im Bezug auf die internationalen Politik der Bundesregierung zur Rechtfertigung finanziellen und militärischen Interventionen die Erscheinung von Homonationalismus zu beobachten. Israel ist jedoch der erste Staat, der eine PR-Kampagne anhand solcher Argumentation bewusst und organisiert betreibt.

Schreibt nicht über Juden

Mit einem am 28.6.2012 publizierten Artikel “Pretty in Pink” von Markus Ströhlein2, ein Schreiber für die Jungle World wie auch ein ehemaliger Freiwilliger bei dem israelischen Militär3, widmet sich die Jungle World erneut dem Thema Pinkwashing. In dem Artikel wird als Aufhänger der im Rahmen des diesjährigen tCSD (in Englischer Sprache) gehaltene Workshop zweier israelische queeren Aktivist_innen über Homonationalismus im allgemeinen und Pinkwashing im konkreten Falle Israels angegriffen und ein Interview über das Thema mit zwei israelischen schwulen Aktivisten bei dem ARD kritisiert.

Allein der Informationsgehalt des vorherigen Satzes übersteigt vieles an Informationen, die in dem Jungle World-Artikel zu finden sind, denn obwohl Ströhlein auf dem Workshop zugegen war, vergaß er im ganzen Artikel zu benennen, wer den Workshop eigentlich veranstaltetet. Es ist die bewusste Auslassung, das Verschwinden von kritischen israelischen Stimmen, die es Ströhlein ermöglicht, sich nicht mit der inhaltlichen Kritik des Pinkwashing zu beschäftigen und das Thema von vornherein zu delegitimieren. Es erscheint im ganzen Artikel somit, als entspränge die Kritik am Pinkwashing einer deutschen linken Dorfgemeinschaft und kann eigentlich gar nichts anderes sein als „Triebabfuhr“ oder diene nur dem „…Zweck der Selbstvergewisserung und Feindbestimmung“ die, so hofft er, “in den engen Grenzen von Kreuzberg” verbleiben würden.

Wie auch am Anfang des Workshops klargestellt, wurde die Veranstaltung nicht von der Orgagruppe des tCDSs initiiert, sondern ist die Eigeninitiative israelischer Aktivist_innen, die dem Aufruf des tCSD folgten und einen Beitrag zu der besagten Workshopwoche anboten. Die Entscheidung im Workshop auch das Thema Pinkwashing zu behandeln, ist eine Reaktion auf die reichlichen Aktivitäten der israelischen Botschaft auf LTGB-Events in Berlin, wie auch die bewusste Verbreitung von Desinformation über linke Kritik an Pinkwashing innerhalb linken und queeren Zusammenhänge.

Der Vortrag behandelte jedenfalls nicht ausschließlich Israel, sondern beschäftigte sich vielmehr in der ersten Hälfte mit dem Begriff des Homonationalismus. Dabei wurden viele Beispiele aus den USA, Großbritannien, den Niederlanden und Deutschland vorgestellt während Israel fast keine Erwähnung fand. Der zweite Teil des Workshops problematisierte dann die israelische Kampagne des Pinkwashing und versuchte dessen Einbettung in einem internationalen homonationalistischen Diskurs zu verorten.

Ein Schwerpunkt des Workshops und der abschließenden Diskussion, stellte explizit die Bedeutung des Homonationalismus und Pinkwashing im deutschen Kontext heraus.

Die Behauptung Israel sei der einzige Staat der „gebrandmarkt“ werde und deswegen sollte man erst gar nicht das Thema aufgreifen, ist an sich schon fragwürdig, am Beispiel des Workshops schlichtweg falsch. Vorgetragen gegenüber israelischen Aktivisten entbehrt es jedoch jeder ernstzunehmenden Logik.

Das dieses Ausblenden der israelischen Stimme Methode hat, zeigt sich nochmals am Ende des Artikels bei der Darstellung des ARD Radioberichts. Ströhlein tut so, als ob der deutsche Reporter im Bericht über Pinkwashing nur mit einem Organisator der Gaypride diskutiert und die Kritik anscheinend aus einer deutschen Position definiert wird. Was Ströhlein verschweigt ist, dass es in diesem Interview einen israelischen Konterpart gab: Einer der führenden israelischen Gay-Aktivisten und Jurist Aeyel Gross, der die Pinkwashingkampagne scharf kritisiert. Dadurch wird eine offensichtliche Manipulation betrieben, die die kritische innerisraelische Position einfach verschwinden lässt. Ganz zu schweigen von der vorangegangenen Auslassung der ARD, die palästinensische Kritik zu diesem Thema vollständig zu ignorieren.

Oder anders gesagt: Während kritische jüdisch-israelische Stimmen einfach „weggelassen“ werden, werden palästinensische Stimmen gar nicht erst wahrgenommen.

Die „Nicht-Benennung“ und das Verschwinden lassen kritischer israelischer Stimmen ist vor allem als ein gefährlicher Versuch zu werten, ein homogenisiertes Bild der israelischen Gesellschaft zu entwerfen, flankiert von der vorhandenen Tradition weißer Deutscher, linke Migrant_innen aus linken Diskussionen auszuschließen und zu bevormunden.

Der Vollständigkeit halber folgen hier die weiteren Lügen und Manipulationen des Artikels:

Chomsky

Das angeführte Zitat Noam Chomskys, das den palästinensischen Aufruf für Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen (BDS) gegen den Staat Israel als “globale antisemitische Kampagne” beschreibt, ist falsch. Tatsächlich sind die angebliche Zitaten von Chomsky im einzigen Interview zu BDS, den er 2010 gab, an keiner Stelle zu finden.4. Vielmehr stellt sich Chomsky als Unterstützer von verschiedenen BDS-Aktionen vor, währenddessen er bestimmte Ausdruckformen dieser Taktik ablehnt und kritisiert. Wir können nur davon ausgehen, dass Ströhlein nicht zwischen einer Anmerkung eines pro-israelischen Bloggers, der das Video verlinkt hat, und den tatsächlichen Worten von Noam Chomsky unterscheiden kann.5

Verdrehungen über den Workshop

Die Behauptung von Ströhlein, dass die Kritik an Pinkwashing  auf eine begrenzte Kampagne des Tourismusministeriums basierte, ist eine Verkürzung, die die Kritik an Pinkwashing fundamental verkennt. Es wurde im Gegensatz zu seiner Darstellung auch im besagten Workshop klar herausgestellt, dass es sich nicht bloß um eine schwule Tourismuskampagne, sondern um eine offizielle Regierungs-PR-Kampagne handelt, in der verschiedene Ministerien involviert sind6 und die viel weitreichende Auswirkungen zum Ziel hat als lediglich Tourismus.

Die Unterstellung Ströhleins, es wäre den Referenten nicht gelungen einen Nachweis zu erbringen, dass Israel seine Besatzungspolitik mit einem schwulenfreundlichen Image legitimieren will und dass keine israelische Politiker dies gemacht hätten, ist nicht nachvollziehbar, da genau diese Punkte im Workshop besprochen und vorgestellt wurden. Der Vortrag stützte sich mehrmals auf Zitate von offiziellen Regierungsvertretern wie Premierminister Nethanjahu oder dem israelische Botschafter in den USA wie auch auf Aktionen und Texte von pro-israelischen Lobby-Organisationen in Wort und Bild.7 Die obige Aussage Ströhleins ist somit die komplette Verdrehung von Tatsachen, die vor dem Hintergrund seiner Anwesenheit auf der Veranstaltung einem an Dreistigkeit erschrecken lässt.

Die Anschuldigung, dass die Referent_innen daran scheiterten, „einen grundsätzlichen Zusammenhang zwischen Geschlechter- und Besatzungspolitik aufzuzeigen“ ist erst einmal unverständlich, da die fatalen Auswirkungen der Besatzungspolitik überhaupt nicht das Thema des Vortrags waren. Komisch jedoch wird diesen Satz, da es bei dem einzigen Beispiel im Vortrag über militärischer Unterdrückung um die Erpressung von palästinensischen Schwulen durch den israelische Geheimdienst mit dem Zweck diese als Kolloberature anzuwerben, ging. Dazu wurde ein Interview mit Shaul Gonen von der israelischen LGTB-Organisation Haaguda zitiert, in dem er bestätigt, dass der israelische Geheimdienst “fast jeden schwulen Palästinenser, der festgehalten wird, zu rekrutieren versucht”.8 Noch verblüffender wird seine Behauptung, wenn man weiß, dass die einzige Frage, die Ströhlein während der Diskussion stellte, genau auf die Frage der Erpressbarkeit schwuler Palästinenser abzielte, also genau dem Beispiel im Vortrag der den Zusammenhang zwischen Geschlechter und Besatzungspolitik thematisierte

Und es geht noch weiter

Im vorletzten Abschnitt versäumt er den Fakt zu erwähnen, dass das besagte Facebook-Foto von den händchenhaltenden israelischen Soldaten als gestelltes Foto entlarvt und direkt als Image-Gag für’s Ausland geplant und konzipiert wurde (zudem tauchte es nur auf der englischen Facebook-Seite der IDF auf).9 Interessant und in dieser Hinsicht zu bemerken ist, dass dieses Jahr die positive Thematisierung von LGTBs im hebräischsprachigen Soldatenmagazin “Bamachane” durch Druck des Militärrabbiners untersagt wurde.10

Zum Schluss unterstellt Ströhlein noch einigen LGTB-Organisationen aus Seattle, dass sie eine israelische LGTB-Jugendorganisation boykottiert hätten, nur weil sie Israelis seien.

Es waren erstens nicht nur eine Jugendorganisation und er verschweigt, dass die Veranstaltungsreise der drei israelischen LGTB-Organisationen in die USA offiziell durch die israelischen Botschaft organisiert und unterstützt wurde. Der Grund der Absage aufgrund der institutionellen Verbindungen war eindeutig politisch motiviert wie auch die Unterstützungserklärung der Organisation „Jewish Voice for Peace“ klarstellte.11

Man kann nur spekulieren warum sich Markus Ströhlein sich zu solch einer Aneinanderreihung von Fehlinformationen und bewussten Auslassungen bis zur dreisten Lüge entscheidet. Es ist jedoch klar, dass der Artikel nicht als Diskussionsbeitrag zum Thema „Pinkwashing“ gedacht ist, sondern darauf abzielt jegliche Diskussion darüber abzuwürgen.

Dass die Kritik an Homonationalismus, d.h eine weitere Erscheinungsform vom Nationalismus, die auch in Deutschland Fuss fasst, innerhalb einer sich nennenden linken Zeitung verschwiegen und ignoriert wird, ist bedauernswert. Vor allem, da die postkolonialen und anti-rassistischen Ansätzen, die der Kritik von Homonationalismus und Pinkwashing zugrunde gelegt sind, in unseren Augen eine dringliche Notwendigkeit in Deutschland besitzen. Leider müssen wir beobachten, wie “linke” oder “antinationale” Deutsche bevorzugen, nicht-deutsche Aktivist_innen zu attackieren und zu diffamieren, anstatt sich mit ihrem eigenen Rassismus und kolonialen und homonormativen Maßstäben auseinanderzusetzen, die gerade im Bezug im Diskurs um LGTB-Rechte sehr klar zum Ausdruck kommen.

Dass so ein Artikel in der Jungle World publiziert wird, ist traurigerweise keine grosse Überraschung. Es ist eine bekannte Tatsache, dass viele der tätigen Schreiber_innen der Zeitung auch für rassistische Publikationen wie die Bahamas oder die Springerpresse schreiben. Auch das Verschwinden lassen kritischer israelischen Stimmen ist keine Novum dieser Zeitung, wenn man sich ihre intensiven (wenn nicht zu sagen obsessiven) Berichterstattung zu Israel ansieht. Obwohl fast jede Woche ein Artikel über das Land erscheint, lässt die “linke” „pluralistische“ Zeitung fast nie linken israelischen Stimmen zu Wort zu kommen, von der subalternen palästinensischen Linken ganz zu schweigen.

Zu gerne pflegt man die Bilder von den „Anderen“, den stummen Opfern (entsprungen einer archaischen kolonialen Phantasie), die man befreien will oder auf dessen Rücken man politische Kämpfe ausführt. Wenn diese jedoch selber ihren Mund aufmachen, seien es muslimische Feminist_innen oder palästinensische und israelische Queeraktivist_innen, zerstört das die Projektion und sie werden ignoriert, ausgebuht oder diffamiert. Das zum Schweigen bringen der Kritik an Pinkwashing bedient sich nicht zufällig den gleichen Mechanismen wie das Pinkwashing selbst: es instrumentalisiert und spricht über die Köpfe der eigentlichen Betroffenen hinweg und suggeriert, dass LGBT-Rechte vom allgemeinen Menschenrechtskonzept getrennt voneinander behandelt werden können.

Wir kennen viel zu gut die rechtspopulistischen Propagandamaschine, die Gay Rights, Frauenrechte und die “Selbstverteidigung Israels” auf ihre Fahnen schreiben. Es wird Zeit, dass solche paternalistische und nationalistische Argumentation nicht mehr in linken Kontexten toleriert wird. Militärische Interventionen, Besatzung und Rassismus befreien keine_n von uns!

Yossi und Liad

(Zwei in Berlin lebende israelische Queers, die den Workshop durchgeführt haben.)

Für weitere Information über Pinkwashing und und der Widerstand dagegen empfehlen wir die folgenden Websites:
http://www.pinkwatchingisrael.com/
http://www.alqaws.org/
http://www.aswatgroup.org/
http://www.pqbds.com/

  1. Für mehr Information über die Kampagne “Brand Israel” und Pinkwashing http://mondoweiss.net/2011/11/a-documentary-guide-to-brand-israel-and-the-art-of-pinkwashing.html []
  2.   http://jungle-world.com/artikel/2012/26/45739.html []
  3. http://www.hagalil.com/archiv/2004/12/sarel.htm []
  4. http://www.youtube.com/watch?v=H5hY-gffV0M []
  5. Wir gehen davon aus, dass er das “Zitat‘ auf diesem Blog gefunden hat: http://webdiary.com.au/cms/?q=node/3205&page=1 []
  6. Vor allem ist es das Außenministerium und das Ministerium für “Public Diplomocy and Diaspora affairs” []
  7. Einige Beispiel, die im Vortrag vorgestellt wurden:
    Netanyahu’s Rede vor AIPAC am 24.5.2011 http://www.mfa.gov.il/MFA/Government/Speeches+by+Israeli+leaders/2011/Speech_PM_Netanyahu_US_Congress_24-May-2011.htm
    Die Rede von Michael Oren, der israelische Botschaftler in den USA am 5.5.2012 http://www.israelemb.org/index.php/en/component/content/article/656-remarks-by-ambassador-michael-oren-to-the-equality-forum-on-lgbt-rights
    Eine Wandgemälde in New York, das die zionistische Organisation Birthright Israel im Auftrag gab: http://foreignpolicyblogs.com/2012/05/15/gay-couples-courted-middle-east-stance-mural/
    Flyers der zionistischen Organisation “Stand with us” http://www.standwithus.com/FLYERS/?type=focus&wc=23 []
  8. http://www.haaretz.com/news/national/shin-bet-inquiry-did-the-israeli-slip-his-gay-palestinian-lover-into-the-country-illegally.premium-1.432857 []
  9. http://www.guardian.co.uk/world/2012/jun/13/israeli-military-gay-pride-photo []
  10. http://www.haaretz.com/print-edition/news/idf-cracks-down-on-army-weekly-after-article-featuring-soldiers-in-drag-1.419610 []
  11. Siehe dazu die Presseerklärung von der Seattle Chapter der Jewish Voice for Peace http://www.usacbi.org/2012/03/seattle-lgbt-commission-cancels-pinkwashing-event-sponsored-by-israeli-consulate-events-in-olympia-and-tacoma-also-canceled/ []

„Roadmap to Apartheid“ (Trailer)

Donnerstag, Juli 5th, 2012

Als vor einiger Zeit der Vorsitzende der SPD,  Sigmar Gabriel, die Verhältnisse in Hebron mit der Apartheid in Südafrika verglich, brach sofort ein Sturm der Entrüstung los. Gabriel hatte auf seiner Reise durch Israel und die Besetzten Gebiete auch Hebron besucht und war geschockt ob der Verhältnisse:

„Ich war gerade in Hebron. Das ist für Palästinenser ein rechtsfreier Raum. Das ist ein Apartheid-Regime, für das es keinerlei Rechtfertigung gibt.“1

Schon kurze Zeit später ruderte Gabriel zurück, relativierte seine Aussage und vermied damit, wie die Sau durchs Dorf getrieben zu werden. Etwas, was dem Günter Grass nicht gelang. Wenn Gabriels Aussage zu dem Missverständnis geführt habe, er wolle Israel und die Regierung mit dem alten Apartheidregime Südafrikas gleichsetzen, tue ihm das leid.

„Das wollte und will ich ausdrücklich nicht, weil dieser Vergleich Israel gegenüber mehr als ungerecht und dem alten Südafrika gegenüber verharmlosend wäre.“2

Damit war Gabriel vorerst aus der Schusslinie. Zwar wird über Gabriels Äußerung noch ab und an im anderen Kontext berichtet, aber insgesamt hat Gabriel durch die empörte Parteinahme wohl vor allem im Zusammenhang mit der Causa Grass eher an Unterstützung gewonnen, denn er gilt im deutschen Munde jetzt als einer, der Mut gezeigt hat aber dennoch weichen musste.

Nicht erst Gabriel geriet unter Beschuss, als er das Wort Apartheid im Kontext mit Israel benutzt. Prominentestes Beispiel vor ihm war Jimmy Carter, der nach Veröffentlichung seines Buches „Palestine: Peace not Apartheid“ hart angegangen wurde, zuletzt auch mit dem Vorwurf des Antisemitismus. Im Gegensatz zu Grass, der seit der Affäre um sein Gedicht trotz (zu oft erschreckender) Zustimmung bei breiten Teilen der Bevölkerung unter der Inetellektülle Deutschlands als Antisemit und daher als nicht mehr tragfähig gilt, hatte Carter als Expräsident der USA bessere Ressourcen, um sich gegen ähnliche Angriffe zu wehren. Letztendlich wurde er trotz des am Ende erhobenen Vorwurfs des Antisemitismus nach seiner Rede in Brandeis von den vorwiegend jüdischen Studenten mit mehrfachen Standing Ovations bedacht, während mehr als die Hälfte des Auditoriums den Saal verließ, als der Freund des legalen Folterns, Alan Dershowitz, an das Rednerpult trat.

Die Frage jedoch, ob man Israels System und Architektur der Besatzung im Westjordanland und in Gaza3 mit der Apartheid vergleichen oder gar gleichsetzen könne, fällt damit völlig aus dem Blickwinkel, weil plötzlich der (vermeintliche) Antisemitismus dessen an der Tagesordnung steht, der den Vergleich machte. Ob denn Apartheid das richtige Wort für ist, verbleibt letztendlich unerörtert.

Seinen Beitrag dazu wird der neue Dokumentarfilm „Roadmap to Apartheid“ der weißen Südafrikanerin Ana Nogueira  und des jüdischen Israeli Eron Davidson leisten. In ihm gehen die beiden Filmemacher der Frage nach, inwiefern sich die Apartheid mit der Besatzung und dem Konflikt mit den Palästinensern gleichsetzen oder vergleichen lasse:

 

 

  1. Sigmar Gabriel auf seinem Facebookprofil, 14. März 2012 []
  2. Sigmar Gabriel auf seinem Facebookprofil, 14. März 2012 []
  3. Israel hat Gaza zwar geräumt, kontrolliert es aber effektiver als Zuvor und die Besatzung hält damit an.  Israel beherrscht alle Grenzen, den Luftraum und den Seeweg. []

Yitzhak Shamir: Ein Nachruf

Sonntag, Juli 1st, 2012

Ein Nachruf von Nima Shirazi auf das gestern verstorbenen Mitglied der Stern-Bande: „Death of a self-avowed terrorist: Former Israeli PM Yitzhak Shamir Goes to the Great Hague in the Sky“Mondoweiss, 1. Juli 2012.

Die wahren Feinde Israels

Montag, Juni 18th, 2012

Gastkommentar von Avraham Burg, Sprecher der Knesset von 1999 bis 2003 und ehemaliger Vorsitzender der Jewish Agency sowie der World Zionist Organization über Siedlungsbau und „israelische“ Waren aus dem Westjordanland: „Die wahren Feinde Israels“Neue Züricher Zeitung, 14. juni 2012 (Danke an Matthias für den Hinweis)

Ins Lager mit den Menschenrechtsaktivisten

Donnerstag, Mai 31st, 2012

Shamalov Berkovich von Kadima (!) dreht frei: „Kadima MK: Send human rights activists to prison camps“ynet, 29. Mai 2012

Stumpf unkommentiert

Donnerstag, Mai 24th, 2012

Unkommentiert frisst Sivan Wüstemann nach den jüngsten Ausschreitungen in Tel Aviv den rassistischen Dreck, den die israelische Rechte vorkaut und spricht davon, dass Politiker über illegale Einwanderung „diskutieren“ würden. Da möchte man nur noch kotzen. Aber lest selbst: „Rückführen oder Abschieben?“Israelische Botschaft Jüdische Allgemeine, 24. Mai 2012.

Zensur auf den Linken Buchtagen 2012 in Berlin

Donnerstag, Mai 24th, 2012

Während das Szeneblättchen Jungle World, in dem (nicht nur) das Bahamas-Kollektiv oder deren Ehemalige seit Jahren ihren antimuslimischen Rassismus und Antisemitismus Philosemitismus verbreiten, ungehindert an den Linken Buchtagen in Berlin Mitte Juni teilnehmen darf, wird der Laika-Verlag aus Hamburg kurzerhand ausgeschlossen.

Warum? Man maßte sich an, das Buch „Midnight on the Mavi Marmara – The Attack on the Gaza Freedom Flotilla and How It Changed the Course of the Israel/Palestine Conflict“ zu übersetzen und herauszugeben. Autoren dieses Sammelbandes über den Angriff der israelischen Marine auf die sog. Gaza-Flotte sind unter vielen anderen Noam Chomsky, Moshe Zuckermann, Omar Barghouti, Haneen Zoabi, Sara Roy und Norman Finkelstein.

Was für Lügen über den blutigen Überfall der IDF beispielsweise in der Konkret von selbsternannten, auch in der Jungle World schreibenden „Freunden“ Israels wie Alex „Schuld ist nicht der Siedlungsbau, sondern der Judenhass der Araber“ Feuerherdt verbreitet wurden, habe ich schon damals sehr präzise offen gelegt. Aber lediglich lügen reicht wohl nicht mehr aus, um die harten Fakten aus der eigenen Realität zu streichen. Denn um so mehr über die Menschenrechts­verletzungen oder die Geschichte Israels vor allem durch israelische Dissidenten weltweit der Öffentlichkeit bekannt wird, um so weniger schaffen es die Apologeten der herrschenden israelischen Politik diese Belege noch zu leugnen oder zu verschleiern. Wieder einmal bedarf es der Zensur. Man kann nur hoffen, dass sich viele Verlage dem Solidaritätsaufruf des Laika-Verlags anschließen und diese Buchtage zu einer einsamen Farce werden lassen.

Mit Scheiße bespritzt

Montag, März 19th, 2012

Der israelische Blogger Uri Shani schreibt dem Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Hannover, Kay Schweigmann-Greve, nach dessen Kritik an Sigmar Gabriels Apartheidsvergleich:

Sehr geehrter Herr Schweigmann!

Mein Name ist Uri Shani, ich bin Israeli.

Ich danke Ihnen, dass ich durch Sie über den Besuch von Herrn Gabriel und über seine Stellungnahme hörte.

Ich danke Ihnen auch, dass Sie versuchen, mich zu verteidigen. Ich bitte Sie, dies in Zukunft zu unterlassen.

Waren Sie einmal in Hebron?

Ich war das letzte Mal vor zwei Wochen dort, ich wurde vom Militär des Staates, dem ich unerträglich hohe Steuern zahle, mit Scheiße bespritzt. Und ich meine das wörtlich. Drei Tage lang habe ich gestunken, weil ich gegen die Apartheid in Hebron und in diesem Land überhaupt demonstrieren wollte. Als wir mit der Demonstration begonnen hatten, kam gerade ein Beerdigungszug auf die Straße. Wir ließen sie durch, damit sie nicht warten mussten. In diesem Moment hat das israelische Militär Stellung bezogen und danach auch den Toten mit Scheiße bespritzt, denn als Palästinenser darf man in diesem Land nur mit Scheiße bespritzt begraben werden.

Ich habe geweint, weil wir auch mit Tränengas bombardiert wurden.

Herr Schweigmann, das hatten wir nicht nötig, denn aus Wut und Trauer hätten wir sowieso geweint.

Solche Schläge ins Gesicht, Herr Schweigmann, erhalte ich sehr oft, weil ich nicht zufrieden bin hier. Die Äußerung von Herrn Gabriel aber gibt mir Mut und stärkt mich. Nicht alle Deutsche lassen sich mit der Antisemitismuskeule erschlagen.

Was haben Sie, Herr Schweigmann, gegen das Massaker in Homs gemacht?

Die palästinensischen Bewohner von Hebron, und auch in Ramallah und in Haifa, haben wenigstens dagegen demonstriert.

Warum betonen Sie eigentlich, dass Israel ein „souveräner und demokratischer Staat“ sei. Soll ich Ihnen sagen, was ich davon halte?

Ich bitte Sie, Herr Schweigmann, wenn Sie mich unterstützen wollen, dann verhindern Sie doch bitte zum Beispiel die nuklearen U-Boot-Geschäftes ihres Staates mit Israel. Oder kommen Sie doch wenigstens einmal und sprechen Sie mit den Opfern dieser Regierung, auch mit den Staatsbürgern, die kein Haus haben, keine Arbeit haben, kein Essen haben. Darunter sind auch Schoah-Überlebende, Herr Schweigmann.

Ansonsten – bleiben Sie, wo Sie sind und lassen Sie mich wenigstens um mein Leben kämpfen! Die Scheiße, mit der ich von meiner Regierung bespritzt werde, reicht mir.

Mit freundlichen Grüßen,

uri shani (M.A.)

Die taz über Hebron

Samstag, März 17th, 2012

„Ein halber Tag in Hebron, und man kapiert, wie die Besatzung funktioniert.“ Susanne Knaul beschreibt die Lage in Hebron: „Erleben, was Besatzung heißt“taz, 16. März 2012