Archive for the ‘Märchen und andere Geschichten’ Category

„Israel und die Bombe“ – Eine neue Rechtfertigung für den Sechstagekrieg

Dienstag, August 7th, 2012

Vor einiger Zeit zeigte Arte in Koproduktion mit dem ZDF die Dokumentation „Israel und die Bombe – Ein radioaktives Tabu„. Darin zeichnet der Filmemacher Dirk Pohlmann nicht nur die Entwicklung der israelischen Atomwaffen nach, sondern malt auch ein Bedrohungsszenario für die  restliche Welt:  Unterstützt von Frankreich, Großbritannien und auch Deutschland bastelte Israel einige Jahre an seinen Atommeilern herum, um atomwaffenfähiges Material anreichern zu können. Im Jahre 1967 sei die erste Atomwaffe fertiggestellt gewesen. Die perfekte Abschreckung gegen jegliche Gegner, die vor haben könnten, Israels Existenz zu gefährden. Und gleichzeitig das Mittel, um jeden unnachgiebigen Gegner, weltweit, bedrohen zu können.

Eine ganz große Verschwörung

Aber weniger der aktuelle politische Konflikt mit dem Iran und die Undurchschaubarkeit der Atompolitik Israels – Grass lässt grüßen – weckte meine Aufmerksamkeit. Vielmehr war die Dokumentation gespickt mit Verschwörungstheorien und Andeutungen: der frischgebackene Präsident Frankreichs, General de Gaulle, hätte sich gegen einen konspirativ wirkenden „Club“  in den eigenen Reihen durchsetzen müssen, als er entdeckte, dass Frankreich atompolitisch eng mit Israel zusammenarbeitete und er dies daraufhin beenden wollte. Nach Kennedys Ermordung sei die amerikanische Zusammenarbeit mit Israel verstärkt worden: Kennedy hätte vor seiner Ermordung Israel noch jegliche Wirtschaftshilfe streichen wollen, während sein Nachfolger Lyndon B. Johnson sehr israelfreundlich gewesen sei. Und: Während des Sechstagekriegs hätten die USA sogar Kairo mit taktischen Nuklearwaffen angreifen wollen.1

Neben diesen Andeutungen und unterstellten Verschwörungen wird ganz am Rande aber auch eine neue Version der Rechtfertigung des Sechstagekriegs abgespult. Erinnern wir uns: Im Juni 1967 griff Israel präventiv, so heißt es, Jordanien, Syrien und Ägypten an und eroberte die Sinai-Halbinsel, Gaza, das Westjordanland inklusive Ostjerusalem und die Golanhöhen. Nachdem jahrzehntelang die populärwissenschaftliche Geschichtsschreibung behauptete, Israel habe sich nur präventiv gegen seine Vernichtung verteidigt, wurde dies nach Öffnung der IDF- und Staatsarchive vor allem durch die neuen Historiker grundlegend angezweifelt und widerlegt.2

Zeit für eine neue Rechtfertigung. Trotz der heute objektiveren Betrachtung dieses Konflikts schaffen es manche Propagandaschriften noch immer, hoch in den Bestsellerhimmel aufzusteigen, und werden sogar oft von Universitätsverlagen veröffentlicht oder durch den akademischen Betrieb gelobt. In der Dokumentation „Israel und die Bombe“ kommen dann unter anderen auch die beiden Autoren Isabella Ginor und Gideon Remez zu Wort.  In ihrem 2007 erschienen Buch Foxbats over Dimona: The Soviets‘ nuclear gamble in the Six-Day War behaupten sie, 1967 sei der Höhepunkt einer sowjetischen Verschwörung zur Zerstörung des israelischen Atomwaffenprogramms gewesen. Diese Verschwörung wäre der wirkliche Grund für den Sechstagekrieg. Aber nicht nur das. Auch die Araber, die Israelis und die USA hätten in den letzten 40 Jahren versucht, diese Verschwörung zu vertuschen.

Der sowjetische Plot

Das Hauptargument der beiden ist dann auch, dass die Sowjetunion in den 60ern panisch darüber wurde, Israel könne atomwaffenfähiges Material in ihrem Reaktor Dimona produzieren. Es habe den Sowjets und ihren arabischen Verbündeten jedoch an einem legitimen Grund gefehlt, Israel angreifen zu können und das Atomwaffenprojekt zu zerstören. Die Sowjets hätten daher gewollt, dass Israel zuerst die arabischen Staaten angreife, damit diese und die UdSSR dann in einem Gegenangriff den Reaktor zerstören könnten. Weil Israel der Aggressor gewesen wäre, hätte die USA dann still halten müssen. Alles lief nach Plan. Aber am 5. Juni vereitelte Israels Überraschungsangriff jede Möglichkeit, das Unternehmen erfolgreich zu beenden. Israel hatte sich  gemäß der beiden Autoren demnach nur gegen die UdSSR und die arabischen Staaten gewehrt, als es Ägypten, Syrien und Jordanien angriff.

Eindeutige Beweise bzw. „smoking guns“, wie die sie es selbst nennen, haben die beiden Autoren indes nicht. Sie interpretieren und kontextualisieren nach eigener Aussage lediglich Indizien, um die Theorie über eine sowjetische Verschwörung zu stützen. Man merkt schon: da kommt eine strenge Beweisführung auf einen zu. Auffällig sei, so Norman Finkelstein, dass keiner der Beteiligten, weder die Araber nach dem gescheiterten Plot noch ehemalige sowjetische Kommunisten nach 1989, als die Sowjetunion implodiert war, hervortrat und diese Verschwörung offenlegten Auch bringen die beiden Autoren keinen Grund, warum Israel und die USA diese „Verschwörung“ bis heute decken sollten.

Finkelstein widmet sich in seinem neuesten Buch Knowing too much – Why the American Jewish Romance with Israel Is Coming to an End3 in mehreren Kapiteln aktuellen pro-israelischen Propagandaschriften, die gänzlich dem Stand der Wissenschaft widersprechen. Neben Publikationen von Michael Oren, dem israelischen Botschafter in Washington4, Dennis Ross, dem ehemaligen Chefunterhändler der USA im Nahen Osten5, und anderen, nimmt er sich in einem kürzeren Kapitel auch das Werk von Remez und Ginor vor und stellt das Ergebnis sogleich voran: Nicht einen Beweis könnten die beiden Autoren für ihre Behauptung vorbringen.6

Leere Fußnoten

Beispiele für die „Kontextualisierung“ der beiden Autoren bringt Finkelstein en masse:  Da Kommunisten immer das Gegenteil von dem meinen, was sie sagen, musste die Aussage des Außenministers Andrei Gromyko an die Adresse Abba Ebans sehr ernst genommen werden: „Weil Israel nicht vor hat, die UdSSR zu umzingeln, hat die UdSSR keinen Grund, Angst vor Israel zu haben oder Feinschaft gegenüber Israel zu hegen.“

Schritt für Schritt dekonstruiert Finkelstein das Buch der beiden Autoren Ginor und Remez.7 Der Beweis für die sowjetische Verschwörung, so die beiden, sei vor allem, dass es keinen Beweis gebe. Gerade so sensible militärische und politische Entscheidungen würden sich in keinen Dokumenten wiederfinden. Zurecht fragt Finkelstein, warum sie nicht einfach leere Blätter als Fußnoten angegeben haben.

Nachdem 1966 eine radikale Fraktion in Syrien die Macht übernommen hatte, hätte Syrien auf Geheiß des Kreml Israel der Aggression beschuldigt, um einen eventuellen militärischen Konflikt zur Beendigung des israelischen Atomwaffenprogramms zu nutzen. Die Realität sah jedoch genau so aus, wie von Syrien behauptet. So zeigte neben vielen anderen8 der israelische Militäranalyst Zeev Maoz, dass Israels andauernden Grenzüberschreitungen und Angriffe auf syrisches und jordanisches Territorium den Konflikt, der im Sechstagekrieg mündete, maßgeblich anheizte.

Im April 1967 kam es zu einem weiteren Grenzkonflikt zwischen Israel und Syrien, bei dem Israel sechs syrische MiGs abschoss und israelische Kampfflugzeuge über Damaskus kreisten. Laut den beiden Autoren sei dies alles durch die Sowjets initiiert worden. Nach Aussage Moshe Dayans wurden solche Grenzkonflikte, die in diesem Fall in einem Luftgefecht endeten, jedoch routinemäßig durch Israel veranlasst.9 Schon im Mai 1967 wollte Israel Syrien angreifen10, die Sowjets bekamen jedoch Wind von diesem Plan und warnten Ägypten und Syrien. Infolgedessen waren die Zeitungen in den USA und Europa voll von Artikeln über die israelischen Drohungen gegen Syrien.11 Die Frage war also nicht, ob Israel Syrien angreifen würde, sondern wann.

Worauf sich alles stützt

Ihr Hauptaugenmerk richten die beiden Autoren in ihrem Buch auf angebliche Spionageflüge der Sowjets über der Atomanlage Dimona. Diese Behauptung wird dann von Pohlmann kritiklos in der Dokumentation „Israel und die Bombe“ reproduziert. Kurz vor Ausbruch des Kriegs hätten sowjetische MiG-25, sog. „Foxbats“ (dt.: Fuchsfledermäuse) die israelische Atomanlage überflogen. Diese Spionageflüge würden die Theorie der sowjetischen Verschwörung stützen. Denn sie hätten die UdSSR nicht mit Informationen versorgen,12 sondern laut der Autoren Israel so sehr provozieren sollen, dass es endlich einen Präventivangriff starten würde. Seltsamerweise jedoch wisse Israel bis heute nichts von den Flügen, da der Kreml dies erfolgreich geheim gehalten habe. Aber was nicht bekannt gewesen ist, konnte doch auch nicht provozieren, oder?

Doch angenommen, solche Flüge hätten Israel tatsächlich provozieren können: Haben sie überhaupt stattgefunden? Die beiden Autoren fokussieren sich auf den sowjetischen Piloten Aleksandr Vybornov. Dieser sei vom Kreml abgestellt worden, um die Intervention gegen Israel zu führen. Er soll auch eine der Foxbats über Dimona geflogen haben, die die Krise zum Überkochen bringen sollten. Das Problem dabei ist nur, dass Vybornov erst nach dem Krieg in Ägypten eintraf. Es ist zwar bekannt, dass sowjetische Piloten nach dem Sechstagekrieg 1967 in Ägypten stationiert wurden und an Missionen teilnahmen. Es gibt jedoch bisher keinen Beweis, dass dies auch schon vor dem Ausbruch des Kriegs geschah.

Vybornov soll laut Remez und Ginor den israelischen Angriff auf die ägyptische Luftwaffe selbst miterlebt und darüber hinaus über seine dortigen Erfahrungen, die zum Krieg im Juni 1967 führten, mit einem amerikanischen und einem israelischen Offizier gesprochen haben. Beide „Zeugen“ (ein amerikanischer Oberstleutnant und ein israelischer Brigadegeneral) konnten die Behauptung jedoch nicht stützen. Der Israeli Nachumi mailte Finkelstein, dass er zwar mit Vybornov gesprochen habe, aber nicht über den Sechstagekrieg. Und der Amerikaner McFarland gab gegenüber Finkelstein an, dass er sich nicht daran erinnere, über welche Zeit (vor oder nach dem Juni-Krieg) Vybornov gesprochen habe.

Wichtiger jedoch ist, dass Vybornov selbst alle Behauptungen der beiden Autoren widerlegt, indem er 2008 gegenüber Finkelstein angab, dass er an keiner Mission vor dem Krieg im Juni 1967 beteiligt war; dass weder er und noch ein anderer sowjetischer Pilot eine MiG über Dimona geflogen habe; dass er kein Augenzeuge eines israelischen Angriffs auf ein ägyptisches Flugfeld gewesen sei und dass er selbst erst im Juli 1967 nach Ägypten kam, um ägyptische Piloten darin auszubilden, MiG-17, MiG-21 und Su-7 zu fliegen.

Nur mies recherchiert?

Angeblich wüssten sowohl auch die USA von den sowjetischen Überflügen, aber auch sie habe bis heute nie einen Ton darüber verloren. Die These des gesamten Buches stützt sich aber gerade auf diese Spionageflüge, die anscheinend nie stattfanden. Sogar eine amphibische Invasion und einen Nuklearschlag soll die UdSSR gegen Israel geplant haben. Ja selbst der israelische Angriff auf die U.S.S. Liberty soll Fingerabdrücke der UdSSR besitzen. Und so geht die Behauptung, Israel habe mit dem Sechstagekrieg lediglich auf eine sowjetische Bedrohung gegenüber dem israelischen Atomwaffenprogramm reagiert, unhinterfragt in die Dokumentation „Israel und die Bombe“ ein. Wieder einmal haben Arte und die ZDF-Reihe History gezeigt, wie seriös sie sein können.13

http://www.youtube.com/watch?v=46YHQUW11fA

 

  1. Ich will nicht behaupten, dass die Fakten und Behauptungen gänzlich unrichtig sind. Es mag durchaus viel Wahrheit an den Beispielen und behaupteten Ereignissen sein. Die Hintergrundstory zu den Atomwaffen selbst mag durchaus korrekt sein.  Aber darum soll sich dieser Beitrag hier auch nicht drehen. []
  2. Vgl. dazu Tom Segev: 1967 – Israels Zweite Geburt und Benny Morris: Righteous Victims – A History of the Zionist-Arab Conflict, 1881 – 2001. []
  3. Die Kernaussage des Buches ist, dass die überwiegend liberalen amerikanischen Juden sich immer weiter von Israel wegbewegen, weil sie die aggressive Innen- und Außenpolitik des Staates – insbesondere den Siedlungsbau und die Menschenrechtsverletzungen vor allem gegen die Palästinenser – nicht mehr rechtfertigen können und wollen. []
  4. Michael Oren – Six Days of War: June 1967 and the making of the modern Middle East []
  5. Dennis Ross – The Missing Peace: The inside story of the fight for Middle East peace []
  6. Norman G. Finkelstein: Knowing too much – Why the American Jewish Romance with Israel Is Coming to an End – Kapitel 8, Seite 183 – 201. []
  7. Es wäre müßig, jede einzelne Aussage der beiden und deren Widerlegung aufzuschreiben, darum bleibe ich bei den Kernpunkten. []
  8. Zu nennen wäre hier auch  der ehemalige Außenminister Shlomo Ben-Ami []
  9. Maßgeblich für die Eskalation war auch ein völlig unverhältnismäßiger israelischer Angriff auf das jordanische Dorf Samua im November 1966, bei dem 18 jordanische Soldaten und Zivilisten getötet und 125 Häuser des Dorfes gezielt zerstört wurden. Und das alles trotz der streng verfolgten jordanischen Politik, palästinensische Kämpfer vom Übertritt der Grenzen abzuhalten. []
  10. Auch hier kam es zu immer heftigeren Kämpfen vor allem in der demilitarisierten Zone, da Israel vielfach versuchte, die Zone zu entvölkern und dann die Grenze zu eigenem Gunsten neu zu ziehen. []
  11. Vgl. u.a. die Titelseite der New York Times vom 12. Mai 1967: „Israel erwägt Militärschlag gegen Syrien“; Le Monde schrieb in einem Leitartikel, es sei „nur eine Frage der Zeit“, bis Israel Syrien angreife. []
  12. Nach Aussage der Autoren waren die Sowjets durch ihre Spione völlig im Bilde, was in Dimona abläuft. []
  13. Zur Ehrenrettung des Filmemachers Pohlmann muss gesagt werden, dass nicht nur er da einem riesigen „hoax“ auf den Leim gegangen ist. Finkelstein bringt zur Belustigung der Leser am Ende des Kapitels ein Dutzend Kurzrezensionen – von Lawrence Freedman (Foreign Affairs) über Daniel Pipes (New Yorks Sun) oder Mark N. Katz (Middle East Journal) bis Benny Morrris (New Republic) – die alle das Buch in höchsten Tönen loben…was kein gutes Licht auf die Lobenden wirft. []

Brand Israel: „Sounds of Israel“

Dienstag, Februar 14th, 2012

In Hamburg veranstaltet die Elbphilharmonie in Zusammenarbeit mit der israelischen Botschaft und der Bundesregierung unter großem medialen Beifall [1, 2, 3] das Israel-Festival „Sounds of Israel“. Die palästinensische Gemeinde protestiert: „‚Sounds of Israel‘ angesichts von Besatzung, Landraub und Zerstörung?

Der „Lanzmann-Skandal“ oder Die Geschichte eines gemeinschaftlichen Tabubruchs

Freitag, Dezember 16th, 2011

Auf Hintergrund erschien vor einigen Tagen eine Zusammenfassung der Geschehnisse um das Internationale Zentrum B5 in Hamburg und den Denunzianten, Rassisten/Antisemiten und in der Linken immer noch geduldeten Lars E. alias Lars Quadfasel, aufgrund dessen Lügen ein Antifaschist verurteilt wurde. Die KAH veröffentlichte nun ebenfalls einen Artikel, der das Geschehen in einigen Aspekten noch etwas genauer betrachtet und daher hier in voller Länge wiedergegeben werden soll. Auch wenn ich inhaltlich bei weitem nicht mit der KAH übereinstimme, so sind viele ihrer Punkte über die Hamburger (radikalen) Linke, die im Grunde nur stellvertretend für große Teile der Linken in Deutschland steht, absolut zutreffend.


„Die Konsequenzen begrüßen wir!“

Kommunistische Assoziation Hamburg, 15.12.2011

Der „Lanzmann-Skandal“ oder Die Geschichte eines gemeinschaftlichen Tabubruchs

In Hamburg ist ein Antifaschist verurteilt worden. „Antideutsche“ und Neue Rechte hatten ihn wegen gefährlicher Köperverletzung und Nötigung angezeigt. Die Vorwürfe waren erlogen, aber Staatsschutz und -anwaltschaft waren die Denunzianten herzlich willkommen. Statt den Vorgang zu skandalisieren, schweigt Hamburgs „radikale“ Linke. Sie lässt „Antideutsche“ und Neue Rechte gewähren. In einigen Bereichen findet sogar eine Annährung statt; immer mehr rechte Ideologie – Bellizismus, Rassismus, Wohlstandschauvinismus – sickert in ihre politische Kultur ein. (mehr …)

Epilog zum „Lanzmann-Skandal“

Sonntag, November 27th, 2011

Nicht nur mich hat vor zwei Jahren die undifferenzierte Reaktion vieler linker Gruppen und Personen überrascht, als einige Antiimperialisten versuchten, eine Aufführung des Filmes „Warum Israel?“ von Claude Lanzmann durch antideutscher Rassisten und Antisemiten in Hamburg zu verhindern. Von Spex bis Junge Linke, alle waren sich in ihrem Urteil einig. Jetzt hat das Amtsgericht Hamburg diese antideutsche Schmierkomödie etwas aufgeklärt und Anna-Lena Bach fasst sie noch einmal treffend zusammen: Ausufernde Hysterie – Epilog zum „Lanzmann-Skandal“Hintergrund, 22 November 2011

Zuckermann zu Voigts und Salzborns Antisemitismusstudie

Dienstag, Oktober 4th, 2011

Eine Studie mit dem Titel „Antisemiten als Koalitionspartner?“ von dem Sozialwissenschaftler Samuel Salzborn und Sebastian Voigt, Gründungsmitglied des BAK Shalom in der Linksjugend solid, sorgte Ende Mai für großen Wirbel. Die gegen die Partei DIE LINKE zahlreich erhobenen Antisemitismusvorwürfe schienen nun endlich bewiesen. Die Fraktionen von CDU/CSU und FDP fühlten sich sogar veranlasst, eine Aktuelle Stunde im Deutschen Bundestag einzuberufen. Die Debatte im höchsten Parlament der Republik mit beschämend niedrigem Niveau geriet zeitweise zum Tribunal gegen die LINKE – ebenso die darauf folgende Medienkampagne. Die Redaktion Hintergrund interessieren die Fragen: Was taugt diese Studie eigentlich wissenschaftlich? Und welche ihrer Inhalte und Thesen machen sie so geeignet für die politischen Gegner, sie als ideologisches Geschütz gegen die LINKE in Stellung zu bringen? Hintergrund bat den israelischen Historiker Moshe Zuckermann um eine kleine Expertise. Weiterlesen. (Danke an Felix)

FAZ propagiert: „Es geht um das Existenzrecht Israels“

Freitag, August 12th, 2011

Die FAZ kaut einige der der bekanntesten Falschdarstellungen im Nahostkonflikt wieder. Von der angeblichen Zurückweisung des israelischen Angebots in Taba 2001 durch Arafat bis hin zur Absprache des Existenzrechtes Israels. Doch stimmen die Fakten?

So dreht man sich die Geschichte und Realität zurecht. Robert B. Goldmann schreibt heute in der FAZ:

Seit Begin, der den Friedensvertrag mit Ägyptens Anwar al Sadat schloss, was die Räumung der Sinai-Halbinsel erforderte, sind unter Jitzhak Rabin und Schimon Peres, Ehud Barak und Ehud Olmert, die dank amerikanischer Vermittlung Jassir Arafat und Mahmud Abbas die Hand drückten, alle Friedensbemühungen gescheitert. Präsident Clinton kam einem Erfolg am nächsten, als er und Barak kurz vor Ablauf beider Amtszeiten im Jahr 2000 glaubten, mit Arafat den Schlüssel zum Frieden gefunden zu haben. Die große Enttäuschung war, dass, wie Clinton berichtete, Arafat schließlich „nein“ sagte.1

Goldmann wiederholt hier eine oft gehört Unwahrheit: Israel wollte Frieden, aber Arafat konnte den Hals nicht voll genug bekommen und ließ die Verhandlungen von Taba scheitern. Wie sieht die Realität aus?

Arafat, Barak und Clinton (Bild: Die Welt)

Man hatte sich 2000 in Camp David darauf geeinigt, dass 94-96% der Westbank mit weiteren 1-3% israelischen Territoriums als Ausgleich für die Siedlungen den zukünftigen palästinensischen Staat ausmachen sollten. Ost-Jerusalem  sollte anhand ethnischer Linien geteilt werden: die jüdischen Viertel und Heiligtümer sollten an Israel gehen, die arabischen Viertel und islamischen Heiligtümer sollten Teil des palästinensischen Staates werden. Dies war die Grundlage der Verhandlungen in Taba und beide Seiten akzeptierten diese. (mehr …)

  1. „Es geht um das Existenzrecht Israels“ – FAZ Printausgabe, 12 August 2011; Hervorhebnungen durch Schmok  []

Jungle World: Man muss Broder dankbar sein!

Sonntag, August 7th, 2011

Floris Biskamp schreibt in der Junge World über legitime Judentumkritik … äh…Islamkritik und Ressentiment und stellt ganz unschuldig fest, man müsse :

[…] Broder für vieles, was er schreibt, und dafür, wie er es schreibt, dankbar sein (sic!) […], auch wenn er reale Probleme im Islam benennt und verklärende Islambilder zu Recht kritisiert, weckt er bisweilen doch auch irrationale Ängste. […] Aus seinen Texten spricht sowohl emanzipatorische Kritik (sic!) als auch ein gewisses Ressentiment.

Und für was genau soll man dem Rassisten, Nationalisten und Sexisten Henryk M. Broder jetzt dankbar sein? Da bitte ich doch mal um Aufklärung (haha).

 

 

Nachtrag zur israelischen PR-Offensive

Donnerstag, Juli 28th, 2011

Da war das israelische Außenministerium aber sehr einfallslos. Wie Mondoweiss berichtet, ist das Video über das Westjordanland 1:1 aus dem Video des rechten Siedlerrats übernommen. Shlomo Blass, der selbe Filmemacher, der zusammen mit der bei der JP schreibenden Caroline Glick das widerlichen Video „We con the world“, was sich über die Toten und Verletzten auf der Mavi Marmara lustig machte, produzierte – und mit dem sich die beiden damals in die Herzen junger deutscher Szenelinker emporhoben – hat auch diese beiden fast identischen Videos produziert. Darum auch noch mal gleich das zweite zum direkten Vergleich:

Und um Beckerman im Forward auf hier zu beziehen: Ist denn keiner von euch Jungle World- und konkret-Lesern oder Fans von Leuten wie Schulz oder Feuerherdt auch nur im mindesten beunruhigt? Wirklich so einfach mal gar nicht?

Neues von der PR-Offensive der israelischen Regierung

Montag, Juli 25th, 2011

Public Relations ist heute eine wichtige Waffe westlicher Regierungen bei der Aufrechterhaltung ihrer Ordnung. Die Erziehung des mal mehr, mal weniger demokratischen Bürgers endet nie und geht bis ins hohe Alter weiter. Mit der PR der rechten Regierung Israels lief es jedoch bisher nicht allzu positiv: Trotz massiver Kampagnen steht es nicht sehr gut um den Ruf der einzigen Demokratie des Nahen Ostens. Zu offensichtlich ist die rassistische Unterdrückung der Palästinenser nicht nur in Gaza und in der Westbank, wo laut Netanjahu inzwischen mehr als 600.000 Siedler leben und mehr als 40% der Fläche von diesen beansprucht und genutzt wird: sei es durch Straßen und andere Infrastruktur, Felder oder Siedlungen. Nicht zu reden von der „Aufteilung“ des vorhandenen Wassers. Auch die Lage der palästinensischen Israelis verschlechtert sich stetig. Zudem läuft auch noch das eigene jüdische und zumeist linksliberale Personal weg: dieses Jahr sollen schon 600.000 Israelis das Land gen Westen verlassen haben. Ob das wohl am gesellschaftlichen Klima liegt? Dem Tourismus junger deutscher AkademikerInnen tut das aber keinen Abbruch. Die plagt da wohl eine ganz andere Obsession.

Nun, da die palästinensische Seite die Anerkennung durch die UN-Vollversammlung anstrebt, steht die israelische Regierung aufgrund des letzten Libanonkrieges, dem Massaker in Gaza bei gleichzeitigem Embargo, der Ermordung einiger Passagiere der Mavi Marmara und nicht zuletzt der innerisraelischen Gesetzesänderungen und Gesetzesinitiativen der letzten Monate mit dem Rücken gegen die Wand. Einzige Gewissheit ist, dass die USA schützend ihre Veto-Hand über den jüdischen Staat hält, so dass eine Anerkennung durch den Sicherheitsrat scheitern wird. Dennoch fühlt sich die israelische Seite dazu genötigt gegen diese Anerkennung der Vollversammlung, die mit erwarteten 140 Stimmen für den palästinensischen Antrag als sicher gelten kann, mobil zu machen.

Vor einigen Tagen, als die zweite Gazaflotte am Auslaufen gehindert wurde, tauchte ein von der Regierung produziertes neues Video auf, das eine junge westliche Frau als Verkörperung der israelischen Gesellschaft bei einem Gespräch mit einem Therapeuten zeigt und das Trauma und die Ängste dieser verdeutlichen soll.

Viel interessanter ist aber eine aktuellere Produktion. Seit kurzem gibt es einen offiziellen „Appell“ des israelischen Außenministeriums das Westjordanland nicht mehr als „besetztes Gebiet“ zu bezeichnen, sondern „umstrittenes“. Das Video ist so unglaublich dreist und die Geschichte verfälschend, dass ich es einfach mal unkommentiert zeigen möchte. So einfach und schön kann die Wahrheit sein.

Voigt und Salzborn: Ein Schwindel kommt groß raus

Dienstag, Juni 14th, 2011

Ich habe selten einen inhaltlich größeren Unfug gelesen, als den von Sebastian Voigt und Samuel Salzborn wahrlich „produzierten“ Text, der  genüsslich von der bürgerlichen Presse zitiert wird und die Linkspartei in den letzten Tagen in so große Bedrängnis gebracht hat. Man muss kein Freund der LINKEN sein, um zu sehen, dass hier ein „hoax“ zusammengezimmert wurde. Mit dem entsprechenden Aufwand wäre es wahrscheinlich nicht allzu problematisch die meisten ihrer daher gelaufenen Argumente und viele der Quellen auseinander zu nehmen. Aber weil ich keine Lust und vor allem keine Zeit habe, muss ein Interview mit Peter Ullrich reichen: „Linker Antisemitismus?“Telepolis, 11. Juni 2011