Archive for the ‘Krieg’ Category

Wer Antisemit ist, bestimme ich!

Dienstag, April 10th, 2012

Und noch ein exzellenter Beitrag zum Thema Günter Grass. Moshe Zuckermann über den inflationären Gebrauch der Anklage des Antisemitismus: „Wer Antisemit ist, bestimme ich!“taz, 10. April 2012

Was auch noch gesagt werden muss

Montag, April 9th, 2012

Während der Mainstream über Grass herfällt, viele jedoch vor Grass kapitulieren, versuchen sich andere in einer ideologiekritischen Analyse. Dabei richtet vor allem Moshe Zuckermann das Auge auf den Hauptgrund des Konflikts zwischen Israel und dem Iran sowie auf die Banalisierung des Holocausts durch die israelische Botschaft, Graumann und Co. Noam Chomsky, Rolf Verleger, Moshe Zuckermann und andere über Gedichte, Grass und das Freidrehen der Medien: „Was auch noch gesagt werden muss“Hintergrund, 6. April 2012

Freerk Huisken über das Gedicht von Günter Grass

Sonntag, April 8th, 2012

Deutscher Großdichter als Weltgewissen national abgewatscht

1. Die Sache

G. Grass hat in dem Gedicht, das seit Tagen für Wirbel sorgt,  darauf verwiesen, dass die Atommacht Israel den „ohnehin brüchigen Weltfrieden“ mit der Androhung eines atomaren Erstschlags gegen den Iran gefährdet. Zugleich greift er die deutsche Regierung an, die sich mit der Billigung von U-Boot-Verkäufen an Israel zum „Zulieferer eines Verbrechens“ machen könnte. „Internationale Instanzen“ fordert er abschließend auf, die Atomanlagen bzw. atomaren Potentiale beider Staaten einer permanenten Kontrolle zu unterziehen.

G. Grass - Ein deutscher Dichter

Natürlich hat Grass mit dem politischen Gedicht etwas getroffen. Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass sich Israel auf einen Militärschlag gegen den Iran vorbereitet und deutsche U-Boote Instrumente der militaristischen Außenpolitik dieses Staates sind. Aber das pfeifen ohnehin die Spatzen von den Dächern. Die allgemeine Verurteilung, die sein Standpunkt erfährt, bezieht sich denn auch auf die Behauptung, dass es der Staat Israel ist, der als Kriegstreiber eine Gefahr für den Weltfrieden darstellt.

Um Grass jene Ehrenrettung widerfahren zu lassen, die die politische Sache verdient, die er angesprochen hat, sollte man mit seiner Kritik nicht zurückhalten. Die Lage im Nahen Osten kennzeichnet er nämlich nicht genau: Denn das mächtige und die Lage in Middle-East damit bestimmende Subjekt der Feindschaftserklärung an den Iran ist nicht der Staat Israel, sondern sind die USA. Denen passen weder die eigenständigen, von Russland und China gedeckten außenpolitischen Ambitionen des Mullahstaates noch die Verwendung von Einnahmen aus Ölverkäufen für die dafür nötige militärische Ausstattung und schon gar nicht eine Etablierung als Atommacht, mit der sich der Iran als Souverän eine gewisse Unangreifbarkeit in der Region schaffen könnte, in ihre Pläne für den Nahen Osten. Erst daraus ergibt sich die Rolle Israels im aktuellen „Konflikt“: Dieser Staat entdeckt in den US-amerikanischen Absichten, den geostrategisch und wegen der Rohstoffvorkommen bedeutsamen Nahen Osten vollständig unter Kontrolle zu bekommen, die Gelegenheit, sich zugleich damit seiner eigenen regionalen Feinde zu entledigen. Nur zu gern würde der Staat Israel deswegen unter dem Schutz der USA die Vorhut einer militärischen Operation bilden, mit der dem iranischen Staat unter Inkaufnahme von massenhaftem Tod und Zerstörung westliche Lebensart verpasst werden soll. Doch noch bremst Obama seinen „Kettenhund“ Netanjahu, weil er darauf setzt, mit „friedlichen“ Mittel – als da sind: der Ausschluss der iranischen Wirtschaft vom Weltmarkt, inklusive der Verpflichtung der Verbündeten, sich diesen Maßnahmen anzuschließen, das Einfrieren aller auswärtig deponierten Finanzmittel, die Liquidierung von iranischen Atomphysikern, die Anstachelung einer inneren Opposition, die Einreiseverbote von Diplomaten in westliche Staaten, Drohungen an die Adresse von Verbündeten des Iran usw. – dasselbe Ziel erreichen zu können. Und gegenwärtig scheint der Friedensnobelpreisträger aus dem Weißen Haus eine gute Chance zu sehen, mit dieser Sorte Angriff auf die Lebensgrundlagen des iranischen Staates das Mullahregime  kippen zu können; natürlich ohne dabei auf die militärische Option mit ihren weltweit unkalkulierbaren Auswirkungen zu verzichten. Umgekehrt: Deren ständige Erneuerung nebst der nur verhaltenen Kritik an den israelischen Plänen – Obama untersagt seinem treuesten Verbündeten nichts, sondern bremst ihn nur – untermauern die Wirkkraft jener diplomatischen, ökonomischen, terroristischen und geheimdienstlichen Angriffe, die weltöffentlich nur deshalb unter „Friedensmaßnahmen“ laufen können, weil sie immer an der für westlich gepolte Hirne geradezu apokalyptischen Vorstellung gemessen werden, die Mullahs im Iran könnten dereinst über Atombomben verfügen und damit glatt dem Westen den Zugriff auf die gesamte Region erschweren.

Das ist die Lage. Und in der gibt der – nicht unbegründete – Verdacht, der Iran könnte Atombomben bauen, einen Grund und den zentralen Anlass für ein imperialistisches Interesse der USA nebst seiner Nato-Verbündeten ab. Deswegen passt auch eine Atommacht Israel den USA ins Konzept und deswegen würde dieselbe militärische Ausstattung des Iran für sie einen nicht zu duldender Kontrollverlust über eine Weltgegend darstellen, auf die der „freie Westen“ sich ein Zugriffsrecht zurechnet.

Grass reduziert – wenigstens in seinem Gedicht – die Gefahrenlage in der Region auf einen Atomschlag Israels, verharmlost damit erstens jenes Arsenal an Drohungs-, Erpressungs- und Eingriffsinstrumentarien, über das die führenden Imperialisten nun einmal verfügen und mit dem sie unterhalb des militärischen Zuschlagens identische Ergebnisse zu erreichen versuchen. Zweitens unterschätzt er die Abhängigkeit der Außenpolitik des Staates Israel von den USA. So ernst es der israelischen Führung auch ist, diesen Feind militärisch kleinkriegen zu wollen – ohne Zustimmung und vor allem ohne Unterstützung durch das militärische Arsenal der USA wird dieser Staat nicht losschlagen. Weswegen es drittens auch von einer gewissen Blauäugigkeit zeugt, ausgerechnet „internationale Instanzen“, die ohne eine in ihnen festgezurrte Führungsrolle der USA nur Papiertiger sind, mit der Domestizierung jenes doch gerade von der Weltmacht Nr.1 eingeplanten und aufgerüsteten israelischen Militarismus beauftragen zu wollen. Schließlich erweckt Grass den Anschein, als ginge es Deutschland bei der Lieferung von U-Booten an Israel nur ums Geschäft. Dem ist nicht so. An keinen Staat der Welt liefert der Rüstungsexporteur Deutschland militärisches Gerät von diesem Kaliber, wenn er nicht die Zwecke teilt, für die sie eingekauft werden. Deutschland betätigt sich vielmehr an führender Stelle als ein Verbündeter der Nah-Ost-imperialistischen Absichten der USA.

Soweit zu den politischen Einlassungen von Grass, zu den zutreffenden Urteilen und zu ihren Mängeln.

2. Das Gedicht

Grass, den Dichter, treibt aber leider noch mehr um. Er ist ganz deutscher Dichter und als solcher von einer ihn recht widersprüchlich umtreibenden Gewissensnot gepeinigt. Auf der einen Seite antizipiert er, dass er sich mit der Kritik am Staate Israel und seiner Führung bei jenen Deutschen den Antisemitismusvorwurf zuzieht, die zwischen rassistischem Antisemitismus und einer theoretischen Befassung mit der Außenpolitik dieses Staates nicht unterscheiden können bzw. dies gar nicht wollen. Grass weiß also um die polit-moralische Funktion dieser Gleichsetzung, weiß um die Heuchelei, die damit betrieben wird, und weiß folglich, dass deutsche Israel-Politik nichts mit „Wiedergutmachung“ zu tun hat, sondern unter diesem Titel jene anti-arabischen Übergriffe des Staates Israels im Nahen Osten billigt und sowohl finanziell als auch materiell stützt, die für die USA das zentrale imperialistische Einfallstor in den Nahen Osten waren und sind. Auf der anderen Seite jedoch entblödet sich der Dichter nicht, seine Israel-Schelte als Zugeständnis in diese national-moralische Heuchelei einzuwickeln. So heißt das Gedicht nicht etwa: „Israel gefährdet den Weltfrieden“, sondern: „Was gesagt werden muss“. Ein ums andere Mal ist ihm das demonstrative Vorführen seines schlechten Gewissens bei der Israel-Schelte fast wichtiger als diese selbst. Immer wieder – insgesamt fünfmal – hebt er mit der Vorführung seiner Seelenqual neu an: „Warum schweige ich…“, „warum untersage ich es mir, dieses Land beim  Namen zu nennen…“, „das allgemeine Verschweigen…, dem sich mein Schweigen untergeordnet hat…“, „sage ich, was gesagt werden muss…“, „warum sage ich jetzt erst…“ Der Mann ist also zugleich selbst durch und durch infiziert von jener deutschen Nachkriegsmoral, derzufolge sich Kritik von Deutschen an der Politik Israels nicht gehört; natürlich „wegen unserer Vergangenheit!“ Grass bekennt sich also zu dieser Direktive, die bei der Beurteilung von Krieg und Frieden im Nahen Osten immer nur ein Opfer kennt, den Staat Israel, und diesen ausschließlich von Täterstaaten umzingelt weiß, die ihm das „Existenzrecht“ rauben wollen – wenngleich ein Blick auf die jüngere Geschichte und die aktuelle Landkarte der Region das Gegenteil zeigt.

Es fragt sich da schon, was den Dichter eigentlich im Letzten umtreibt. Die Sorge um den Weltfrieden – was er im SZ-Interview vom 7.4. unterstreicht – oder die literarisch aufgemotzte Demonstration, dass er als Deutscher natürlich den Staat Israel nie ohne schlechtes Gewissen kritisiert. Aber wahrscheinlich passt letztlich beides gut zusammen: Wo sich dieser deutsche Großdichter schon so quält, seine Schelte zu Papier zu bringen, und diese Seelenqual immer wieder kalkuliert ins Gedicht selbst einbringt, da muss doch jedem Leser deutlich werden, von welchem Gewicht seine Anklage ist. Hätte sie für ihn leichter gewogen, wäre sie doch weder zu Papier gebracht noch zeitgleich in vier der größten Zeitungen der Welt untergebracht worden. Ärgerlich ist diese Tour schon: Als ob mit der Schmerzhaftigkeit von Geburtswehen bereits die Güte des hervorgebrachten Produkt feststehen würde!

Da äußert sich ein Dichter von Rang als Weltgewissen kritisch gegen die Politik des Staates Israel, und legt als deutscher Literat zugleich Wert auf die Feststellung, dass er sich dem hierzulande gebotenen Philosemitismus verpflichtet weiß: „..dem Land Israel, dem ich verbunden bin und bleiben will“. Was denn nun, Herr Grass?

3. Die Folgen

Doch hat dieses kalkulierte Wirrwarr von heftiger politischer Kritik und Offenbarung innerster Seelenpein dem Grass gar nichts genützt. Wer als Deutscher Israel kritisiert ist Antisemit. Punkt. So der Aufschrei nach der Publikation aus Politik, Kultur- und Geistesleben. Und wenn die Kanzlerin vermelden lässt, dass sie zu Grass nichts weiter zu vermelden hat, dann weiß man, was sie damit vermelden möchte. Dasselbe nämlich, was von der Jüdischen Gemeinde, vom offiziellen Botschafter des Staates Israels und von all seinen inoffiziellen Botschaftshelfern sofort vermeldet wird: Grass ist ein Nestbeschmutzer und noch vieles mehr. Das Gedicht sei ein „Anschlag auf Israels Existenz“ verkündet R.Giordano, der nicht zwischen etwas Druckerschwärze und einem Militärschlag unterscheiden will; ähnlich H.M.Broder, der dem Gedicht allen Ernstes Absicht und Wirkkraft unterstellt, den „Verursacher der erkennbaren Gefahr zu entwaffnen“. Welch abenteuerliches Verhältnis von Geist und Macht spukt in diesen Köpfen herum! Nur weil sie als schreibende Knechte der Macht so geschätzt sind und hofiert werden, fingieren sie sich und die Zunft der Schreiberlinge gleich selbst als Teil der Macht.

Festzuhalten ist jedoch, dass diese inzwischen auch von Literaturpapst Reich-Ranicki – „ekelhaftes Gedicht“ – abgesegnete Philippika nicht das zwangsläufige Resultat des literarischen Erzeugnisses des Nobelpreisträgers ist. Da muss man den Grass in Schutz nehmen. Es ist vielmehr das zwangsläufige Ergebnis der gekonnten politischen Instrumentalisierung der Nachkriegsattitüde von Schuld und Scham im Dienste neuer, „raumgreifender“ deutscher Außenpolitik. Das begann mit Ex-Außenminister J.Fischer, der die deutsche Beteiligung am Krieg gegen Serbien mit der „Verantwortung“ begründete, die „wir Deutschen gegenüber den Diktatoren der Welt“ hätten. Und das setzt sich jetzt fort, wenn die imperialistische Sicherung des gesamten Nahen Ostens als geostrategischer Raum gen Osten, als strategische Rohstoffreserve und als Absicherung der „Freiheit der Meere“ für das weltweite Geschäft des Großkapitals nur als Schutz des Existenzrechts Israels vor dem Vernichtungswahn der iranischen Führung vorgestellt wird, dem „wir Deutsche“ verpflichtet zu sein haben.

So kommt es denn wie es kommen musste: Alle wichtigen Fragen, die neue politische Ausrichtung der USA unter Obama den Nahen Osten betreffend, geraten zur Nebensache oder werden gleich erledigt mit dem Schwall der Empörung über den vermeintlichen antisemitischen Skandal. Es werden mit der Berufung auf deutsche Schuld folglich ganz modern gleich zwei Fliegen mit einer Klappe erledigt: Erstens ist die deutsche Beteiligung an der imperialistischen Offensive gegen den Iran eine moralische Pflicht Deutschlands und nicht etwa der Beleg für das nationale Interesse, auch im  Nahen Osten hegemoniale Ansprüche zu etablieren; und zweitens ist jeder, der das zu kritisieren wagt, nicht etwa Feind jedweder imperialistischen Friedens- und Kriegspolitik, sondern ein Antisemit.

PS: Grass hat seinem ersten moralischen Verbrechen in Interviews ein zweites hinzugefügt. Von „Gleichschaltung“ der öffentlichen Kritik hat er im Land der Meinungsfreiheit zu sprechen gewagt. Das konnten deren Hüter nicht auf sich sitzen lassen. Heftigste Zurückweisung erfolgte – gleichgeschaltet.

FREERK HUISKEN Jahrgang 1941, Pädagogikstudium in Oldenburg, Tätigkeit als Lehrer bis 1967, dann zweites Studium Pädagogik, Politik und Psychologie in Erlangen-Nürnberg, 1971 Promotion. Seit 1971 Professur an der Universität Bremen: Politische Ökonomie des Ausbildungssektors. Ab März 2006 im Ruhestand.

Heinrich Böll Stiftung lädt Kriegsverbrecherin Tzipi Livni ein

Freitag, Februar 10th, 2012

kritische Juden und Israelis:

Heinrich Böll als Gastgeber für eine Kriegsverbrecherin?

Die Heinrich Böll Stiftung organisiert eine Tagung zum Thema „Fremde Freunde?“

Die israelische und deutsche Sicht auf Staat, Nation, Gewalt. Ein Vergleich.“ Es soll die Diskrepanz zwischen der kritischen deutschen Publikumsmeinung zu Israels Politik und der Unterstützung der deutschen politischen Klasse für diese Politik untersucht werden. Trotz des problematischen Einführungstexts, der auf befremdliche Weise von israelischer und deutscher „Mentalität“ spricht und Bevölkerungsgruppen wie Palästinenser, Misrachim und Frauen weitgehend übergeht, könnte man den Organisatoren noch glauben, sie hätten Interesse an einer offenen Fragestellung und Diskussion. Die Tatsache, das sich unter den Eingeladenen Tzipi Livni befindet, die ihre Verantwortung für Kriegsverbrechen nicht einmal leugnet, lässt aber andere Intentionen der Mitarbeiter der Heinrich Böll Stiftung erkennen. Die Einladung von Livni bedeutet die Rehabilitation einer Kriegsverbrecherin.

Die Organisatoren gehen von der Annahme einer in der Vergangenheit angeblich ähnlichen politischen Kultur beider Länder und einer zwischenzeitlichen Entfremdung bezüglich dieser Kultur als Erklärung für die eingangs beschriebene Diskrepanz aus. Sie sehen eine Änderung in der israelischen Politik, die ihrer Ansicht nach „als Abkehr von der demokratischen politischen Kultur Israels gewertet werden“ sollte. Es ist unklar, worauf diese Bewertung basiert: In Israel gelten seit seiner Gründung nach wie vor Regelungen des Ausnahmezustands, die die Pressefreiheit einschränken. Es gab niemals eine Trennung zwischen Staat und Religion, weshalb eine interkonfessionelle Eheschließung unmöglich ist. Die Siedlungspolitik des Staates änderte sich in den letzten gut vierzig Jahren nicht. Es gibt eine gesetzlich verankerte Diskriminierung nach Ethnie. Um nur ein paar undemokratische Fakten zu nennen, die in der Bundesrepublik nach dem Krieg nicht mehr zur politischen Kultur gehörten.

Es gibt aber in der Tat auch Ähnlichkeiten zwischen der politischen Kultur beider Länder. Eine der traurigen Gemeinsamkeiten ist die Art, in der man in beiden mit Kriegsverbrechern umgeht.

Das spiegelt sich in der Einladung der ehemaligen Außenministerin Tzipi Livni wider, die laut verschiedener renommierter Menschenrechtsorganisationen als Kriegsverbrecherin anzusehen ist. Tzipi Livni, wie auch andere israelische Armeeoffiziere und Staatsfunktionäre, sagte einen Besuch in London ab, da sie die Verfolgung durch das britische Rechtssystem umgehen musste. Als Reaktion auf den Haftbefehl, der in Großbritannien gegen sie ausgestellt wurde, sagte sie, sie sei stolz auf ihre Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Angriff auf den Gazastreifen im Winter 2008-9. Die Heinrich Böll Stiftung bietet aber Tzipi Livni, die unter anderem für den Einsatz völkerrechtswidriger weißer Phosphorbomben mitverantwortlich ist, eine Bühne, als ob sie nicht als eine persona non grata gesehen werden muss, mindestens so lange sie stolz darauf ist und eine Klärung ihrer Verbrechen verhindert.

Wir, Israelis, die in Deutschland und Israel leben und als Menschenrechtsaktivisten zunehmenden Schikanen der israelischen Regierung ausgesetzt sind, rufen die Heinrich Böll Stiftung auf, Tzipi Livni auszuladen und damit ein Zeichen für andere Normen in Deutschland und in Israel zu setzen.

Kritische Juden und Israelis (kritischeisraelis[at]gmail.com)

Ya’ar Hever, Berlin
Galit Altshuler, Berlin
Itamar Shappira, Jerusalem
Maya Wind, Jerusalem
Eran Efrati, Jerusalem
Iris Hefets, Berlin
Yossi Bartal, Berlin
Shiri Eisner, Tel-Aviv
Lilach Ben-David, Tel-Aviv
Dr. Tzvia Shappira, Ramat Hasharon
Chen Misgav, Ph.D Candidate, Tel-Aviv
Dr. Eitan Grossman, Jerusalem
Alma Biblash, Tel Aviv
Shir Hever, Göttingen
Adi Liraz,  Berlin
Mai Zeidani, Berlin
Gal Schkolnik, Berlin
Yemima Fink, Berlin
Tal Shapira, Tel-Aviv
Noa Abend, West-Jerusalem
Noam Lekach, Boston/Tel-Aviv
Gideon Spiro, Tel Aviv, son of German Jewish refugees from Nazi Germany
Tal King, Tel-Aviv
Yehoshua Rosin, Rehovot
Rachel Giora, Tel aviv
Elisha Baskin, Jerusalem
Dorothy Naor, Herzliah
Shai Carmeli Pollak, Tel-Aviv
Oshra Bar, Ramat Gan
Ofra Ben Artzi, Jerusalem
Neta Golan, Ramallah
Liad Kantorowicz, Berlin
Assaf Kintzer, Yaffa
Naomi Lyth. Tal Aviv
Edo Medicks, Israel
David Nir, Israel
Ruth Edmonds, Jerusalem
Yonatan Shapira, Israel
Anat Matar, Ramat Hasharon
Ofer Neiman, Jerusalem
Einat Podjarny, Berlin
Prof. Dr. Fanny-Michaela Reisin, Jüdische Stimme Berlin
Yaar Peretz, Israel
Renen Raz, Tel-Aviv

sowie (Update)

Leehee Rothschild, German and Israeli citizen, Tel Aviv
Noa Gur, Berlin/Köln
Tanya Ury, Köln
Abraham Melzer, Verleger, Neu-Isenburg
Michal Kaiser-Livne, Berlin
Ruth Fruchtman, Berlin
Ruth Orli Mosser, Wien/Berlin

Wer findet den Fehler?

Dienstag, Januar 3rd, 2012

Irgendetwas stimmt hier doch nicht. Nur was?

(Fundstelle: irgendwo auf Facebook)

John Mersheimer und Norman Finkelstein über die Zukunft Israels

Sonntag, Oktober 30th, 2011

Scott McConnell von dem konservativen Magazin The American Conservative in einem interessanten Gespräch mit John J. Mearsheimer, Mitautor des Buches „Die Israel-Lobby“, und Norman G. Finkelstein über den Friedensprozess von Oslo und die Zukunft des Staates Israel. „Greater Israel—or Peace?“The American Conservative, Oktober 2011.

Norman Finkelstein über den letzten UN-Bericht

Dienstag, Oktober 4th, 2011

Der letzte Bericht der UN über den Angriff der israelischen Armee auf die Gaza-Flotte, der die Beziehungen zwischen der Türkei und Israel hat kollabieren lassen, spricht zwar über die 22 durch Mörser- und Raketen getöteten Israelis, aber mit keinem Wort werden die über 2500 Toten Palästinenser, die während des gleichen Zeitraumes durch die IDF getötet wurden, erwähnt. Norman Finkelstein, dessen inzwischen überarbeitetes Buch “This time we went too far – Truth and consequences of the Gaza invasion“  in seiner ersten Auflage auch auf Deutsch erschinen ist, kommentiert den unter anderem mit Hilfe des kolumbianischen Gewerkschafterfreundes Uribe erstellten Bericht:

„The awful, necessary truth about Palestinian terror“

Montag, August 29th, 2011

Larry Derfner ist mit seiner Kolumne „Rattling the cage“, wie Mondoprinte berichtet, aus der Jerusalem Post rausgeflogen, nachdem sich Massen an Abonnenten beschwert und mit der Kündigung gedroht hatten. Er selbst hat sein Post leider auch von seinem eigenen Blog gelöscht. Darum hier nochmals der ganzen Beitrag: „The awful, necessary truth about Palestinian terror.“ und die anschließende Entschuldigung
.

Schlesinger fasst die Eskalation treffend zusammen

Sonntag, August 28th, 2011

Schlesinger fasst in seinem Transantlanticblog die Eskalation der Gewalt in Israel und den besetzten Gebieten trotz der Erkenntnis über die Identität der Täter sehr treffend zusammen, wenn er schreibt: „Es spricht einiges dafür, dass man auf israelischer Seite zwar nach wie vor nicht weiß, wer hinter den Anschlägen steckt, aber man durch eine wie üblich harte militärische Reaktion seiner Öffentlichkeit zeigen wollte, dass man Herr der Lage ist.“

Tote Israelis zählen nicht für die junge Welt

Samstag, August 27th, 2011

Was man sonst immer von den Apologeten Israels gewohnt ist, die nur tote Juden oder Israelis, aber keine toten Palästinenser kennen wollen, kann man jetzt auch in der junge Welt lesen, nur eben anders herum. Über die Eskalation der Gewalt nach dem Terroranschlag im Süden Israels schreibt Knut Mellenthin:

Die israelische Regierung machte, noch bevor umfassende Erkenntnisse vorlagen, die Volkswiderstandskomitees im Gazastreifen für die Angriffe verantwortlich. Bei Luftangriffen starben der Vorsitzende dieser Organisation und drei Mitglieder ihres militärischen Flügels. Daraus entwickelte sich ein Wechsel von palästinensischen Raketen – die überwiegend in unbewohntem Gebiet landeten oder nur Sachschäden anrichteten – und israelischen Luftangriffen. Ihnen fielen innerhalb einer Woche 14 Palästinenser, darunter mindestens vier Zivilisten einschließlich eines zweijährigen Kindes, zum Opfer. Weitere 32 Palästinenser, unter ihnen acht Frauen und neun Kinder, wurden verletzt. („Solidarität mit Palästina“junge Welt, 28. August 2011)

Ein toter und mehr als ein Dutzend verletzte Israelis sind der jungen Welt also kein Wort mehr wert? Ein Fehler wird hier wohl kaum vorliegen, der Einschlag der Rakete, bei dem ein Israeli getötet und vier schwer verletzt wurden, war letzte Woche in der Nacht von Samstag auf Sonntag.