Archive for the ‘Europa’ Category

Die Belohnung für 45 Jahre Besatzung

Donnerstag, August 9th, 2012

Trotz blutiger Besatzung, Land- und Ressourcenraubs, fortgesetzten Siedlungsbaus sowie Menschenrechtsverletzungen wird Israel von der EU belohnt. Ben White über die Zunahme der wirtschaftlichen Zusammenarbeit: „EU-Israel: One hand whitewashes the other“Al Jazeera, 8. August 2012.

Interview zu Homonationalismus und Pinkwashing

Sonntag, Juli 29th, 2012

Ein Interview mit Yossi über Homonationalismus und Pinkwashing: „Wir leiden unter homophoben Ausfällen“junge welt, 28. Juli 2012.

Eklat: MK Haneen Zoabi in München

Mittwoch, Juli 18th, 2012

Wie die israelische Abgeordnete Haneen Zoabi die zionistische Seele in München zum Kochen bringen kann, berichtet Schlesinger in seinem ausführlichen Veranstaltungsbericht: „Eklat bei den Palästinensertagen München“Transatlantikblog, 16. Juli 2012.

Arte zeigt: „The Promise“ – Wuliger schreit auf

Donnerstag, April 19th, 2012

Arte zeigt heute ab 20.15 Uhr die ersten beiden Teile der britischen TV-Serie „The Promise – Gelobtes Land“ (Anm.: Die ersten beiden Teile sind noch eine gewisse Zeit online zu sehen, siehe unten; die anderen werden nach dem zweiten Sendetermin ebenfalls online anzuschauen sein). In seinem Vierteiler lässt der Regisseur Peter Kominsky die fiktive junge Engländerin Erin mit ihrer zum Wehrdienst einberufenen Freundin Eliza nach Israel reisen, wo sie tief in den dortigen Konflikt und die Besatzung verwickelt wird.

Die Geschichte springt hin und her zwischen ihrem Besuch in Israel und dem Jahre 1948, als ihr Großvater als junger Soldat im damaligen Mandatsgebiet stationiert war. Wer den Inhalt genauer erfahren will, sollte einfach  das Programm bei Arte lesen. Das muss ich hier nicht alles wiedergeben. Interessant ist da doch eher die Reaktion der hiesigen Presse.

Michael Wuliger stimmt in der Jüdischen Allgemeinen heftige Töne gegen die Serie an und meint sogar eine Geschichtsfälschung auszumachen:

Im arte-Programmheft heißt es, Regisseur Kosminsky habe acht Jahre lang in Archiven und vor Ort für die Produktion recherchiert. In der Tat lassen sich praktisch alle Szenen mit dokumentierten Fakten belegen. Die Perfidie liegt in der Auswahl. Der von beiden Seiten geführte Krieg 1948 wird dargestellt als Angriff einer jüdischen Übermacht auf unbewaffnete Araber; von den palästinensischen Massakern an Juden vor 1948 ist nur in einem einzigen Halbsatz einmal die Rede; aktuell kommt ebenfalls nur einmal am Rande ein Selbstmordanschlag vor.

So müsste man ihn doch zumindest einmal von den Fakten her auf folgendes hinweisen:

Der Film spielt im Jahre 1948. Also weit ab der Massaker an Juden. Sie sind schlicht und einfach nicht das Thema. Und ja, es gab  ein Übermacht auf  israelischer Seite. 36.000 jüdische Soldaten (Haganah, Palmach, Irgun) standen bis Mai 1948 ca. 3000 schlecht bewaffneten und versprengten Palästinensern und einigen Freiwilligen gegenüber.  Ab Mai 1948 waren es dann schon 42.000  jüdische Soldaten gegen 28.000 schlecht ausgebildete und auch schlecht motivierte arabischen Soldaten, die bis dahin an an den Grenzen zum britischen Mandatsgebiet standen, ohne gegen die anhaltende Vertreibung anzugehen. In diese 28.000 Soldaten  inbegriffen sind die durch ein Geheimabkommen zwischen dem jordanischen König und der Führung unter Ben Gurion neutralisierten jordanischen Truppen. Zum Ende des Krieges hatte die IDF eine Stärke von 115.000 Soldaten, die arabische Seite 55.000. Davon waren alleine 18.000 Jordanier, die  zumindest bis zum Angriff der IDF auf Stellungen im heutigen Westjordanland Däumchen drehten, als die israelische Einheiten die anderen arabischen Truppen ungestört überrannten.

Zumindest zu Beginn war es demnach wirklich eine Übermacht jüdischer Truppen gegen fast unbewaffnete Araber, auch wenn sich das Verhältnis später auf „lediglich“ 2:1 zugunsten der israelischen Truppen veränderte. Nicht umsonst konnten die jüdischen Verbände fast ungestört bis zum 3.Mai 1948, also noch vor der Gründung Israels und dem Angriff der arabischen Nachbarstaaten, bis zu 250.000 Palästinenser vertreiben (Januar bis Mai 1948). Erst danach marschierten die arabischen Einheiten über die Grenze. Die weiteren Vertreibungen wurden übrigens sogar während der Waffenruhen (11. Juni – 8 Juli und 18. Juli – 15. Oktober 1948) fortgesetzt und hielten bis zur Waffenruhe mit Ägypten (Februar 1949) an.

So viel zu den Fakten, die ein jeder in den verschiedenen Standardwerken wie  beispielsweise von Benny Morris oder bei Tom Segev nachlesen kann. Aber Michael Wuliger meint hier scharfe Kritik üben zu müssen:

Damit ist die Grenze von der selektiven Wahrnehmung zur Geschichtsfälschung überschritten.

Die Geschichtsfälschung, Herr Wuliger, kam die letzten Jahrzehnte wohl eher von der anderen Seite und ihren vermeintlichen „Freunden“. Auch wenn sie diesen Film nur „14 Tage nach dem Grass-Gedicht“ als „das zweite mediale anti-israelische Großereignis der Saison“ betiteln: die gespielte oder echte Empörung ändert nur wenig an der Richtigkeit der Darstellungen. Und auch das durch den Regisseur gewählte Verhältnis an gegenseitiger Gewalt entspricht mehr als nur der Realität. Wuliger versucht aus einem Film, der schonungslos diese gegenseitige Gewalt thematisiert, aber dabei nicht aus den Augen verliert, wer dort wer wen vertrieben hat und noch immer unterdrückt und bedroht, gleichzeitig aber den Dialog preist, eine anti-israelische Propaganda zu machen. Die Realität sehen wir jedoch jeden Tag im Westjordanland, in Gaza und auch in Israel selbst.

»Gelobtes Land«, arte, Freitag, 20. und 27. April, jeweils 20.15 Uhr

Teil 1: http://videos.arte.tv/de/videos/gelobtes_land_1_4_-6597938.html

Teil 2: http://videos.arte.tv/de/videos/gelobtes_land_2_4_-6597942.html

Sören Pünjer (Redaktion Bahamas) und seine Freunde von der Defence League

Mittwoch, Januar 4th, 2012

Sören Pünjer, unser Lieblingsredakteur der eng mit der Jungle World verknüpften Bahamas, fröhnt ja vielen Hobbys. Manchmal trifft er sich auf ostdeutschen Raststätten oder Feldwegen mit einer Gruppe von Hooligans, viele mit lupenreiner nationalsozialistischer Gesinnung, um sich einen „fairen Fight“ mit einer anderen Gruppe Hooligans, unter denen sich ebenfalls nicht wenige lupenreine Nazis befinden, zu liefern. Das nennt man in manchen Kreisen dann „sportlichen Wettkampf“.

An anderen Tagen geht er zum Beispiel in der Jerusalemgemeinde zu Berlin seinem weiteren Hobby nach: Kommunisten oder Antifaschisten verschiedenster Provenienz als Antisemiten oder auch wahlweise als Nazis zu beschimpfen und sich als großen Kämpfer gegen den (leider nicht zu knapp existierenden) Antisemitismus aufzuspielen.

Ansonsten, so hört man, steht Pünjer auch gerne mal in Berlin in einschlägigen Szenekneipen oder „Festsälen“ an der Tür oder auch als zweite Wahl am DJ-Pult.

Sein neustes Hobby: Rechtsextreme verharmlosen. Warum? Beide teilen eine Vorliebe für Fußball, die Dritte Halbzeit und:

Die "Antifaschisten" ...

Da ist es auch ganz egal, dass es sich bei der English Defence League sicherlich nicht um lediglich ein paar „patriotisch Fußballfans“ handelt, wie Pünjer uns vor einem Jahr in einem seiner  Artikel in der Bahamas weismachen wollte1.

Wenn es gegen Muselmänner und für Israel geht, dann sieht man auch über solche Unschicklichkeiten gerne mal hinweg:2

...der "English Defence League".

Ein EDL-Unterstützer zeigt den Hitlergruß (Leeds, 2009)

Reiner Zufall?

Oder nur eine ärgerliche "Ausnahme"?

Der walisische Ableger der EDL

Wie es zu einer solchen Kehrtwende innerhalb des sog. antideutschen Lagers kommen konnt, erklärt uns Gerhard Hanloser teilweise in seinem Skript zu einer Veranstaltung im Dezember letzten Jahres in Berlin: „Anti?deutschland 2011“

 

  1. Urkomisch ist die Beweisführung von Pünjer schon. Man wird erinnert an das Aufzählen von jüdischen Kommunisten und anderer Linker durch Gegner der israelischen Politik. []
  2. Ich will betonen, dass sich die Kritik an der EDL nicht darauf beschränkt, dass sich dort viele Nazis tummeln.  Auch ohne Nazis in ihren Reihen handelt es sich bei der EDL um einen Haufen gewaltbereiter, rechtsextremer, rassistischer Nationalisten. Es braucht da sicherlich nicht erst eines Hitlergrußes. []

Wer findet den Fehler?

Dienstag, Januar 3rd, 2012

Irgendetwas stimmt hier doch nicht. Nur was?

(Fundstelle: irgendwo auf Facebook)

Wir fordern des Botschafters Kopf

Dienstag, Dezember 6th, 2011

Nachdem der US-Botschafter in Belgien, selber Jude und Sohn eines polnischen Holocaustüberlebenden, einen großen Anteil antijüdischer Ressentiments in den europäischen muslimischen Gemeinden dem anhaltenden Konflikt Israels mit den Palästinensern zuschreibt, fordern die Apologeten Israels seinen Kopf. Philip Weiss über eine Polit-Posse: „Read the Ambassador’s speech on settlements fostering anti-Semitism that has neocons calling for his scalp“Mondoweiss, 5. Dezember 2011

Zuckermann zu Voigts und Salzborns Antisemitismusstudie

Dienstag, Oktober 4th, 2011

Eine Studie mit dem Titel „Antisemiten als Koalitionspartner?“ von dem Sozialwissenschaftler Samuel Salzborn und Sebastian Voigt, Gründungsmitglied des BAK Shalom in der Linksjugend solid, sorgte Ende Mai für großen Wirbel. Die gegen die Partei DIE LINKE zahlreich erhobenen Antisemitismusvorwürfe schienen nun endlich bewiesen. Die Fraktionen von CDU/CSU und FDP fühlten sich sogar veranlasst, eine Aktuelle Stunde im Deutschen Bundestag einzuberufen. Die Debatte im höchsten Parlament der Republik mit beschämend niedrigem Niveau geriet zeitweise zum Tribunal gegen die LINKE – ebenso die darauf folgende Medienkampagne. Die Redaktion Hintergrund interessieren die Fragen: Was taugt diese Studie eigentlich wissenschaftlich? Und welche ihrer Inhalte und Thesen machen sie so geeignet für die politischen Gegner, sie als ideologisches Geschütz gegen die LINKE in Stellung zu bringen? Hintergrund bat den israelischen Historiker Moshe Zuckermann um eine kleine Expertise. Weiterlesen. (Danke an Felix)

Interview mit der Nachfolgerin von Wolfgang Benz

Freitag, August 26th, 2011

Ein lesenswertes Interview mit der neuen Leiterin des Zentrums für Antisemitismusforschung, Stefanie Schüler-Springorum. „Antisemitismusforschung: Geschlossene Weltbilder“ Frankfurter Rundschau, 26. August 2011.

Zitat der Woche

Sonntag, August 7th, 2011

Das unterschreibe ich blind:

Ich glaube, man muss sich damit abfinden, dass die deutsche Linke einer alten palästinensischen Frau nicht mal aus dem Zug helfen würde, ohne sich aus Angst vor Antisemitismusvorwürfen einzuscheißen.1

  1. Rhizom in einer Diskussion über das Niederbrüllen einer Rede palästinensischer Queers auf dem Berliner transgenialen CSD []