Archive for the ‘Dialog’ Category

Berlin: The radical left (scene) in Israel

Samstag, Oktober 6th, 2012

Da ich in letzter Zeit nur unregelmäßig meine Mails abrufe (sehr zum Leid mancher Leute, bei denen ich mich wegen der späten Antworten entschuldigen muss), ist diese mir von mehreren Personen empfohlene Veranstaltung am Sonntag, den 7. Oktober, etwas untergegangen. Allerdings fragt man sich, wer sich diesen blöden Titel ausgedacht hat. Wer interessiert sich schon für die „Szene“, außer die „Szene“?

Sonntag, den 7.10.2012, 18.30 Uhr, Café Commune (Reichenberger Straße 157 in 10999 Berlin- Kreuzberg)

The radical left scene in Israel

Some in the German left attract attention for their unorthodox position of „supporting Israel“. But they tend to conceal to which Israel they actually want to address their solidarity. The conservative government currently in power? The right-wing settlers in the occupied territories? The now largely defunct peace movement? The recent mass protests for social justice? But even if they are prepared to concede that the country is no monolithic block, there is one political faction that they are used to willfully ignore: Israel’s own radical left. From the point of view of an Israeli who has lived there for more than 20 years, I will tell you about the political situation and its conflicts, the history of immigration, and the various left-wing groups trying to topple racism, war, and 45 years of occupation.

(The presentation is in English)

Die Veranstaltung wird unterstützt von der North-East Antifascists NEA.

 

Breaking the Silence auf Deutschlandradio

Mittwoch, August 15th, 2012

Deutschlandradio brachte vor einigen Tagen ein Feature zur israelischen Organisation ehemaliger IDF-Soldaten Breaking the Silence, was teilweise deren aktuellen Dokumentation über Hebron entnommen ist: „Das Schweigen brechen“ – Deutschlandfunk, 7. August 2012.

Bilder der Demonstration iranischer israelischer Aktivisten

Montag, Mai 14th, 2012
Unter dem Motto „Iraner & Israelis gegen Krieg“ demonstrierten in Berlin am 5. Mai 2012 rund 300 Menschen.  Die Demonstration begann vom Kottbusser Tor in Kreuzberg und fand ihren Abschluss mit einer Kundgebung am Rathaus Neukölln. Auf der Abschlusskundgebung  sprach u.a. der aus Jerusalem angereiste Reuven Moskovitz, Träger des Aachener Friedenspreises. Die Demonstration war klein, aber ein wichtiges und außergewöhnliches Zeichen gegen einen drohenden Krieg, in den die beiden Regierungen ihre Bevölkerung hineinziehen könnten. Die Presse ignorierte dieses Ereignis jedoch weitgehend. Wer gehofft hatte, die Jüdische Allgemeine würde von ihrem Kriegskurs vielleicht ein wenig Abstand nehmen und über diese Demonstration berichten, wurde spätestens mit der nächsten Ausgabe enttäuscht. Lediglich der Tagesspiegel berichtete im Vor- und Nachhinein sehr kurz und ein Peter Nowak maulte auf Telepolis, die Demonstration hätte sich zu sehr der Kritik an den israelischen Kriegsdrohungen gegen den Iran gewidmet. Von der deutschen Linken fehlte anscheinend jegliche Spur. Man glänzte mit Abwesenheit und war lieber damit beschäftigt, am 1. Mai Rituale zu feiern, anstatt sich konkret gegen den drohenden Krieg auf Seiten der eigenen Genossen und oppositioneller Menschen zu positionieren.
Vielen Dank an Matthias Reichelt für die Bereitstellung der Bilder.

Haaretz über die Demonstration in Berlin am 5.5.

Freitag, Mai 4th, 2012

Haaretz berichtet über die morgige Demonstration in Berlin: „Israelis, Iranians meet in Berlin to protest war speak, Iran sanctions“Haaretz,  4. Mai 2012

IranerInnen und Israelis demonstrieren in Berlin gegen den Krieg

Mittwoch, Mai 2nd, 2012

Iraner/innen und Israelis gegen Deutschlands Beitrag zur Eskalation der Konflikte im Nahen und Mittleren Osten.

Iraner/innen und Israelis aus Berlin rufen auf zu einem Protest gegen Krieg!

Zum Auftakt findet am 5.5.2012 um 14:00 Uhr eine Demonstration statt. Der Demonstrationszug beginnt am Kottbusser Tor und wird mit einer anschließenden Kundgebung am Rathaus Neukölln beendet.

„Es gibt keinen Konflikt zwischen Iraner/innen und Israelis, es gibt nur eine Hetzkampagne beider Regierungen mit dem Ziel von eigenen innenpolitischen Problemen, wie Unterdrückung, Besatzung, Armut und Privatisierung, abzulenken“. Ziel der Veranstaltung ist es, die öffentliche Meinung zur Reflektion zu bewegen und Druck gegen die Bundesregierung aufzubauen, damit durch Waffenlieferungen aus Deutschland die potentielle Kriegsgefahr nicht erhöht wird.

Die Veranstalter sind eine Gruppe von Iraner/innen und Israelis. Sie fordern ein sofortiges Ende der Kriegsdrohung beider Seiten, ein Ende der Sanktionen gegen den Iran, ein Ende der Waffenlieferung Deutschlands an Israel, ein Ende der Besatzung und ein Ende der staatlichen Unterdrückung.


 

Israels Antwort auf neue Friedensgespräche

Freitag, April 27th, 2012

Der palästinensische Präsident Abbas will Netanjahu zurück an den Verhandlungstisch holen, um die Friedensgespräche wieder aufzunehmen und fordert einen Stopp des Siedlungsbaus. Israel antwortet mit der Legalisierung von drei illegalen Außenposten: „Israel responds to Palestinian call to restart talks by legalizing three West Bank settlement outposts“Mondoweiss, 26. April 2012.

Arte zeigt: „The Promise“ – Wuliger schreit auf

Donnerstag, April 19th, 2012

Arte zeigt heute ab 20.15 Uhr die ersten beiden Teile der britischen TV-Serie „The Promise – Gelobtes Land“ (Anm.: Die ersten beiden Teile sind noch eine gewisse Zeit online zu sehen, siehe unten; die anderen werden nach dem zweiten Sendetermin ebenfalls online anzuschauen sein). In seinem Vierteiler lässt der Regisseur Peter Kominsky die fiktive junge Engländerin Erin mit ihrer zum Wehrdienst einberufenen Freundin Eliza nach Israel reisen, wo sie tief in den dortigen Konflikt und die Besatzung verwickelt wird.

Die Geschichte springt hin und her zwischen ihrem Besuch in Israel und dem Jahre 1948, als ihr Großvater als junger Soldat im damaligen Mandatsgebiet stationiert war. Wer den Inhalt genauer erfahren will, sollte einfach  das Programm bei Arte lesen. Das muss ich hier nicht alles wiedergeben. Interessant ist da doch eher die Reaktion der hiesigen Presse.

Michael Wuliger stimmt in der Jüdischen Allgemeinen heftige Töne gegen die Serie an und meint sogar eine Geschichtsfälschung auszumachen:

Im arte-Programmheft heißt es, Regisseur Kosminsky habe acht Jahre lang in Archiven und vor Ort für die Produktion recherchiert. In der Tat lassen sich praktisch alle Szenen mit dokumentierten Fakten belegen. Die Perfidie liegt in der Auswahl. Der von beiden Seiten geführte Krieg 1948 wird dargestellt als Angriff einer jüdischen Übermacht auf unbewaffnete Araber; von den palästinensischen Massakern an Juden vor 1948 ist nur in einem einzigen Halbsatz einmal die Rede; aktuell kommt ebenfalls nur einmal am Rande ein Selbstmordanschlag vor.

So müsste man ihn doch zumindest einmal von den Fakten her auf folgendes hinweisen:

Der Film spielt im Jahre 1948. Also weit ab der Massaker an Juden. Sie sind schlicht und einfach nicht das Thema. Und ja, es gab  ein Übermacht auf  israelischer Seite. 36.000 jüdische Soldaten (Haganah, Palmach, Irgun) standen bis Mai 1948 ca. 3000 schlecht bewaffneten und versprengten Palästinensern und einigen Freiwilligen gegenüber.  Ab Mai 1948 waren es dann schon 42.000  jüdische Soldaten gegen 28.000 schlecht ausgebildete und auch schlecht motivierte arabischen Soldaten, die bis dahin an an den Grenzen zum britischen Mandatsgebiet standen, ohne gegen die anhaltende Vertreibung anzugehen. In diese 28.000 Soldaten  inbegriffen sind die durch ein Geheimabkommen zwischen dem jordanischen König und der Führung unter Ben Gurion neutralisierten jordanischen Truppen. Zum Ende des Krieges hatte die IDF eine Stärke von 115.000 Soldaten, die arabische Seite 55.000. Davon waren alleine 18.000 Jordanier, die  zumindest bis zum Angriff der IDF auf Stellungen im heutigen Westjordanland Däumchen drehten, als die israelische Einheiten die anderen arabischen Truppen ungestört überrannten.

Zumindest zu Beginn war es demnach wirklich eine Übermacht jüdischer Truppen gegen fast unbewaffnete Araber, auch wenn sich das Verhältnis später auf „lediglich“ 2:1 zugunsten der israelischen Truppen veränderte. Nicht umsonst konnten die jüdischen Verbände fast ungestört bis zum 3.Mai 1948, also noch vor der Gründung Israels und dem Angriff der arabischen Nachbarstaaten, bis zu 250.000 Palästinenser vertreiben (Januar bis Mai 1948). Erst danach marschierten die arabischen Einheiten über die Grenze. Die weiteren Vertreibungen wurden übrigens sogar während der Waffenruhen (11. Juni – 8 Juli und 18. Juli – 15. Oktober 1948) fortgesetzt und hielten bis zur Waffenruhe mit Ägypten (Februar 1949) an.

So viel zu den Fakten, die ein jeder in den verschiedenen Standardwerken wie  beispielsweise von Benny Morris oder bei Tom Segev nachlesen kann. Aber Michael Wuliger meint hier scharfe Kritik üben zu müssen:

Damit ist die Grenze von der selektiven Wahrnehmung zur Geschichtsfälschung überschritten.

Die Geschichtsfälschung, Herr Wuliger, kam die letzten Jahrzehnte wohl eher von der anderen Seite und ihren vermeintlichen „Freunden“. Auch wenn sie diesen Film nur „14 Tage nach dem Grass-Gedicht“ als „das zweite mediale anti-israelische Großereignis der Saison“ betiteln: die gespielte oder echte Empörung ändert nur wenig an der Richtigkeit der Darstellungen. Und auch das durch den Regisseur gewählte Verhältnis an gegenseitiger Gewalt entspricht mehr als nur der Realität. Wuliger versucht aus einem Film, der schonungslos diese gegenseitige Gewalt thematisiert, aber dabei nicht aus den Augen verliert, wer dort wer wen vertrieben hat und noch immer unterdrückt und bedroht, gleichzeitig aber den Dialog preist, eine anti-israelische Propaganda zu machen. Die Realität sehen wir jedoch jeden Tag im Westjordanland, in Gaza und auch in Israel selbst.

»Gelobtes Land«, arte, Freitag, 20. und 27. April, jeweils 20.15 Uhr

Teil 1: http://videos.arte.tv/de/videos/gelobtes_land_1_4_-6597938.html

Teil 2: http://videos.arte.tv/de/videos/gelobtes_land_2_4_-6597942.html

Und welchen Namen hat der Zentralrat?

Mittwoch, April 18th, 2012

Vom 24. bis zum 27. März fand in Washington, D.C., die nationale J Street-Konferenz statt. Geladen war unter anderem der palästinensische Sozialdemokrat Mustafa Barghouti, der vor einer überwiegend jüdischen Audienz über die Zweistaatenlösung und deren Unmöglichkeit referierte und dabei klare Worte verlor:

„What is apartheid? Apartheid is a system where you have two laws, two different laws, for two people living in the same area. If you don’t like the word apartheid, give me an alternative to a situation where a Palestinian citizen is allowed to use no more than 50 cubic meters of water per capital year, while an Israeli illegal settler from the West Bank is allowed to use 2400.“1

Was gab es für einen Aufschrei, als Sigmar Gabriel auf seinem Facebookprofil Hebron mit der Apartheid gleichsetzte. Sofort schaltete sich Graumann ein und Gabriel ruderte schnellstmöglich zurück. Auch die Jüdische Allgemeine, Sprachrohr der israelischen Rechten, echauffierte sich innerhalb kürzester Zeit über Gabriel. Aber wie nennt denn der Zentralrat die Siedlungsaktivitäten, das Straßensystem, das Plündern der Ressourcen und des Wassers, den Landraub, der schon 40% des Westjordanlandes umfasst sowie das getrennte Rechtssystem, was Palästinenser unter Militärrecht stellt, die 500.000 Siedler jedoch, obwohl außerhalb Israels, unter israelisches Recht? Welcher Name wäre denn angebracht, Herr Graumann?

  1. Ein Auszug seiner Rede ist hier zu lesen: http://mondoweiss.net/2012/04/barghouti-to-u-s-jews-i-know-you-dont-like-the-word-apartheid-but-what-do-you-call-a-system-that-gives-a-settler-50-times-more-water-than-a-palestinian.html; die gesamte Rede kann auch als Video angeschaut werden: http://conference.jstreet.org/2012videos []

Ben-Ami (J-Street), Erakat und Finkelstein zu Obamas Rede

Mittwoch, Mai 25th, 2011

Bei Democracy Now diskutierten Jeremy Ben-Ami von der der pro-israelischen Gruppe J-Street, die palästinensische Menschenrechtsanwältin Noura Erakat und Norman G. Finkelstein über die Rede Obamas und dessen Bemerkungen zum palästinensisch-israelischen Konflikt.

Die jüdische Welt schweigt doch gar nicht, Herr Stein!

Sonntag, Februar 27th, 2011

Hannes Stein fragt in der Jüdischen Allgemeinen, warum die jüdische Welt still bleibt ob der Ereignisse in der arabischen Welt und vor allem in Ägypten:

„Warum tun Juden sich dann jetzt so schwer, die Morgendämmerung der Freiheit im Orient zu begrüßen? Warum jubeln sie nicht lauthals mit, wenn – oh Wunder der Weltgeschichte! – Ägypten selbst aus Ägypten auszieht? Warum schweigt Israel wie vom Donner gerührt? Warum hört man auch von jüdischen Organisationen in Amerika kein Sterbenswörtchen?“

Und beantwortet die Frage mit einer Gegebenheit aus dem 17. Jahrhundert, in der der Mob in Frankfurt sich bei einem Aufstand gegen die Oberen auch gleich gegen die Juden erhob, um dann daraus zu schließen, die Juden hätten

„[…] immer dieselbe begründete Angst vor den »pauperes«, den verarmten aufgehetzten Massen, die in Momenten der Raserei nichts Besseres zu tun wussten, als über die Juden herzufallen. Just diese Logik – eine Diaspora-Logik, wie man leider feststellen muss – steckte hinter dem Bündnis des Staates Israel mit Hosni Mubarak: Der ägyptische Diktator garantierte einen »kalten Frieden« und hielt, so hat es den Anschein, wenigstens die schlimmsten Antisemiten im Zaum.“

Herr Stein, Sie irren sich ganz gewaltig. Vielleicht schweigt nur eine Seite, eine andere dagegen ruft sehr wohl laut aus:

“We are deeply inspired by their push for democracy and freedom“ (Cecilie Surasky (Jewish Voice for Peace): „A Jewish Group Makes Waves, Locally and Abroad“ – The New York Times, 3. Februar 2011)

“Now is the moment we have and that moment is slipping away. We’re not in a place where a two-state solution will magically become more attainable. We need to take the opportunity we have now to achieve a lasting peace with security for Israel. … I don’t think Egypt is about to become another Iran, but rather it will have a democratic government that will keep its treaty with Israel.” (Hadar Susskind (J Street): „Mideast Unrest Hardening Positions In Community“ – The Jewish Week, 15. Februar 2011)

„The genie of revolution, of renewal, of rejuvenation, is now haunting all the regimes in the Region. The inhabitants of the “Villa in the Jungle” are liable to wake up one morning and discover that the jungle is gone, that we are surrounded by a new landscape.“ (Uri Avnery (Gush Shalom): „The Genie Is Out of the Bottle“ – Al Jazeera, 21. Februar 2011)

„The inspiring triumph of the Egyptian people in the nonviolent overthrow of the hated dictator Hosni Mubarak is a real triumph of the human spirit. While there will likely be continued struggle in order to insure that the military junta will allow for a real democratic transition, the mobilization of Egypt’s civil society and the empowerment of millions of workers, students, intellectuals and others in the cause of freedom will be difficult to contain.“ (Prof. Stephen Zunes: „Mubarak’s Ouster: Good for Egypt, Good for Israel“ – Tikkun, Februar 2011)

Und viele andere Gruppen, Organisationen, Journalisten, Zeitungen, Einzelpersonen oder auch die vielen vielen Blogger wie Alex Kane, Max Blumenthal, Richard Silverstein oder die pausenlose und großartige Berichterstattung über Ägypten bei Philip Weiss und Adam Horowitz.

Um dann Ihre Frage zu beantworten, warum die restliche jüdische Welt bisher schweigt: anscheinend haben bis auf Ausnahmen die meisten rechten und pro-israelischen Organisationen im Gegensatz zu manchem linken Schmierblättchen unbewusst den Rat von Lara Friedman befolgt:

„For Israel and friends of Israel, there are two smart choices: Either embrace the change that is happening with the same good will that is being shown by the rest of the world, or keep quiet.“ (Lara Friedmann (Americans for Peace Now): „Either embrace change in Egypt or stay quiet“ – JTA, 31. Januar 2011)

Thomas Friedman warnt letztendlich vielleicht dann doch nicht zu unrecht:

„I had given up on Netanyahu’s cabinet and urged the U.S. to walk away. But that was B.E. — Before Egypt. Today, I believe President Obama should put his own peace plan on the table, bridging the Israeli and Palestinian positions, and demand that the two sides negotiate on it without any preconditions. There is a huge storm coming, Israel. Get out of the way.“ (Thomas Friedman: „B.E., Before Egypt. A.E., After Egypt.“ – New York Times, 1. Februar 2011)