Arte zeigt heute ab 20.15 Uhr die ersten beiden Teile der britischen TV-Serie “The Promise – Gelobtes Land” (Anm.: Die ersten beiden Teile sind noch eine gewisse Zeit online zu sehen, siehe unten; die anderen werden nach dem zweiten Sendetermin ebenfalls online anzuschauen sein). In seinem Vierteiler lässt der Regisseur Peter Kominsky die fiktive junge Engländerin Erin mit ihrer zum Wehrdienst einberufenen Freundin Eliza nach Israel reisen, wo sie tief in den dortigen Konflikt und die Besatzung verwickelt wird.
Die Geschichte springt hin und her zwischen ihrem Besuch in Israel und dem Jahre 1948, als ihr Großvater als junger Soldat im damaligen Mandatsgebiet stationiert war. Wer den Inhalt genauer erfahren will, sollte einfach das Programm bei Arte lesen. Das muss ich hier nicht alles wiedergeben. Interessant ist da doch eher die Reaktion der hiesigen Presse.
Michael Wuliger stimmt in der Jüdischen Allgemeinen heftige Töne gegen die Serie an und meint sogar eine Geschichtsfälschung auszumachen:
Im arte-Programmheft heißt es, Regisseur Kosminsky habe acht Jahre lang in Archiven und vor Ort für die Produktion recherchiert. In der Tat lassen sich praktisch alle Szenen mit dokumentierten Fakten belegen. Die Perfidie liegt in der Auswahl. Der von beiden Seiten geführte Krieg 1948 wird dargestellt als Angriff einer jüdischen Übermacht auf unbewaffnete Araber; von den palästinensischen Massakern an Juden vor 1948 ist nur in einem einzigen Halbsatz einmal die Rede; aktuell kommt ebenfalls nur einmal am Rande ein Selbstmordanschlag vor.
So müsste man ihn doch zumindest einmal von den Fakten her auf folgendes hinweisen:
Der Film spielt im Jahre 1948. Also weit ab der Massaker an Juden. Sie sind schlicht und einfach nicht das Thema. Und ja, es gab ein Übermacht auf israelischer Seite. 36.000 jüdische Soldaten (Haganah, Palmach, Irgun) standen bis Mai 1948 ca. 3000 schlecht bewaffneten und versprengten Palästinensern und einigen Freiwilligen gegenüber. Ab Mai 1948 waren es dann schon 42.000 jüdische Soldaten gegen 28.000 schlecht ausgebildete und auch schlecht motivierte arabischen Soldaten, die bis dahin an an den Grenzen zum britischen Mandatsgebiet standen, ohne gegen die anhaltende Vertreibung anzugehen. In diese 28.000 Soldaten inbegriffen sind die durch ein Geheimabkommen zwischen dem jordanischen König und der Führung unter Ben Gurion neutralisierten jordanischen Truppen. Zum Ende des Krieges hatte die IDF eine Stärke von 115.000 Soldaten, die arabische Seite 55.000. Davon waren alleine 18.000 Jordanier, die zumindest bis zum Angriff der IDF auf Stellungen im heutigen Westjordanland Däumchen drehten, als die israelische Einheiten die anderen arabischen Truppen ungestört überrannten.
Zumindest zu Beginn war es demnach wirklich eine Übermacht jüdischer Truppen gegen fast unbewaffnete Araber, auch wenn sich das Verhältnis später auf “lediglich” 2:1 zugunsten der israelischen Truppen veränderte. Nicht umsonst konnten die jüdischen Verbände fast ungestört bis zum 3.Mai 1948, also noch vor der Gründung Israels und dem Angriff der arabischen Nachbarstaaten, bis zu 250.000 Palästinenser vertreiben (Januar bis Mai 1948). Erst danach marschierten die arabischen Einheiten über die Grenze. Die weiteren Vertreibungen wurden übrigens sogar während der Waffenruhen (11. Juni – 8 Juli und 18. Juli – 15. Oktober 1948) fortgesetzt und hielten bis zur Waffenruhe mit Ägypten (Februar 1949) an.
So viel zu den Fakten, die ein jeder in den verschiedenen Standardwerken wie beispielsweise von Benny Morris oder bei Tom Segev nachlesen kann. Aber Michael Wuliger meint hier scharfe Kritik üben zu müssen:
Damit ist die Grenze von der selektiven Wahrnehmung zur Geschichtsfälschung überschritten.
Die Geschichtsfälschung, Herr Wuliger, kam die letzten Jahrzehnte wohl eher von der anderen Seite und ihren vermeintlichen “Freunden”. Auch wenn sie diesen Film nur “14 Tage nach dem Grass-Gedicht” als “das zweite mediale anti-israelische Großereignis der Saison” betiteln: die gespielte oder echte Empörung ändert nur wenig an der Richtigkeit der Darstellungen. Und auch das durch den Regisseur gewählte Verhältnis an gegenseitiger Gewalt entspricht mehr als nur der Realität. Wuliger versucht aus einem Film, der schonungslos diese gegenseitige Gewalt thematisiert, aber dabei nicht aus den Augen verliert, wer dort wer wen vertrieben hat und noch immer unterdrückt und bedroht, gleichzeitig aber den Dialog preist, eine anti-israelische Propaganda zu machen. Die Realität sehen wir jedoch jeden Tag im Westjordanland, in Gaza und auch in Israel selbst.
»Gelobtes Land«, arte, Freitag, 20. und 27. April, jeweils 20.15 Uhr
Teil 1: http://videos.arte.tv/de/videos/gelobtes_land_1_4_-6597938.html
Teil 2: http://videos.arte.tv/de/videos/gelobtes_land_2_4_-6597942.html






Im live chat gestern mit dem Regisseur Kominsky konnte man erfahren dass der Film in Israel nicht ausgestrahlt werden darf.
Das hätte Herr Wuliger, zur Beruhigung seiner aufgebrachten Leser, doch als beruhigende “Mitgift” in seinen Kommentar einstreuen können.
Also meines Wissens wurde die Serie zumindest im israelischen Kino gezeigt. Wahrscheinlich wollte das öffentliche oder private Fernsehen die Serie nicht zeigen.
Siehe auch dieser Beitrag in der Haaretz:
http://www.haaretz.com/news/features/controversial-film-series-on-british-controlled-palestine-comes-to-tel-aviv-1.424502
Ich finde es eigenartig, dass der Film in Israel nicht gezeigt werden darf. Hat Israel etwa ein schlechtes Gewissen? Es gibt viele Israelis – leider nicht genug – die für den Frieden sind. Der Anfang des Filmes ist erschütternd, dagegen hat Herr Wuliger nichts, es wird ja auch allen Schulkindern in Israel eingeschärft. Meine Freundin Felicia Langer meint, die Juden dürften aus diesen einmaligen Grausamkeiten keine Entschuldigung für ihr jetziges Verhalten sehen. Es gibt keine Krematorien aber das palästinensische Volk muß seit 1945 und 1967 (2. Vertreibung) unter Besatzung leben. 1 Gefangener hatten die Menschen gemacht – warum schreibt Herr Wuliger nicht, wieviele tausend palästinensische Männer und Frauen in isr. Gefangenschaft sind – oft ohne Gerichtsverhandlung.
Sogar Kinder werden wegen Steinewerfen abgeführt. Bei jüdischen Kindern ist das Strafmaß ab 18 – bei paläst. Kindern ab 16! Sogar unsere Kanzlerin rügt Israel für seine Siedlungen auf besetztem Land. er sagt “Jerusalem muss rein jüdisch werden?” Ist das nicht Rassismus?- Ruth Asfour
Habe mir die ersten 2 Teile angesehen und finde sie unterm Strich gelungen. Gerade wer sich nicht besonders auskennt bekommt ein Gespür dafür vermittelt, wie viele unterschiedliche Kräfte, Interessen, Hintergründe und nicht zuletzt persönliche Schicksale zusammen kommen. Etwas “objektives” dazu wird es vielleicht nie geben. Aber Kominsky ist ein guter Wurf in diese Richtung gelungen.
>> Kominsky ist ein guter Wurf in diese Richtung gelungen.
Stimmt. Allerdings wird die Rolle der Briten nicht hinterfragt.
Die Schlussszene im zweiten Teil ist auch etwas hart geraten. Mal sehen, wie es weiter geht.
http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/volltexte/2008/38032/original/Welt_1912_05.pdf
http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/volltexte/2008/38053/original/JZ_1916_36.pdf
http://edocs.ub.uni-frankfurt.de/volltexte/
Dann in erweitwerte Suche
Palästina Zionisten eingeben
Das sind alte Zeitungen ab 1907.
Da sind die Briten oft erwähnt.
Marion
Ich persönlich bin sehr taurig daüber, wie soetwas geschehen konnte. Das Schweigen über Ungerechtigkeiten macht es erst möglich.
Was würdet Ihr tun wenn plötzlich ein Kind dasteht, dessen Eltern aus politischen Gründen auch immer abgeholt wurden.
Marion
Wovon redest du?
Über die Ungerechtigkeiten im 2 ten Weltkrieg.
Wo Nachbarn Menschen wegen Geld denunzieren. sich sogar darüber beschweren das diese Menschen das Konzentrationslager überleben.
Marion
Meine Grosmutter hatte im 2 ten Weltkrieg ein Nachbarskind aufgenommen. Die Eltern dieses Kindes waren plötzlich nicht mehr da.
Ich fragte nach, wo waren die Eltern. Meine Mutter gab mir die Antwort, man musste es bis in die dritte
Generation nachweisen das man genetisch rein ist.
Meine Grossmutter hasste Denunzianten, das hatte sie Ihren Kindern beigebracht und auch mir.
Marion
Ich finde es gut das Sie meinen Beitrag moderieren. Die Wirklichkeit ist schlimmer als man sich vorstellen kann.
Es gibt nur noch wenig Zeitzeugen, aber jeder sieht seine eigene Welt.
Ungerechtigkeit+Ungerechtigkeit ergibt Minus.
Ich habe zwei schwerst traumatisierte Kinder aufgenommmen. Sie strittene sich um den Schnee. Und Glauben Sie mir das, es ist fast in einen Krieg ausgeartet.
Jeder fühlte sich im Recht.
Jedem normalen Menschen sollte klar sein das Schnee schmilzt.
Jedem Normalen Menschen sollte klar sein das man ein Land nicht kaufen kann.
Marion
Ich bin mit dem Thema nicht so vertraut. Trozdem haben mich die Teile 1-3 sehr betroffen gemacht. Leider konnte ich den 4 Teil nicht sehen. Hat den jemand aufgezeichnet und könnte ihn mir ukommen lassen. Ich wäre sehr dankbar.
mfg
Ronald