Finkelstein 2005

Norman G. Finkelstein macht in seinem Interview einen sehr treffenden Punkt: Die „Boycott Divestment Sanctions“-Bewegung (BDS) sei ein „Kult“ und spreche Israel das Existenzrecht ab. Meiner Meinung nicht nur das. Sie ist auch (vor allem in Deutschland oder Österreich) ein gefundener Schoß für so manchen (verdeckten) Antisemiten und auch aufgrund der deutschen und europäischen Vergangenheit hier geradezu wirkungslos. Aber das ist eine andere Frage und  würde BDS auch nicht prinzipiell  in Frage stellen, sondern nur den Beweggründe für einige Unterstützer erklären. Viel problematischer ist das Programm von BDS. Und dabei ist nicht der Boykottaufruf an sich gemeint. Ein solcher ist ein unter Umständen legitimes Mittel im Kampf gegen Repression. Als Beispiel dient hier der Boykott in den 80ern gegen die Apartheid in Südafrika. Problematisch sind vielmehr die Ziele der Bewegung. Hier setzt Finkelstein an. BDS  verfolge drei zentrale Anliegen:

a) Beendigung der Besatzung und Rückzug der Siedlungen

b) Rückkehr der Flüchtlinge (das wären mehrere Millionen)

c) Gleiche Rechte für arabische Israelis

Die Konsequenz (vor allem aufgrund des Rückkehrrechts) sei die Zerstörung Israels, eine Ein-Staatenlösung. Die Öffentlichkeit akzeptiere dies nicht, ebenso wenig die Heuchelei, wenn es um die arabische Minderheit gehe. Die Solidaritätsbewegung fordere vor allem nicht das internationale Recht ein, sondern mache selektiv Rechte geltend. Wenn sie sich an das internationale Recht halten würde, dann müsse diese Bewegung die Existenz Israels akzeptiere. Da sie dies nicht tue, sei diese Bewegung abzulehnen.