Floris Biskamp schreibt in der Junge World über legitime Judentumkritik … äh…Islamkritik und Ressentiment und stellt ganz unschuldig fest, man müsse :
[...] Broder für vieles, was er schreibt, und dafür, wie er es schreibt, dankbar sein (sic!) [...], auch wenn er reale Probleme im Islam benennt und verklärende Islambilder zu Recht kritisiert, weckt er bisweilen doch auch irrationale Ängste. [...] Aus seinen Texten spricht sowohl emanzipatorische Kritik (sic!) als auch ein gewisses Ressentiment.
Und für was genau soll man dem Rassisten, Nationalisten und Sexisten Henryk M. Broder jetzt dankbar sein? Da bitte ich doch mal um Aufklärung (haha).





Ich muss sagen, dass ich Biskamp noch viel ausgewogener finde in der Auseinandersetzung mit Islamophobie als die anderen antideutschen Szenetypen.
Broder scheint, ein deutscher Dershowitz zu sein.
Dershowitz argumentiert aber wenigstens (ohne damit ein Lob auf ihn singen zu wollen) stringent und logisch nach (seinen) juristischen Maßstäben, so dass seine Urteile objektiv erscheinen. Das vor allem deshalb, da er seine Fakten interessiert auswählt. Dershowitz will das Recht ändern, wenn er z.B. neue Kategorien bei Zivilisten aufmacht, wenn er dem Staat (USA/Israel und damit auch allen anderen) die juristische Rechtfertigung für Folter gibt. Er generiert im Grunde das Recht mittelbar, indem er der Legislative als Thinktank dient.
Broder bedient nur noch den blanken nationalistischen Chauvinismus gepaart mit einer Stammtisch-Aufklärungstheorie. Dafür ist er wenigstens etwas harmloser als Derhowitz. Der hat nämlich ein wenig mehr Blut an seinen Händen, als der Broder mit seinem Abiturientenrassismus.
Hey du Schmock, über Leute wie Dich hat er aber auch was geschrieben: Doch so Unrecht Broder in vielen Punkten hat, so berechtigt ist es, ihn in Schutz zu nehmen gegen die öffentlichen Angriffe derjenigen, die seit einigen Jahren im Vorurteil gegen den Islam den neuen Antisemitismus und in Islamkritikern die neuen Nazis erblicken. Auch sie inszenieren sich oft als die einsamen Rufer im Mainstream, der auf einen »Holocaust« an den Muslimen zusteuere.
Recht hat er.
Hat er das? In welchem Punkt denn? Wo will ich Kritik an religiösen Fanatismus oder sagen wir: an Religion an sich und somit auch am Islamismus und selbst am Islam, weil ich da in der Sache selbst nur Gemeinsamkeiten zum Judentum und zum Christentum sehen kann, oder eben keine diese teilenden Differenzen, zum Schweigen bringen?
Auch wenn er das in seinem Artikel nicht explizit schreibt, es seien jüdische Antisemiten, die Anklage ist die gleiche. Zu der immensen heuchlerischen Empörung (wo war die denn ein einziges mal nur, wenn aus dem rechten Flügel Israels die linke Seite angegriffen wurde oder Einzelcharaktere linke Juden als Nazis beschimpft haben, sind da diese Schreiberlinge oder gar Zeitung so durchgedreht? Nie!), wenn auch linke Juden Nazivergleiche nutzen, siehe sehr treffend dieses mal Weiss: Rightwing Jew can call leftwing Jew a Nazi, but if leftwinger turns the tables, he’s an anti-Semite. Mehr gibts darauf einfach nicht mehr zu sagen. Auch wenn man die Position der leute, die solche Nazivergleiche bemühen, nicht teilen mag. Die Kritik an diesen hat eben nicht zum Zwecke, der emanzipatorischen Seite Argumente zu geben. Sondern genau im Gegenteil: sie soll diskreditiert werden. Der Zweck der Kritik, den greife ich vor allem an. Nicht Kritik an sich.
Die These, dass der neue antimuslimische Rassismus starke Ähnlichkeiten mit dem klassischen Antisemitismus aufweist – also sozusagen strukturell antisemitisch ist, ist im Gegenteil sehr interessant und sollte unbedingt intensiver diskutiert werden.
Davon, dass Teile der Linken (?) aufschreien, weil sie und ihre Idole in die Kritik gelangen und sie noch dazu Gefahr laufen, ihren Lieblingsfetisch zu verlieren, sollte man sich nicht beeinflussen lassen.
Ein Vortrag von Sabine Schiffer zu Antisemitismus und Islamophobie, der das Thema bei weitem nicht auszufüllen schafft, aber wenigstens einen Einstieg in die Debatte gibt: http://schmok.blogsport.eu/2011/02/20/antisemitismus-und-islamophobie/
Ja, danke. Ich schaue zwar öfter mal auf deiner Seite vorbei, aber das war mir entgangen.
Für seinen Artikel hat Biskamp böse Reaktionen aus dem noch deutscheren Flügel der “Anti-”Deutschen erfahren. Erst nachdem ich gehört hab, dass er da angeeckt ist hab ich den Artikel gelesen (und es nachher dennoch bereut).
Welcher ist denn der Flügel, den du meinst?
Zum Beispiel Blogger, die auf ihren Seiten Bilder von israelischen Flaggen und Kampfjets haben.
(Auf der Jungle World Seite in der Twitterspalte vertreten)
was übrigens interessant ist, denn biskamp ist keineswegs der schlaue differenzierer, als der er sich darstellt, sondern er kommt selber aus der bahamas-ecke. er hat früher das “smartline-fanzine” betrieben und sätze wie “schieß dir den weg frei, israel!” geschrieben und dann grigat und osten-sacken bei der rosa-luxemburg-stiftung eingeladen. bei der achse des guten hat er auch schon geschrieben… sehr neutral!
Und um nicht noch mehr Leser zu verlieren hat die Jungle World jetzt über Gerhard Scheit gegengesteuert. Breivik hasst keine Muslime, er verehrt sie. Sein Hass gilt einzig den Juden.
Einen Link spar ich mir. Der Artikel heißt “Es gibt keine Islamophobie”. Welch unfassbar dämliches und durchschaubares Geschreibsel.
Biskamp hat sich ja aber offenbar geändert
Am 31. August 2011 wird besagter Biskamp in Berlin an einer Podiumsdiskussion mit u.a. TOP Berlin teilnehmen.
Thema: „Islam“ – „Abendland“ – „Kulturmarxismus“: Die populistische Rechte zwischen Wahn und bürgerlicher Mitte.
“Rechtspopulismus und die Linke”
“Einzelne Personen aus und beim TREND-Projekt haben sich in den letzten Wochen mehrmals getroffen, um in 2011 noch ein weiteres (3.) TREND Teach-in zu organisieren, welches am 17. Dezember 2011 im Berlin-Kreuzberger Mehringhof stattfinden wird. Zur Zeit steht die Veranstaltung unter dem Arbeitstitel “Rechtspopulismus und die Linke”.
In welche politisch-ideologische Richtung die Veranstaltung zielen wird, kann in dem gespiegelten ak-Artikel von Gerhard Hanloser Paranoide Weltbilder nachgelesen werden, der auf dem TREND Teach-in referieren wird. Als weitere Referenten haben zugesagt: Attila Steinberger (Krisis-Autor), Georg Klauda (Soziologe) und Bernard Schmid (Jurist,TREND-Autor) – weitere Infos folgen.”
Gerhard Hanloser: Paranoide Weltbilder
Anders B. Breivik und die Ablenkungsmanöver der “Islamkritiker”