Schon letzte Woche, am Donnerstag, dem 27. Januar 2011, hielten wir ein Interview mit dem Bürgerrechtler und Präsidenten der Palestinian Medical Relief Society (PMRS) Dr. Mustafa Barghouti an seinem Wohnort Ramallah. Beschränkte zeitliche Kapazitäten und einige andere Missgeschicke sind verantwortlich dafür, dass wir das Material erst heute, exakt eine Woche später, veröffentlichen können.

2002 gründete Barghouti unter anderen mit dem 2003 verstorbenen Edward Said die Palästinensische Nationale Initiative (Al-Mubadara), eine sozialdemokratische und reformistische Organisation, die 2008 in die Sozialistische Internationale (SI) aufgenommen wurde. Die Al-Mubadara versteht sich als Bewegung des sog. Dritten Weges, also als Alternative zur PLO und zur Hamas. Dr. Mustafa Barghouti ist ein scharfer Kritiker der korrupten PLO und setzt sich für einen friedlichen Widerstand gegen die israelische Besatzung und den anhaltenden Siedlungsbau ein.

2005 trat Mustafa Barghouti zu den Präsidentschaftswahlen an und erreichte mit fast 20% der Stimmen das zweitbeste Ergebnis hinter dem PLO-Vorsitzenden Mahmud Abbas. Unterstützt wurde Barghouti dabei auch von der PFLP, die keinen eigenen Kandidaten ins Rennen schickte. Dagegen scheiterte die aus Al-Mubadara und einigen unabhängigen Kandidaten bestehende Unabhängige Liste in den Wahlen zum Palästinensischen Legislativrat im Jahre 2006. Nur Barghouti und ein weiterer Abgeordneter erhielten einen Sitz, während die Hamas als Sieger aus der Wahl hervorging. Ob die Al-Mubadara von der derzeitigen Schwäche und dem Versagen der PLO profitieren kann, wird sich spätestens bei der nächsten Wahl zeigen.

Dr. Barghouti spricht in dem vorliegenden Interview über die aktuelle wirtschaftliche Situation im Westjordanland, den gescheiterten Friedensprozess und die Palestine Papers, sowie über die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft für die anhaltende Besatzung und Lage der Palästinenser.

[Anmerkung: Bei der Erstellung der Untertitel kam es leider zu einigen kleinen Fehlern, die wir aber in den nächsten Tagen nochmals korrigieren werden.  Wir bitten um Verständnis, dass wir die Veröffentlichung nicht noch länger hinauszögern wollten. Auch wird es noch eine reine englische Version des Interviews geben, ohne Untertitel. Wir danken zudem herzlichst Nidal Bulbul für die viele Arbeit, die er beim Schneiden und Bearbeiten des Videos investiert hat.]

Teil 1


Teil 2