Flötenspieler Karl Pfeifer ist ein großer Freund von Stellungnahmen der rechtsgerichteten Regierung unter dem guten alten Bibi Netanjahu. Am liebsten verbreitet er diese über seine Seite Die Jüdische. Ganz großes Kino kann man dort jetzt nach den Veröffentlichungen von Al Jazeera1 erleben, wenn man sich einmal so eine öffentliche Stellungnahme des israelischen Staates zu Gemüte führt. Jeder, der noch ein Fünkchen Verstand hat, wird die offene Verlogenheit und Ignoranz gegenüber den wirklichen Gegebenheiten sofort entdecken.

Ayalon lässt im Angesicht der vermehrten Anerkennungen Palästinas2 und der damit einhergehenden Aufwertung der palästinensischen Vertretungen im vielen Staaten3 voller Horror über seine Botschaften weltweit verbreiten:

„Leider sind diese einseitigen Deklarationen ohne Bedeutung und kontraproduktiv im Zuge der Verhandlungen. Vielmehr unterstützen sie eine Blase von Erwartungen die unter der palästinensischen Führung weiter wächst. […] Wir alle wissen, dass Blasen letztendlich platzen und es ist fahrlässig, zu solch einer unhaltbaren Politik beizutragen“.

Übersetzt: Frieden? HAHA, guter Witz. Warum sollten wir mit jemanden Frieden schließen, der keinerlei Gefahr für uns darstellt?! Oder doch nur eine Drohung? Der nächste Krieg Das nächste Massaker steht schon an? Also nicht enttäuscht sein, liebe palästinensische Führung, wenn wir einen Dreck auf eure Zugeständnisse geben, wenn uns der Frieden einfach nicht interessieren will. Da kann man uns sogar fast sämtliche Siedlungen um Jerusalem anbieten, und damit das größte jüdische Jerusalem, was es je gab.4 Interessiert uns alles nicht. Und einen Pfeifers Karl in seinem Alterswahn erst recht nicht. Man muss schon ziemliche Schläge auf den Kopf bekommen haben oder eine Menge Drogen nehmen, um das wirklich ernst zu meinen. Aber halt, kommt ja noch besser:

„Jedes Geschenk, das die Palästinenser von der internationalen Gemeinschaft erhalten, unterstützt ihre Widerspenstigkeit und Maximierungsstrategie. Wir können wohl einen Zusammenhang erkennen zwischen der Anerkennungswelle eines Palästinensischen Staates und der Verhärtung der palästinensischen Position“.

Maximierungsstrategie? Bitte auf dem Mund zergehen lassen! Diesen Ausdruck schlage ich den anderen als „Nahost-Unwort des Jahres 2011“ vor. Und von welcher „Verhärtung“ spricht dieser Mann eigentlich? Davon, dass Abbas und seine Fatah Israel anboten, die Siedlungen zu annektieren, und anstatt Millionen von Flüchtlingen nur etwa 100.000 nach Israel wieder zurückkehren sollen?5 Oder ärgert sich da jemand, dass er damals diese Gelegenheit verpasst hat und die Palästinenser international nun immer mehr Unterstützung finden? Stimmt, aus dieser Perspektive kann man schon von einer „Verhärtung“ sprechen. Denn weiter als nackig kann man sich nicht ausziehen. Die Weigerung Kleider abzulegen, die man gar nicht mehr auf der Haut hat, kann unter Umständen mit einer  „Verhärtung“ verwechselt werden.

Wenn immer davon gesprochen wird, dass die PLO vor 1988 Israels Existenzrecht nicht anerkannte, dann sollten wir dabei aber festhalten, dass die PLO  damals ein demokratisches binationales Palästina als Programm hatte. Und jetzt, wo es Israel längst anerkannt hat (Israel aber kein Palästina) und die PLO Israel solche Zugeständnisse gab, wie die Dokumente enthüllten, spricht Ayalon von „Verhärtung“ der palästinensischen Position. Die Einstaatenlösung „Palästina“ könnte unter anderem Namen, nämlich als „Israel“, bald wieder vermehrt an Unterstützung gewinnen. Sie ist nichts anderes als das, was die PLO in den 80ern forderte. Aber ich vergaß ja den ungalublichen (!!!) Skandal: Die PLO will Israel einfach nicht als „jüdischen“ Staat anerkennen. Feuerherdt, übernehmen sie!

Sieht man von der anhaltenden Kollektivbestrafung der Menschen in Gaza  und den  ständigen Angriffen der IDF ab: jede Woche werden friedliche Demonstrationen  von Israelis und Palästinensern im Westjordanland und in Jersualem mit Knüppeln, Tränengas und Gummigeschossen auseinander getrieben, Israels linke Opposition wird unter  generellen „Terrorverdacht“ gestellt, und auch im Inland macht die rechte Regierung mobil, zum Beispiel gegen die Beduinendörfer im Negev. Noch gibt es einen friedlichen Widerstand. Nur: wie lange kann sich ein solcher halten?  Dann hat Israel einen weiteren Grund, den Frieden abzulehnen: Man sieht ja, wie gewaltätig die palästinensische Seite ist.

Also anstatt den Siedldungsbau einzustellen, stellt sich die israelische Regierung taub und blind: Die Palästinenser sollen unbedingt an den Verhandlungstisch zurückkehren.

„Nur eine Verhandlungslösung wird den Palästinensern erlauben, ihre nationalen Wünsche zu verwirklichen. Alles, was die Palästinenser vom Verhandlungstisch fernhält, ist kontraproduktiv für den Frieden“.

Ja warum bloß? Weil so, ohne Verhandlungen und mit den fortschreitenden Anerkennungen Palästinas in den Grenzen von 1967 durch immer mehr Staaten, vermehrt deutlich wird, was Israel seit Oslo betreibt: Vorn herum verhandelt es mit der PLO, hinten herum transferiert es durch den anhaltenden Siedlungsbau immer mehr Siedler in den zukünftigen Staat Palästina, um ihn letztendlich zu verhindern. Eine Verdreichfachung der Siedler in den letzten 17 Jahren und dass die Siedler inzwischen 42% der Westbank für ihre Infrastruktur nutzen, zeigt, wo das Probem liegt. Sicherlich nicht in einer „unwilligen“ palästinensischen Führung, die (ohne Sympathie dafür zu haben) versucht zu retten, was von dem Häufchen Elend noch zu retten ist.

Jedenfalls wird auch dem (sicherlich nicht nur amerikanischen) Mainstream langsam klar, dass es nicht die palästinensische Seite war und ist, die den Frieden sabotiert, wo es nur möglich ist.6

Am Ende weiß man nicht, wer der größere Schmok ist, Ayalon oder Pfeifer, der so eine Lachnummer auch noch verbreitet. Dem ist anscheinend langsam echt gar nichts mehr peinlich.

  1. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,741147,00.html; vgl. auch die Seite von Al Jazeera zu den sog. „Palestine papers: http://english.aljazeera.net/palestinepapers/ []
  2. Vor Perus hatten schon einge andere Staaten Palästina anerkannt. Vgl. „Abbas: Ecuador folgt Bolivien in der Anerkennung Palästinas“: http://amerika21.de/meldung/2010/12/18366/ecuador-palaestina []
  3. Vgl. dazu „Domino-Effekt erreicht Europa“: http://www.nai-israel.com/default.aspx?tabid=179&nid=22697 []
  4. Vgl. Mondoprinte „Das größte Jerusalem in der jüdischen Geschichte“: http://mondoprinte.wordpress.com/2011/01/24/das-groste-jerusalem-in-der-judischen-geschichte/ []
  5. Vgl. auch  „Palästinenser werfen al-Dschasira Sabotage vor“: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,741275,00.html []
  6. „The truth that the ‘Palestine Papers’ has broken into the mainstream: Israel is the obstacle to peace“: http://mondoweiss.net/2011/01/the-truth-that-the-palestine-papers-has-broken-into-the-mainstream-israel-is-the-problem-state.html []