IMEMC schreibt unter der Überschrift: „PLO-Report dokumentiert palästinensische Tote, Hauszerstörungen und Expansion der Siedlungen im Jahre 2010“:

Die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) veröffentlichte in dieser Woche einen Bericht, der die israelischen Menschenrechts­verletzungen gegen Palästinenser im Jahr 2010 dokumentiert.

Dem Bericht zufolge wurden 107 Palästinenser durch Israel getötet und 145 Häuser wurden zerstört. Die israelische Regierung billigte ferner 16.479 Wohnungen in den Siedlungen im Westjordanland. Zusätzlich wurden vierhundert Palästinenser während Invasionen der palästinensischen Gemeinden verhaftet.

Unter den Laufe des Jahres 2010 von Israel Getöteten waren 10 Kinder, 4 Frauen, 2 politische Gefangene in israelischen Gefäng­nissen und 9 türkische Staatsangehörige, die während des israelischen Marineangriffs auf die Schiffe mit den Hilfslieferungen für Gaza getötet wurden.

Die israelische Armee enteignete 4.826 Dunum [482,6 ha; Schmok] palästinensischen Landes aus verschiedenen Teilen des Westjordanlandes und Ost-Jerusalem. Im Jahr 2010 genehmigte die israelische Regierung 16.479 neue Wohnungen in Siedlungen im Westjordanland, 13.000 sind bereits im Bau.

Die israelische Regierung ließ 145 palästinensische Eigenheimen im Westjordanland und in Ost-Jerusalem abreißen. Darüber hinaus wurden 190 Hütten, Bauernhäuser und Zisternen im Jahr 2010 zerstört.

Zudemt fügte die PLO ihrem Jahresrückblick hinzu, dass die israelische Regierung Abrissaufforderungen zu 1334 palästinen­sischen Eigenheimen im Westjordanland und in Ost-Jerusalem ausgestellt hat. (Eigene Übersetzung der Meldung)

Dies sind nüchterne Zahlen, die trotz der Parteilichkeit der PLO nicht einfach als ideologische Propaganda abgetan werden können. Zeigt man indes nur auf die Toten, so kommt die Repression nicht wirklich zum Vorschein. Denn diejenigen, die Besatzung und Siedlungbau beschönigen, rechtfertigen oder ignorieren, werden immer versuchen, die Toten als Terroristen oder traurigerweise hinzunehmende Kollateralschäden zu bezeichnen. Teilweise mag das objektiv sogar richtig sein, dass einige Zivilisten wirklich von dem Einzelnen nicht absichtlich getötet wurden. Auch kann es durchaus sein, dass eine nicht kleine Zahl der über 100 Toten wirklich unterschiedlichen bewaffneten Einheiten angehörte.1 Siedlungsbau und Hauszerstörungen, Enteignungen und Ausbau der nach internationalem Recht widerrechtlich errichteten Siedlungen lassen sich aber nun einmal nicht schönreden. Aber selbst da kommen einige wirklich noch auf die Idee (und ja, die meinen das bitter ernst), diese Siedlungen als Sicherheitsbefestigungen für Israel zu bezeichnen. Und geht dann gar nichts mehr, wird behauptet, Problem sei, dass „die“ Palästinenser eben ein „judenreines“ (A. Feuerherdt) Palästina haben wollen.

Anstatt zu registrieren, dass sich die Lage für alle Beteiligten, sowohl für die palästinensischen, als auch für die israelischen, für Christen, Muslime, Juden und allen anderen Menschen in und um Israel und seinen Nachbarstaaten (und hier auch der Menschen jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft außerhalb Israels, die durch die Gleichsetzung mit Israel sowohl nationalistischen als auch antisemitischen Anfeindungen und Gewalt ausgesetzt sind) immer mehr zuspitzt, werden diejenigen, die sich sowohl in den besetzten Gebieten, in Israel, in Europa oder in den USA für einen Frieden einsetzen, angefeindet, beschimpft, denunziert und auch angegriffen. Wo sind all die heuchlerischen Stimmen, die gestern noch nach einem „friedlichen Widerstand“ riefen, den es auch trotz der beiden Intifadas immer gab, der aber nie zur Geltung kam und von den Selbstmordattentaten und Kämpfen in den Schatten gestellt wurde. Jetzt, wo die nicht erst seit gestern existierende Repression immer offener sichtbar wird (die Gründe dafür sind unterschiedlichst), schweigen alle betreten. Aber um eines klarzustellen: es gab auch vor der ersten Intifada keine „humane“ Besatzung.

  1. Dem Begriff „bewaffnete Einheiten“ lasse ich keinerlei Wertung zukommen, denn sowohl Terrorist, als auch Kämpfer, Polizisten oder Widerstandskämpfer tragen alle ihre eigene Wertung mit sich und werden von diesem Begriff umfasst. []