Echt “provokativ”: Ein Jude und ein Araber zusammen auf Deutschlandtour.1 Neben schlechten Ausländer- und Judenwitzen macht Broder, der es im gelobten Land dann doch nicht allzu lange aushielt, einen auf Israeli: Er hängt sich die blau-weiße Fahne mit dem Davidstern an seinen Fahrersitz und bietet seinem Beifahrer für dessen Hilfe, als Stele verkleidet am Holocaustmahnmal herumzustehen, den Sinai (da kommt Broder etwas zu spät) und dann Gaza an:
Broder: “Das ist nicht verhandelbar?”
Abdel-Samad: “Nein!”
Broder: “Und wenn wir euch den Sinai zurückgeben? Den habt ihr ja schon.”
Abdel-Samad: “Den haben wir schon…aus eigener Kraft.”
Broder: “Auch ganz Taba?”
Abdel-Samad: “Taba haben wir auch zurück. Samt Hotel!”
Broder: “Okay. Wir geben euch Gaza zurück!”
Abdel-Samad: “Das brauchen wir nicht, das ist so kaputt.”2
Na klar, Broder! “Wir” geben den Ägyptern Gaza “zurück”. Da stellt sich die Frage, wer denn “wir” sind? “Die Israelis”? Oder dann doch “die Juden”? Moment, war Broder nicht vor kurzem noch empört über Grosser, der sagte, Israels Politik errege Antisemitismus.3 Hatte Broder da nicht noch drauf bestanden, dass dies doch die Behauptung wäre, die Juden seien selbst Schuld am Antisemitismus? Dabei betrieb Grosser gar keine Gleichsetzung der Juden mit Israel, sondern prangerte nur die Auswirkungen der israelischen Politik auf Menschen jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft weltweit an. Aber jetzt geben “wir” den Ägyptern Gaza “zurück”?
Apropos Gaza: Wie kann man denn etwas zurückgeben, was nie zu Ägypten gehörte? Ägypten mag Gaza 20 Jahre lang verwaltet haben, annektiert hatte es den Streifen jedoch nie.
Broder spricht hier sicherlich als Israeli, nicht als Jude, oder? Vielleicht habe ich auch nur keinen Humor.





Du liebe Güte, Du regst Dich aber auch über Sachen auf
…
Soll man sich nicht darüber aufregen, wenn ein Broder mit seinem obskuren Abfeiern der israelischen Politik im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen so tut, als sei es das normalste der Welt, dass ein Juden zur israelischen Flagge steht? Weniger, weil er damit zur Schau trägt, dass er die Politik des Staates in ihren groben Zügen als richtig ansieht oder sich mit dem Staat identifiziert. Das interessiert mich nicht. Soll Broder doch den ganzen Tag die HaTikwa singen. Wenn es ihn glücklicher macht, bitte. Aber Broder führt sich schon immer so auf, als könne er im Namen aller Juden sprechen. Das Bild wird einem jedenfalls auch hier vermittelt.
Es stimmt schon. Manchmal sind die gewählten Personalpronomen durchaus verräterisch. Ich kann mich an diese kaum zu ertragende Hart-aber-fair Episode um den Gazakrieg erinnern, in der Norbert Blüm sich an Friedman gerichtet empörte: “Warum macht ihr(!) das da unten??” So jedenfalls sinngemäß.
Friedman hakte dann zurecht nach, wen Blüm denn eigentlich mit “ihr” meine.
Gerade Broder hat sich stets über solche Dinge ausgelassen und nun tappt er selbst hinein.