Es nähert sich der 9. November und somit die Rede Alfred Gossers 1 in der Paulskirche in Frankfurt a.M. Den Disput um den Gedenktag nimmt Henryk M. Broder einmal mehr zum Anlass, gegen Grosser zu hetzen:
“Als Jude ist er [Grosser] über jeden Verdacht erhaben, antisemitische Ressentiments zu bedienen. Wenn er beispielsweise sagt, “dass gerade Israels Politik den Antisemitismus fördert”, dann übt er nur “Israelkritik”, auch wenn es sich um die moderne Variante des Klassikers handelt, am Antisemitismus seien die Juden schuld.”2
Einfache Leute – einfaches Denken. Dass es dann aber doch nicht ganz so einfach ist, zeigt zum Beispiel Tony Klug in einem vor einigen Monaten veröffentlichten Artikel auf. In der Mai/Juni-Ausgabe des vom liberalen Rabbi Michael Lerner herausgegebenen Magazins Tikkun schrieb er genau zu dem von Broder angesprochenen Thema, ob die Politik des Staates Israel eine Gefahr für Juden weltweit sein könnte:
“Even posing the question is painful, for after all the suffering anti-Semitism has caused the Jewish people over the centuries, the last thing we need or deserve is to have it become a permanent state of affairs. Nonetheless, the proposition that the State of Israel, which was conceived as a way of normalizing relations between Jews and all other peoples, might instead be normalizing anti-Semitism is not one we can simply close our eyes to in the forlorn hope that it will go away of its own accord.”3
Keine Frage: Nicht wenige nehmen den israelisch-palästinensischen Konflikt als wahres Geschenk entgegen, um ihren schon davor existierenden Judenhass ein “rationales”, gerechtfertigtes Gesicht zu geben. Dass es Personen gibt, die den Konflikt dazu gebrauchen, ihrem Antisemitismus Ausdruck zu verleihen, indem sie “die Juden” als selbst verantwortlich für den Antisemitismus oder dessen Anstieg machen, lässt es aber wiederum nicht als unmöglich erscheinen, dass dieser Rassismus eben erst durch den Konflikt selbst geboren wird. Würde denn jemand ernsthaft behaupten wollen, dass die Politik der amerikanischen Regierung in Südamerika oder Südostasien keinen Antiamerikanismus befördern würde? Das Bewußtsein der Leute mag falsch sein, aber die Politik eines Staates, durch die andere Menschen negativ betroffen werden, ruft immerzu Ressentiments gegenber dessen Staatsvolk hervor. So auch nicht anders im Falle Israels. Zudem beansprucht Israel der Staat aller Juden zu sein; gleichzeitig üben sich viele der weltweiten Gemeinden in einer – aus unterschiedlichsten Gründen resultierenden – falschen Solidarität mit der Politik dieses Staates, mag sie sich auch noch so kriegerisch und blutig äußern.4 Der durchaus zu verzeichnende und nicht zu verharmlosende Anstieg des Antisemitismus in der Welt korreliert dann auch oft mit dem Vorgehen Israels gegen seine Nachbarn oder die Palästinenser.5 Das wissen auch diejenigen, die den Anstieg des Antisemitismus anprangern, um damit ein Argument für den Staat Israel zu machen. Oder anders herum gefragt: Würde jemand ernsthaft behaupten wollen, der auch unter Juden grassierende Rassimus gegenüber Muslimen habe rein gar nichts mit dem Terror der Hamas oder der Hezbollah zu tun? Wäre es dann aber nicht die logische Konseuquenz, dass man versucht Frieden zu schließen und den Konflikt zu beenden, wenn sich eine Variante des Antisemitismus und auch Rassismus gegenüber Muslimen gerade eben aus diesem Konflikt speist? Dazu Klug:
“We are the only democracy in the Middle East. We have the most moral army in the world. The Palestinians spurned our generous offer—as always, with violence. We have the right to defend ourselves. There is no peace partner. The Arabs have always rejected us and always will. Palestinian terrorism. Arab terrorism. Muslim terrorism. Anti-Semitism. New anti-Semitism. Blood libels. Self-hating Jews. Islamo-fascism. Security, security, security. Everyone else is naïve, naïve, naïve. We have no alternative.” And the list goes on. It is worth noting, however, that one formerly popular slogan, “the most liberal occupation of all time,” is rarely heard these days.
Es geht dabei vor allem nicht darum, den Opfern von antisemitischen Übergriffen die Unterstützung zu entiehen, wie viele behaupten.6 Es wird aber durch Broder suggeriert, als sei die sachliche Feststellung, dass die kriegerische Politik Israels und die Unterdrückung der Palästinenser Rassismus gegenber Juden hervorruft, der klassischen antisemitischen Behauptung gleichzusetzen, Juden an sich würden den Antisemitismus erst hervorrufen. Die moderne Legende des Ritualmordes? Oder, wie Klug schreibt:
“The Jewish reality has changed dramatically since the end of World War II, with the establishment of a Jewish state and the entrenchment of equal citizenship rights in most if not all countries that Jews inhabit. Whichever way you look at it, there simply is no comparison in reality between past trumped-up accusations of abusive power leveled against a downtrodden, defenseless community that time and again was made to pay a heavy price for these baseless smears, and the current accusations of improper use of power against an advanced, nuclear-armed state which, for the past forty-two years, has enforced a harsh military rule over the lives of another downtrodden, dispossessed people, while relentlessly colonizing their remaining land.”
Der Vorwurf, man mache die Juden für den Antisemitismus selbst verantwortlich, funktioniert dann auch nur, wenn sowohl jene, die dies tun, als auch teilweise diejenigen, die einen solchen Vorwurf anprangern, Israel mit “den Juden” gleichsetzen. Ohne diesen Gedanken ist der andere, die Juden seien selbst Schuld am Antisemitismus, auch nicht zu haben. Wer also trennt zwischen Israel als Staat und Juden als Bürger der Staaten, in denen sie leben, der kommt auch gar nicht auf die Idee, “den Juden” Schuld am Antisemitismus zu geben. Broder dreht das Verhältnis auf den Kopf. Es verhält sich vielmehr so, dass Israel eben nicht für alle Juden sprechen kann, geschweige denn für alle jüdischen Israelis, Israels Taten aber alle Juden weltweit betreffen – im Guten wie im Schlechten. So sagte Olmert während des Krieges gegen den Libanon, dies sei ein Krieg, den das ganze jüdische Volk führen würde.7 Nahm er damit nicht alle Juden weltweit in Sippenhaft für das Handeln des israelischen Staates? Wer Antisemitismus erfolgreich bekämpfen will, der muss sich aller Gründe dafür annehmen. Und dazu gehört nicht nur der Rassismus in den Köpfen der Menschen, sondern auch die Politik des Staates Israel. Genau darum ist es in letzter Konsequenz wichtig, wie Klug richigerweise klarstellt, Einfluss auf die Politik des israelischen Staates zu nehmen, um den Konflikt zu beenden, anstatt sich wie ein Kramer als Bellizist aufzuführen:
“If they had any sense, Jewish diaspora communities would use such influence as they have with the Israeli government to encourage it to adopt such a policy and simultaneously align themselves with apposite international moves to this end—if not from conviction then at least on the grounds of prudent self-protection.”
- Vgl. auch: “Gedenken an Reichspogromnacht ohne Zentralrat?” – http://schmok.blogsport.eu/2010/11/01/gedenken-an-reichspogromnacht-ohne-den-zentralrat/ [↩]
- Henryk M. Broder auf Spiegel Online: “Wenn Grosser die Anti-Israel-Keule schwingt” – 3. November 2010, http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,726836,00.html [↩]
- Tony Klug: “Are Israeli Policies Entrenching Anti-Semitism Worldwide? – http://www.tikkun.org/article.php/may2010klug [↩]
- Das beste Beispiel dafür sind die ewigen Solidaritätsbekundungen des Zentralrats, besonders in Person ihres Generalsekretärs Kramer, der nicht müde wird, bei jedem noch so offensichtlichen Verbrechen des israelischen Militärs im Libanon oder in Gaza dem Staate Israel die Treue zu schwören. Vgl. dazu beispielhaft dessen Stellungnahme zum Massaker in Gaza: http://www.zentralratdjuden.de/de/article/2173.html und http://www.zentralratdjuden.de/de/article/2183.html [↩]
- “Zahl antisemitischer Straftaten weltweit verdoppelt” – Die Presse.com, 11. April 2010 : http://diepresse.com/home/panorama/welt/557577/index.do?_vl_backlink=/home/index.do oder Ulrich W. Sahm auf der Nachrichtenseite von n-tv: http://www.n-tv.de/politik/Israel-erinnert-an-die-Opfer-article820092.html [↩]
- Vgl. hierzu z.B. den in vielen Punkten zuzustimmenden Artikel von Stephen Byers: “Wiederaufleben eines alten Hasses” – Hagalil, 15. märz 2004: http://www.hagalil.com/antisemitismus/europa/byers.htm [↩]
- “PM launches UJC campaign: This war fought by all Jews” – Ynetnews, 8. Juli 2006: http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3287851,00.html [↩]





“Wer Antisemitismus erfolgreich be(k)ämpfen will, der muss sich aller Gründe dafür annehmen. Und dazu gehört nicht nur der Rassismus in den Köpfen der Menschen, sondern auch die Politik des Staates Israel.”
Bullshit, denn wer vorher nicht schon Antisemit war, wird es auch durch die “Politik des Staates Israel” nicht!
Ansonsten müsste das doch bei jedem Staat dieser Welt funktionieren! Also wenn ich z.B. die Politik Russlands scheußlich fände, mutierte ich automatisch zum Antislawelist? Mhm … na sicher doch.
Ist das nicht eher wieder so eine Geschichte, die eben nur mit Juden funktioniert, wie schleichende Völkermorde und Genozide oder ethnische Säuberungen, bei den sich die “gesäuberte” Ethnie verzehnfacht?
Oder die unfassbar dummdreiste Argumentation vieler “Israelkritiker”, die tatsächlich Israels Verhalten mit seinem Existenzrecht verknüpfen? Derartige Forderung kommen besonders gern aus den Reihen deutscher Kämpfer gegen den “Weltzionismus”, sehr lustig diese Geschichtsverdrängung!
Nein mein lieber “Schmok”, Antisemiten aller Couleur brauchen keinen weiteren Grund für ihren pathologischen Judenhass. Der einzig plausible ist nämlich die Existenz der Juden selbst. Alles andere sind jämmerliche Versuche zur Legitimierung des Antisemitismus.
Stimmt. Wer vorher Antisemit war, der wird auch dadurch nicht von seinem Judenhass abgebracht, wenn Israel als jüdischer Staat auf Kriege gegen seine Nachbarn verzichtet und Frieden mit ihnen schließt oder auch ein Frieden mit den Palästinensern Durchbruch findet. Insoweit stimme ich dir zu. Aber das schrieb ich auch schon im Text selber. Darum geht es aber auch gar nicht. Getrennt davon, dass ein Broder hier Grosser Antisemitismus unterstellt (es müsste doch mal langsam aufallen, dass alle linken oder linksliberalen jüdischen Kritiker inzwischen mit dem Label “Antisemit” belegt und damit den Nazis zumindest in gewisser Weise gleichgestellt werden), geht es hier um die Auswirkungen eines realen Konflikts, und nicht um Hirngespinste.
Der Fehler in dieser Denke ist, dass er damit behauptet, dass ein realer Konflikt niemals Rassismus hervorrufen könnte. Das bedeutet also, Rassismus zwischen Franzosen und Deutschen hat es nie gegeben? Rassismus der Amerikaner gegenüber Japanern? Wie funktionierte der Antisemitismus der Bauern im zaristischen Russland? Warum soll also ein Krieg gegen den Libanon oder gegen die Palästinenser nicht Rassismus gegenüber in erster Linie Israelis und im zweiten Schritt gegen alle Juden hervorrrufen? Wir haben nun einmal das Phänomen, dass es nur einen jüdisch-geprägten Staat gibt. Das ist eine Besonderheit. Es ist aber gleichzeitig auch eine Besonderheit, dass dieser einzige Staat eben für sich in Anspruch nimmt, der Staat der Juden zu sein. Dadurch hinkt dein Vergleich mit Russland.
Bei dem Rest: ja, keine Frage. Gerade bei dem sog. Existenzrecht kommt dann durchaus zu Tage, dass man Israel mit zweirelei Maßen misst, gerade weil sich darin der Antisemitismus wiederspiegelt. Aber seien wir doch mal ehrlich: Wer ausser ein paar durchgeknallte Antiimperialisten (ohne jetzt mal von Nazis reden zu wollen) tut das denn? Der Großteil derer, sowohl auf jüdischer als auch auf palästinensischer Seite, die sich für einen Frieden einsetzen, sind garantiert keine Leute, die Israels Existenz in Frage stellen. Sich auf diesen Punkt zurückzuziehen, führt die Diskussion ad absurdum, weil sie sich gar nicht auf die Argumente der Gegenseite einlassen will, sondern stumpf Parolen herunterrattert, die mit der Realität nur wenig zu tun haben.
Ein weiterer Versuch, eine mögliche, fruchtbare Diskussion im Sande verlaufen zu lassen.
Und wenn ich mir die Rede Grossers so ansehe, hat der Druck auf ihn sicherlich auch seine Auswirkungen hinterlassen. Ohne die Drohungen von Korn und Kramer wäre sie vielleicht doch heftiger ausgefallen. Aber Grosser hat hier ausserordentlich besonnen reagiert. Dennoch: alles in allem war dies ein großer Sieg für Grosser und jeden innerhalb und ausserhalb der Gemeinden, der nicht einverstanden ist mit der Politik des Zentralrates in Bezug auf Israel. Die Öffentlichkeit hat zumindest für einen kurzen Moment eine anderes jüdisches Gesicht gesehen, als das vom Zentralrat präsentierte kritiklose Solidarisieren mit Israel. Deutschland ähnelt den USA aber darin, dass auch hier vorwiegend die Rechten Gehör bekommen oder sich verschaffen. Darum war der Auftritt Grossers sehr wichtig, da wir hier in der BRD weit hinter z.B. den USA zurückstehen. Dort ist die Diskussion schon viel offener und die kritischen Stimmen viel lauter, siehe J Street oder die Jewish Voice for Peace.
Hi
Zur Kenntnis:
http://kritikundkunst.wordpress.com/2010/11/11/offenes-posting-an-schmok/
lg
Okay, ich habe meinen oben verlinkten Beitrag ja erst einmal editiert. ich will es versuchen: Zitat: “Es verhält sich vielmehr so, dass Israel eben nicht für alle Juden sprechen kann, geschweige denn für alle jüdischen Israelis, Israels Taten aber alle Juden weltweit betreffen – im Guten wie im Schlechten.” Da ist die entscheidende Differenz zwischen uns. Zunächst einmal: Stimmt. Israel ist ein Staat, die Handlungsweise dieses Staates kann man ganz ruhig kritisieren, und wer eine politische Kritik an den handlungen der israelischen Machtelite als “Antisemitismus” labelt, begeht eben jenen Fehler, den er seinem Opponenten zulügt, selber. ER identifiziert dann Israel=Juden, nicht Du oder ich. Hier sind wir einig.
Ferner, Zitat: “Keine Frage: Nicht wenige nehmen den israelisch-palästinensischen Konflikt als wahres Geschenk entgegen, um ihren schon davor existierenden Judenhass ein “rationales”, gerechtfertigtes Gesicht zu geben. ”
Ebenfalls völlig einig!
Sodann aber: wiederum Zitat: “Dass es Personen gibt, die den Konflikt dazu gebrauchen, ihrem Antisemitismus Ausdruck zu verleihen, indem sie “die Juden” als selbst verantwortlich für den Antisemitismus oder dessen Anstieg machen, lässt es aber wiederum nicht als unmöglich erscheinen, dass dieser Rassismus eben erst durch den Konflikt selbst geboren wird. Würde denn jemand ernsthaft behaupten wollen, dass die Politik der amerikanischen Regierung in Südamerika oder Südostasien keinen Antiamerikanismus befördern würde? Das Bewußtsein der Leute mag falsch sein, aber die Politik eines Staates, durch die andere Menschen negativ betroffen werden, ruft immerzu Ressentiments gegenber dessen Staatsvolk hervor.” Und das halte ich für falsch. Die Ressentiments sind niemals legitim. Streng genommen waren es nicht einmal die Ressentiments gegen “die Deutschen” während/nach 45, da ja nicht einmal alle Deutschen schuldig waren. (Allerdings wird man die Ressentiments gegen Deutsche noch einigermaßen nachvollziehen können…) Zwischen der – berechtigten – Kritik an der derzeitigen konkreten isrealischen Mehrheit und dem Schritt hin zum “Juden” liegt der entscheidende Sprung! Für diesen Schritt ist immer der Antisemit selber verantwortlich – nie die, wenn auch derzeit unglaublich törichte, Mehrheitsmeinung in Israel. Denn hier wird dann naturalisiert, gerne auch auf pseudowissenschaftlichem Niveau (so a la “die patriarchalische jüdische Erziehung” undsoweiter…) Ich trommel seit Jahren, dass, wenn ich Herrn Lieberman ablehne, ich eben Herrn Lieberman ablehne und weder “die” Israelis noch gar “die” Juden. Genau diesen Sprung muss man massiv unterlaufen, statt, wie Du, dafür auch noch Verständnis zu äußern. Du selber befürwortest diesen Sprung ja nicht – aber ich würde auch kein Verständnis für ihn äußern wollen.
lg
Dann liegt hier wirklich ein Missverständnis vor. Erstens betrachte ich Ressentiments nicht als legitim. Sich zu erklären, wo etwas herkommt, heisst nicht, diese Sache dann auch zu rechtfertigen. Ich habe dann (so glaube ich) doch keine Differenz zu dir. Denn: Es ist eben nicht so gemeint, dass “die” Deutschen oder “die” Franzosen Schuld sind an dem gegenseitigen Rassismus, sondern der zu beobachtende Rassismus zwischen den Menschen (den Übergang muss der Rassist und Antisemit noch selbst durchführen, das stimmt) ist lediglich das zu beobachtende Phänomen, was aber auf bestimmten Gründen basiert. Und genausowenig, dass “die” Israelis und im nächsten Schritt gar “die” Juden verantwortlich sind für den Rassismus oder den Antisemitismus. Diese falschen Gründe kommen aber irgendwie in die Welt.
Beim Antisemitismus lassen sich daher grob zwei Richtungen einteilen: Eva Reichmann beschrieb sie als “echten” und als “unechten” Antisemitismus. Sie verdeutlichte dies, indem sie (ich verkürze dies jetzt mal) den Antisemitismus Westeuropas mit dem der Bauern im zaristischen Russlands verglich. Letzterer basierte auf einem realen Konflikt: die Bauern, die sich an den Adel nicht herantrauen, der sie ausbeutet, halten sich an die Juden, indem sie diese kollektiv mit denen ihnen konkret gegenübertretenden Mittelsmännern identifizieren. Ganz im Gegensatz zum subjektiven, “unechten” Antisemitismus, der eben grob einen Feind “im Volkskörper” oder als “Fädenzieher” in anderen Staaten sucht, den er für sein schlechtes Abschneiden verantwortlich machen kann. Diese Erklärung rechtfertigt doch nicht den Antisemitismus. Diesen Unterschied, klassischer Antisemitismus bzw. ein Rassismus, der aus einem Konflikt erwächst, muss man auch im Falle Israels erkennen.
Wenn man natürlich einen Staat mit seinen Bürgern gleichsetzt, dann muss das rauskommen, was du kritisierst, stimmt. Es geht mir dabei gar nicht um irgendwelche Mehrheiten, sondern um die konkrete Politik eines Staates und seines Apperates. Die mag natürlich durch seine Protagonisten getragen sein, eine kollektive Zurechnung findet darum noch lange nicht statt. Da die Trennung Staat – Staatsvolk für mich als selbstvertsändlich gilt, kann dieses Missverständnis igentlich nur so aufgekommen sein.
“Die mag natürlich durch seine Protagonisten getragen sein, eine kollektive Zurechnung findet darum noch lange nicht statt. Da die Trennung Staat – Staatsvolk für mich als selbstvertsändlich gilt, kann dieses Missverständnis igentlich nur so aufgekommen sein.”
naja, von Dir natürlich nicht, wohl aber von denen, die dann – etwa beim gazah-krieg – mit Sprüchen wie “diese scheiss-Juden wieder” (original gehört im Bus!) anrücken. Ich habs jetzt aber besser verstanden, worauf Du hinauswolltest.
Über Typen wie Clemens Heni müssen wir nicht reden. Das ist zT wirklich schon bösartiges Nicht-Verstehen-wollen, was diese geistig mäßig bemittelte Krachfatzke da hinlegt. Posener hat ihm ja gebührend Bescheid erteilt. Habs damals begeistert in meinem Blog verlinkt und kommentiert.
ah-ah-alles an-an-antisemiten