Lieber PD Dr. Samuel Salzborn,

es kann einem wirklich angst und bange werden, wenn man Ihren Text so liest. Es scheint ein wahrer Mob in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gehaust zu haben, gemeingefährlich, der schreiend und aggressiv den Ablauf störte und bei dem manch einem der älteren Besucher fürchterliche Erinnerungen an ihre Jugend oder Kindheit hätten aufkommen können. Ich stelle mir tumultartige Szenen vor und wäre, wenn ich nicht die Wahrheit wüsste, erschrocken und wütend, weil es ja durchaus nicht ganz unwahrscheinlich ist, dass Antisemiten und Rechtsextreme schon wieder offen auf einer jüdischen Veranstaltung auftauchen. Immerhin rannten heute 250 urplötzlich über den Kudamm in Berlin.  Ich lese:

20 Personen sprangen nach dem Grußwort (!) der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde, Lala Süsskind, auf, störten den Ablauf und hielten vorbereitete Plakate mit Solidaritätsbekundungen für Iris Hefets, die Autorin des taz-Artikels, hoch.

Und dann sehe ich die irgendwie überhaupt nicht bedrohlich wirkenden Menschen, die dort stehen und mir so gar nicht eine aggressive Körperhaltung ausdrücken.

Und ich lese weiter und da schreiben Sie, dass „die antisemitische Stimmung, die sich schwerlich als ’nur‘ antizionistisch zu tarnen vermag, […] sich am Rande des Ausnahmezustandes“ bewegte. Die Polizei habe die Aufgabe, „Antisemiten daran zu hindern, ihren Aggressionen freien Lauf zu lassen“. Und dabei vergessen Sie ganz zufällig zu erwähnen, dass diese jungen Menschen dort aus Israel waren, der Gruppe „Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost“ angehörten und mitnichten so einfach als Antisemiten und vielleicht nicht einmal als Antizionisten bezeichnet werden können.

Das wären langsam aber ziemlich viele jüdische und israelische Antisemiten, finden Sie nicht? Viel zu viele. Aber das natürlich alles nur am Rande. Ist ja auch nur eine Randnotiz hier. Alles Gute.

Nachtrag: All das Geschriebene gilt natürlich auch für Sie, sehr geehrter Herr Arvid Vormann. Inzwischen dürfte aber wohl der größte Dussel mitbekommen haben, dass hier nur wieder Knallkörper in die Luft geworfen werden.